Bei einer Info-Veranstaltung im Hochstädter Bürgerhaus standen Vertreter der Deutschen Glasfaser kürzlich den Hochstädtern und Wachenbuchenern für offene Fragen zur Verfügung.
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Bei einer Info-Veranstaltung im Hochstädter Bürgerhaus standen Vertreter der Deutschen Glasfaser kürzlich den Hochstädtern und Wachenbuchenern für offene Fragen zur Verfügung.

Stadtentwicklung

Bürger entscheiden über Highspeed-Internet - Deutsche Glasfaser zeigt sich optimistisch

  • vonBettina Merkelbach
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Es ist nicht zu übersehen. Überall stehen Plakate, Infostände vor Supermärkten, blaue „Wir sind dabei“-Fähnchen in den Vorgärten, Produktmappen liegen in den Briefkästen, Vertriebler putzen Klinken: In Hochstadt und Wachenbuchen soll ein Glasfasernetz für Hochgeschwindigkeits-Internetverbindungen verlegt werden. Ob sie in Zukunft mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s surfen können, haben die Einwohnerinnen und Einwohner beider Stadtteile derzeit selbst in der Hand. Noch bis zum 28. November läuft die Phase der sogenannten Nachfragebündelung.

Maintal – Entscheiden sich mindestens 40 Prozent der Haushalte in Hochstadt und in Wachenbuchen für einen Wechsel, beginnt Deutsche Glasfaser, eine Unternehmensgruppe mit Sitz in Borken, die sich den Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur im ländlichen Raum auf die Fahnen schreibt, mit Planung und Bau des Netzes. Hierfür wurde ein Kooperationsvertrag mit der Stadt geschlossen, die als Partner in alle Schritte des Projektes involviert wird. Außerdem, so warb Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) in einem Brief Anfang August an alle Hochstädter und Wachenbuchener, müsse die Stadt keine öffentlichen Mittel investieren. Stattdessen nimmt Deutsche Glasfaser einen Investor mit ins Boot, der das Projekt ab einer Quote von 40 Prozent unterstützt. Der Anbieter hat bereits das zukunftsfähige Netz in drei Maintaler Gewerbegebieten ausgebaut.

Corona habe gezeigt, wie wichtig eine zuverlässig schnelle Datenübertragung auch für Privatpersonen ist: Home-Office, Home-Schooling, Videotelefonie mit Freunden und Großeltern, die Lieblingsserie in UHD streamen – da geht schon mal das WLAN in die Knie. Und wer sitzt schon gerne in der Zoom-Konferenz und versteht die Kollegen kaum noch, weil die Internetverbindung wackelt? Oder scheucht den Nachwuchs aus dem WLAN, um eine stabile Verbindung im Videocall zu haben? Diese Probleme soll es mit der Zukunftstechnologie Glasfaser nicht mehr geben. Denn, so erklärte Projektmanager Lennart Götte kürzlich beim Infoabend im Hochstädter Bürgerhaus, anders als die bislang genutzten Kupferleitungen bringe Glasfaser 100 Prozent der vertraglich vereinbarten Leistung von mindestens 300 Mbit/s bis in die eigenen vier Wände.

Deutsche Glasfaser plant eine kostenfreie Verlegung für alle, die sich rechtzeitig für einen Wechsel entscheiden

Kupferleitungen hätten gegenüber dieser „Fiber to the Home“-Anschlüsse (FTTH) den Nachteil, dass die Übertragungsgeschwindigkeit in größerer Entfernung von der Verteilerstation abnehme. Deutsche Glasfaser plant jedoch, die neuen Leitungen bis in jede Wohneinheit zu legen – und das kostenfrei für alle, die sich bis zum Ende der Akquisephase zu einem Wechsel entschließen.

Hierbei haben die Hochstädter und Wachenbuchener die Wahl zwischen vier Tarifen mit Geschwindigkeiten von 300 bis 1000 Mbit/s. Kostenpunkt: In den ersten Zwölf Monaten alle 24,99 Euro, ab dem 13. Monat von 44,99 bis 89,99 Euro. Zusätzlich lassen sich Optionen wie Fernsehen über Glasfaser dazu buchen. Nachzügler können trotzdem noch ins schnelle Netz wechseln, zahlen für den Anschluss dann aber mindestens 750 Euro.

Deutsche Glasfaser kümmert sich beim Abschluss eines Vorvertrags nicht nur um den Anbieterwechsel, sondern erlässt auch für die restliche Vertragslaufzeit die Grundgebühr, sodass man keine zwei Provider zahlen muss. Dies jedoch höchstens zwölf Monate lang. Bisherige Telefonnummern kann man mitnehmen.

Deutsche Glasfaser: 40 Prozent bis Ende November scheint für manche illusorisch

Trotzdem überwiegt in sozialen Netzwerken, in denen der Netzausbau seit Wochen diskutiert wird, die Skepsis. Viele sind mit ihren derzeitigen Verträgen und Surfgeschwindigkeiten zufrieden und sehen keinen Grund für einen Wechsel.

Andere wiederum halten die Vorgabe, bis zum Stichtag 28. November 40 Prozent aller Haushalte zu gewinnen, für illusorisch. Denn Stand heute sind gerade einmal 15 Prozent in Wachenbuchen und 17 Prozent in Hochstadt erreicht.

Deutsche Glasfaser ist allerdings optimistisch: „Aus Erfahrung können wir sagen, Maintal ist absolut auf Kurs. Die Prozentzahlen und die Entwicklung des Projektes in Maintal sind sehr erfreulich. Wir müssen immer die Größe des Projektes und einen hohen Anteil an Mehrfamilienhäusern berücksichtigen“, heißt es auf Nachfrage. Und wenn die 40 Prozent knapp verfehlt werden? „Liegt ein Stadtteil bei 36 Prozent und der andere über 40, dann kommt das Projekt trotzdem zustande“, versprach Projektmanager Götte.

Doch was, wenn man jetzt einen Vorvertrag abschließt und erst nach Ende der Nachfragebündelungsphase beim Begehungstermin erfährt, dass es baulich nicht möglich ist, die Glasfaser-Verbindung bis in die eigenen vier Wände zu legen? Das war eine der zentralen Fragen beim Infoabend im Hochstädter Bürgerhaus. Denn Deutsche Glasfaser legt das Kabel nur bis zum Netzabschluss. Von dort muss der Kunde ein Leerrohr zur Verfügung stellen, um die Verkabelung zum Router weiterzuführen. Ist das nicht möglich, wäre der Vorvertrag wohl hinfällig, erklärte Lennart Götte. „Es wäre schon gut, vorher zu wissen, ob es überhaupt möglich ist, den Anschluss bis in meine Wohnung zu legen“, sagte eine Teilnehmerin entrüstet.

Gibt es keine baulichen Probleme, können die ersten Kunden vermutlich Ende 2021 auf das neue Netz aufgeschaltet werden können.

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