Ganze Arbeit geleistet: Biologin Dr. Eva Distler (rechts) und ihr Pflanzteam Gabi Preuß, Margrit Schmitt, Rolf Funk und Angela Funk (von links) freuen sich auf die Blühfläche, die sie Maintal fürs kommende Jahr beschert haben Foto: Rainer Habermann

Maintal

Maintal blüht: Weitere Blühfläche in Bischofsheim eingesät

Maintal. „Ab Januar oder Februar wird es hier schon blühen. Erst Schneeglöckchen und Winterlinge, dann später Krokusse, Narzissen und Tulpen. Im Laufe der Zeit rechne ich mit mindestens 25, 30 verschiedenen Arten von Wildblumen und Pflanzen.“

Von Rainer HabermannRecht stolz blickt Biologin Dr. Eva Distler um sich, auf die kürzlich gemähte Wiese vor der Bischofsheimer evangelischen Kirche. Zusammen mit vier Helfern, alles Freiwillige, hat sie am Samstag insgesamt 1650 Blumenzwiebeln unter die Erde gebracht. Eine Heidenarbeit, für die die freiwilligen Helfer den Vormittag und einen guten Teil des Nachmittags opferten. „Ach, wir sehen das nicht so eng. Die Arbeit bei herrlichem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen macht doch Spaß“, lächelt Rolf Funk. Mit von der Partie sind drei weitere Damen: Gabi Preuß, Margrit Schmitt und Angela Funk.

Sie alle beteiligen sich an der Aktion des Main-Kinzig-Kreises „Main-Kinzig blüht – Wir machen mit“, der sich auch die Stadt Maintal angeschlossen hat. „Ganz wichtig sind zum Beispiel die Krokusse, weil die bereits bei Temperaturen um die zehn Grad aus der Erde kommen und genau dann auch bereits die ersten Wildbienen auf Nahrungssuche sind“, erklärt die Biologin Sinn und Zweck der ganzen Aktion, nämlich Überlebensstrategien für Bienen und Insekten zu bieten.

Blühwiesen als Oase für Kleinlebewesen

Es geht also nicht nur um die Schönheit von Blumen und Blüten, wenn die bunte Saat aufgeht, sondern um den Erhalt der Artenvielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt. Denn Insekten bilden die Nahrungsgrundlage für die meisten Vogelarten. Und ist die Nahrungskette nicht mehr vorhanden oder stark unterbrochen, gibt es auf längere Sicht auch keine Vögel mehr. Und gibt es keine Bienen mehr, so haben auch die meisten Gehölze, Sträucher oder Obstbäume keine Fortpflanzungsgrundlage.

Bienen, Hummeln und andere sehr nützliche Insekten übernehmen die Hauptarbeit bei der Bestäubung. Viele Wissenschaftler sehen das Insektensterben dramatisch. Und selbst kleine und kleinste Projekte wie ein paar Quadratmeter „Blühwiesen“ in jedem Garten können diese negative Entwicklung vielleicht nicht aufhalten, so doch eindämmen und Oasen für Kleinlebewesen bilden.

MKK übernahm Distlers Honorar

Eine solche Blühwiese hatten im Rahmen der Aktion „Maintal blüht“ und „Main-Kinzig blüht“ Freiwillige – ebenfalls unter Leitung von Distler – bereits im Mai auf der Fläche vor der Bischofsheimer Kirche eingesät und damit quasi „den Grundstein gelegt“ für eine Wildblumen- und Wildkräuterwiese. Jetzt folgte die Pflanzung der Blumenzwiebeln, die üblicherweise erst im Herbst passieren kann. An diesem Wochenende herrschten ideale Bedingungen, was vielleicht auch die relativ geringe Beteiligung erklärt. Denn der Termin war recht kurzfristig vereinbart und bekanntgegeben worden.

„Wir hatten hier ein relativ mageres Substrat als Boden eingebracht“, erklärt die Biologin. „Weil auf Magerböden in der Regel eine größere Artenvielfalt entstehen kann, und das ist ja auch unser Ziel: keine 'Monokulturen', sondern Vielfalt. Das brauchen die Insekten. Mager bedeutet geringerer Nährstoffgehalt, also wenig Stickstoff, weniger Humusanteil“, erläutert Distler. Bleibt noch die Frage, wer die Aktion finanziert. „Mein Honorar für die Begleitung der Aktionen wird vom Main-Kinzig-Kreis übernommen“, sagt die promovierte Biologin. „Und die 1650 Zwiebeln für die rund zwölf Blumenarten hat diesmal die Bürgerstiftung Maintal gezahlt.“

Gesäte Pflanzen sind (mittlweile) heimisch

Unter den Zwiebeln befinden sich so schillernde Namen wie „Chionodoxa Liciliae“, „Eranthis Hyemalis“ oder „Scilla Siberica“. Botanische Namen sind üblicherweise in Latein gehalten, sie bedeuten auf gut Deutsch „Gewöhnliche Sternhyazinthe“, „Winterling“ oder „Sibirischer Blaustern“. Und kommt man jetzt auf den Gedanken: „Hoppla, es sollen doch einheimische Blumen sein“, so darf man ruhigen Gewissens sagen: Es sind (mittlerweile) heimische Pflanzenarten. Auch wenn der eine oder andere „Neophyt“ darunter ist. Also eine Pflanzenart, die nicht in einer geografischen Region beheimatet ist und in der jüngeren Geschichte eingeführt wurde.

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