Hochwertige Zutaten: Aus den regionalen Zutaten werden leckere Gerichte gezaubert.
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Hochwertige Zutaten: Aus den regionalen Zutaten werden leckere Gerichte gezaubert.

Digitales Duell am Herd

Birgit Hahn und Reinhard Dalek aus Maintal kochen bei digitaler Küchenschlacht

  • vonBettina Merkelbach
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Das Fleisch scharf anbraten und anschließend anderthalb Stunden in einer Soße aus Räucherspeck, Zwiebeln, Knoblauch, Fleischbrühe, gelben Rüben, Lauch, Kräutern aus dem Garten, Pinot Noir und Rotem Hochstädter schmoren lassen. Was Reinhard Dalek anschließend auf den Teller zaubert, nennt er „geschmorte Hochrippe nach Erinnerung von meiner Mutter Jahrgang 1919“.

Maintal –Dazu reicht er Kartoffelstampf, Apfelrotkraut und Pilze. Dalek ist einer von zwei Maintalern, die in der ersten digitalen Küchenschlacht um die Wette kochen. Geplant hatten die Veranstalter Spessart Tourismus und Marketing und Behinderten-Werk Main-Kinzig (BWMK) eigentlich ein Live-Kochduell, bei dem sich die Wettbewerbsteilnehmer Auge in Auge an den Töpfen gegenüberstehen und um die besten Geschmacksnoten ihres Publikums brutzeln.

Doch Corona hat wie so vieles auch diesen Plan durchkreuzt. Daher haben die Tourismusexperten aus Gelnhausen ein neues Format ohne direkten Kontakt entwickelt: die „Küchenschlacht digital“.

Die Wachenbuchenerin Birgit Hahn hatte von dem virtuellen Wettkochen im MAINTAL TAGESANZEIGER gelesen und bewarb sich. Ihr Menüvorschlag fand bei der Jury Anklang: hohe Rippe mit Pilzpfanne und Kartoffel-Kürbis-Stampf, zum Nachtisch Apfel-Muffin mit Weinschaumcreme.

Birgit Hahn aus Wachenbuchen experimentiert gerne mit Rezepten.

Wie Reinhard Dalek holte sie eine Kiste vollgepackt mit regionalen Qualitätsprodukten auf dem Wochenmarkt in Linsengericht ab und konnte damit loskochen. Die vom BWMK zusammengestellten Zutaten: Shiitake-Pilze und Kräuterseitlinge, Kartoffeln, Hokkaido-Kürbis, Honig, Apfelsaft, Quark, Äpfel und wahlweise „hohe Rippe“ oder als vegetarische Alternative marmorierte Linsen und Ziegenkäse.

Birgit Hahn ist erstaunt, dass diese Pilze hier wachsen – damit ist ein Hauptziel der Küchenschlacht, Hobbyköche für die Vielfalt der regionalen Landwirtschaft zu begeistern, erfüllt. Sie hat sich vorab genau überlegt, was sie zubereitet. „Ich koche sonntags gerne was Schönes“, sagt die Bankerin bescheiden, die zufällig in einem Kochklub gelandet ist und seitdem aus den zugesandten Rezepten eigene Gerichte kreiert. Sie besitzt über 100 Kochbücher und experimentiert mit Spezialitäten aus aller Herren Länder – auch wenn es ihr, die aus der Nähe von Dortmund stammt, die westfälische Küche besonders angetan hat.

Für Hobbykoch Reinhard Dalek zählt der Spaß am Kochen.

Reinhard Dalek hält es eher hessisch. Er hat das Kochen von klein auf von seiner Mutter gelernt und sich im Lauf der Zeit, wie er sagt, auf „Großtiere“ spezialisiert. „Wenn meine Mutter früher für die ganze Familie Schweinebraten und Kartoffelklöße gekocht hat, habe ich einen Putzeimer voll Kartoffeln geschält“, erinnert er sich.

Wie Birgit Hahn gibt auch er überlieferten Rezepten seine ganz eigene Note. Beide sind begeistert von der Qualität der regionalen Produkte, die in ihren Töpfen landen. Als Improvisationskünstler hat Dalek sich jedoch von der Zutatenkiste überraschen lassen. „Hinterher sieht es in der Küche immer wild aus, aber das Wichtigste ist der Spaß beim Kochen“, sagt Dalek, für den der Gewinn der Küchenschlacht eher zweitrangig ist. Ihn hat die Idee, aus einer Kiste unbekannter Zusammensetzung ein Gericht zu kreieren, gereizt.

Geschmeckt hat es allerdings beiden Familien, in Hochstadt wie in Wachenbuchen. Bleibt die Frage, ob sich bei allem Drang, Events in den digitalen Raum zu verlagern, ausgerechnet ein Kochwettbewerb dazu eignet. „Schade, dass die Jury mein Essen nicht probieren kann“, findet Birgit Hahn. Prämiert werden nämlich allein die innovativste Rezeptidee und die kreativste Dokumentation. Vielleicht können sich Birgit Hahn oder Reinhard Dalek bald über eine Karte zur nächsten Küchenschlacht oder einen Gutschein des MKK-Lädchens in Gelnhausen freuen. Wer sich selbst inspirieren lassen möchte, findet unter dem Hashtag #mkkkuechenschlacht auf Facebook und Instagram leckere Rezeptideen, Bilder und Videos, die Lust auf die regionale Herbstküche machen.

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