Ein Bauzaun unterteilt das Außengelände einer Kita, damit sich die Gruppen draußen nicht durchmischen.
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Ein Bauzaun unterteilt das Außengelände, damit sich die Gruppen draußen nicht durchmischen.

Corona-Pandemie

Auflagen des Gesundheitsamtes: Maintaler Kitas kehren langsam aber sicher zum Regelbetrieb zurück

Die Maintaler Kitas wollen wieder zum Regelbetrieb übergehen. Hierbei müssen jedoch Auflagen des Gesundheitsamtes erfüllt werden, um Kinder, Familien und Erzieher zu schützen.

Maintal – „Es ist schön, wieder hier zu sein. Zuhause wurde es langweilig“, bringt Fatima auf den Punkt, was sicher viele Maintaler Kinder, die seit drei Wochen endlich wieder in die Kindertagesstätten gehen können, fühlen. „Es ist für die ganze Familie schön, dass sie wieder herkommen kann“, ergänzt ihre Mutter erleichtert und zieht kurz die Atemschutzmaske nach unten, um ihrer Tochter einen Abschiedskuss zu geben, die fröhlich durch die Eingangstür hüpft. Gut dreieinhalb Monate liegen hinter ihr, in denen sie wie die meisten Eltern ihre Kinder zuhause betreuen musste – ohne Unterstützung der Großeltern, ohne Freizeitaktivitäten in Sportvereinen, ohne Spieleverabredungen, ohne Spielplatzbesuche.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren Mitte März alle Betreuungseinrichtungen geschlossen worden. Nur Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, konnten zur Notbetreuung in die Kitas – und wurden dort mit einem umfangreichen Regelwerk konfrontiert, mit dem der komplette Eingang des Montessori-Kindergartens plakatiert ist.

Auflagen des Gesundheitsamtes seinen eine Herausforderung für die Kitas gewesen

„Die vielen Anforderungen des Gesundheitsamtes haben uns Schweiß und Nerven gekostet. Trotzdem war es schön, dass wieder Leben im Haus war“, beschreibt Samantha de Sousa, Leiterin der Bischofsheimer Einrichtung, den Neustart.

Die Hygieneregeln konnten erst einmal in der kleinen Gruppe der „Notbetreuungskinder“ eingeführt werden, die für alle weiteren Rückkehrer zu Vorbildern wurden. „Die Größeren helfen den Kleineren, alle passen aufeinander auf. Ein selbst ernannter Corona-Botschafter erinnert die andern daran, sich regelmäßig die Hände zu waschen.“

„Handhygiene, Masken tragen, Oberflächen reinigen – viele Einschränkungen haben wir nicht mehr“, erklärt Bianca Holzwarth, Leiterin des Blauen Hauses im Familienzentrum Schillerstraße. Trotzdem führe die Maskenpflicht bei einigen Eltern immer wieder zu Diskussionen. „Viele Eltern akzeptieren die nötigen Maßnahmen in Anbetracht der außergewöhnlichen Situation“, beschreibt hingegen Melanie Mandler-Rohrbach, Vorstandsmitglied des Trägervereins des Montessori-Kindergartens, das Verständnis der Eltern. Ein größeres Problem war es in beiden Einrichtungen, die bislang offenen Gruppen zu trennen.

Kitas mussten Selbstbestimmung der Kinder der Auflagen wegen einschränken

„Wir mussten die Selbstbestimmung der Kinder, die bei uns traditionell groß geschrieben wird, schon ein Stück weit einschränken“, sagt Samantha de Sousa. „Diese starre Trennung war für uns alle neu. Die Kinder sind es gewöhnt, sich überall frei zu bewegen“, erklärt auch Bianca Holzwarth. Die Umsetzung dieser Vorgabe ist vor allem im Außengelände des Familienzentrums schwierig.

Der ursprüngliche Plan, jeder Gruppe eine feste „Gartenzeit“ zuzuweisen, schlug fehl. „Einige waren draußen, der Rest hing frustriert an den Fenstern und hat sich die Nasen platt gedrückt“, erinnert sich die Leiterin. „Viele unserer Kinder kommen aus beengten Wohnverhältnissen und haben sich riesig auf unseren Garten gefreut. Dass sie nicht raus konnten, wann sie wollten, haben die meisten nicht verstanden.“

Um möglichst vielen Kindern das Spielen im Freien zu ermöglichen, wurde das Gelände mit Absperrbändern in mehrere Abschnitte unterteilt. „Die Absperrungen fühlen sich für die Kinder komisch an“, gibt Natascha Schüller, die gerade ihren Sohn abgegeben hat, zu. Lennox fühle sich eingeschränkt, was die ohnehin schwierige Wiedereingewöhnung in den Kindergarten-Alltag zusätzlich erschwere.

Auflagen der Kitas: Einige Kinder trauern um einige Spielgeräte

Das rot-weiße Flatterband ist mittlerweile einem Bauzaun gewichen, der den Garten zweiteilt. Eine kleine Gruppe verlässt das blaue Haus und geht um den Zaun herum in den Sandkasten. „Die Kinder trauern um einige Spielgeräte. Wir haben zum Beispiel nur in einem Teil ein Trampolin“, beschreibt Bianca Holzwarth die Reaktion. Deshalb unternimmt jetzt regelmäßig eine Gruppe einen Ausflug, damit der Außenbereich von den übrigen Kindern flexibler genutzt werden kann.

Derart pragmatische Lösungen gibt es allerdings nicht für jedes Problem. Wie handhaben die Erzieherinnen und Erzieher Elternkontakte? Momentan könnten sie diese Gespräche auf ein Minimum beschränken. Aber bald stünden Erstgespräche und Eingewöhnungen an, in denen zusätzlich zu den neuen Kindern auch viele Eltern die Einrichtung bevölkern. Bei einigen Mitgliedern des über 30-köpfigen Mitarbeiterteams des Familienzentrums sei bei aller Freude über die rückkehrenden Kinder die Angst vor einer Ansteckung groß.

Auch im Montessori-Kindergarten herrscht Unsicherheit angesichts einiger Eltern, die erkältete, fiebrige Kinder in die Einrichtung bringen. „Wir sehen mit Sorge der Rückkehr der Urlauber nach den Sommerferien und der Erkältungszeit im Herbst entgegen. Wir versuchen, den Eltern klarzumachen, dass der Gesundheitsschutz vorgeht“, sorgt sich Leiterin de Sousa. Die große Frage, die aber über allem schwebt, ist: „Was ist, wenn wir einen Fall haben? Das weiß hier im Moment keiner so genau“, sorgt sich auch Bianca Holzwarth.

(VON BETTINA MERKELBACH)

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