Anwohner sehen „letzte freie Grünfläche in Bischofsheim“ in Gefahr: Gegen den in der Rhönstraße geplanten Kitabau hat eine Gruppe jetzt Widerspruch angelegt.
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Anwohner sehen „letzte freie Grünfläche in Bischofsheim“ in Gefahr: Gegen den in der Rhönstraße geplanten Kitabau hat eine Gruppe jetzt Widerspruch angelegt.

Stadtentwicklung

„Am Bürger vorbeigeplant“: Anwohner legen Widerspruch gegen den geplanten Kitabau in der Rhönstraße ein

  • vonBettina Merkelbach
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Der Bauplatz ist beschlossene Sache. Und die Zeit drängt: Schon im Winter 2021, spätestens im Frühjahr 2022 soll die neue städtische Kita erste Kinder aufnehmen. Gegen das in der Rhönstraße geplante Bauvorhaben hat eine Handvoll Anwohner Widerspruch eingelegt.

Maintal – Dabei ist den Bischofsheimern ein Anliegen besonders wichtig: „Wir begrüßen den Bau der Kita im Stadtteil Bischofsheim ausdrücklich“, sagt Jürgen Eisner, der in unmittelbarer Nähe zum Bauplatz für die Einrichtung wohnt. Sie hätten selbst Kinder, teilweise auch Enkel, und wüssten, wie wichtig neue Betreuungsplätze sind. Den geplanten Standort in der Rhönstraße halten sie jedoch für ungeeignet, macht die vierköpfige Gruppe im Gespräch mit dem MAINTAL TAGESANZEIGER klar.

Deshalb haben Brigitta und Klaus Grüner, Gabriele Wölfel und Jürgen Eisner dem in der Rhönstraße geplanten Bau schriftlich widersprochen. Ihr Hauptargument: Warum soll die letzte freie Grünfläche in Bischofsheim zugebaut und wertvolle Bäume gefällt werden, wenn der Festplatz am Fechenheimer Weg als geeigneteres Grundstück brachliegt?

Die Parkanlage sei ein gut besuchter Naherholungsraum. Nach dem Einkaufen, zum Hunde-Ausführen und Feierabend-Plausch seien die schattigen Bänke sehr beliebt. Die Bäume, die hier stehen, sind wertvoll und selten. „In Dörnigheim sollen für viel Geld zusätzliche Grünflächen im Rahmen des Förderprogramms ‘Stadtgrün’ entstehen. Im Stadtteil Bischofsheim wird nun die einzige Parkanlage plattgemacht. Das ist doch paradox“, sagt Jürgen Eisner. „Wo bleiben denn da Lebensqualität, Klimaschutz, Erhaltung von Flora und Fauna, Wiesen und Insekten?“, ereifert sich Brigitta Grüner. Sie hat sich den online in der Machbarkeitsstudie einsehbaren Steckbrief des Grundstücks vorgenommen und ihm Punkt für Punkt widersprochen.

Maintal: Anwohner befürchten Probleme in der Verkehrssituation

Die größten Knackpunkte sieht die Gruppe in der Umwidmung der Parkanlage als Bauland, dem Fällen der Bäume und dem zusätzlichen Verkehrsaufkommen. „Die als günstig beurteilte Verkehrslage ist grotesk,“ fasst Eisner seinen Ärger zusammen. Sämtliche Straßen und Bürgersteige im Quartier seien nicht für eine Kita ausgelegt und zu schmal, Parkplätze auf dem Bauplan nicht vorgesehen. „Man muss ja jetzt schon bei Gegenverkehr in Parklücken ausweichen“, sagt Gabriele Wölfel. „Wenn hier jeden Morgen mindestens hundert Kinder mit dem Auto hergebracht werden, ist das Verkehrschaos vorprogrammiert.“

Eine Bushaltestelle oder ein Radweg für Eltern, die ihre Kinder mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder per Fahrrad bringen und abholen wollen, fehlt. All dies sei auf dem ebenfalls bewerteten städtischen Grundstück am Fechenheimer Weg anders. Hier müssten keine Bäume gefällt oder umgesiedelt werden. Die Nähe zum Wald und die mögliche Mitnutzung der Turnhalle der Turnerschaft Bischofsheim sei ein Gewinn für die Kinder. „Der Festplatz wird ja eh nicht mehr als Festplatz genutzt“, räumt Brigitta Grüner etwaige Gegenargumente wie die von der Stadt angeführten „Nutzungskonflikte mit Vereinen oder externen Schaustellern“ vom Tisch.

Bereits der dritte Versuch, die Grünfläche in der Rhönstraße in Maintal zu bebauen

Zudem, da sind sich die Anrainer einig, sei das Grundstück in der Rhönstraße für das Bauvorhaben ungeeignet. „Das ist hier ja schon der dritte Versuch, diese Grünfläche zu bebauen“, erzählt Gabriele Wölfel und berichtet von früheren Plänen, hier Sozialwohnungen oder das Asylbewerberheim zu bauen. Eine Untersuchung sei damals zu dem Schluss gekommen, dass eine Bebauung nur mit großem Aufwand möglich wäre.

„Wir stehen hier ja auf einem ehemaligem Sumpfgebiet“, erklärt Jürgen Eisner. „Der ehemalige Graben wurde mit Bauschutt aufgefüllt. Die erforderliche Tragkraft für die Bodenplatte des zweigeschossigen Kita-Gebäudes kann nur mit immensem technischem Aufwand mit Brunnengründung realisiert werden. Beim Aushub sind besondere Entsorgungen zu erwarten.“ Daher seien die letzten Bauvorhaben an dem unterirdischen Wasserlauf und dem hohen Grundwasserspiegel gescheitert. „Die Stadt war beim Vorkaufsrecht des ehemaligen Hotels Hübsch untätig“, klagt Eisner an. „Hier wurde eine gute Chance für den Umbau des Gebäudes zu einer Kita vertan. Eine Parkanlage müsste nicht platt gemacht werden und ausreichend Parkplätze wären hier auch vorhanden. Jetzt wird das „Hotel“ als Arbeiterwohnheim genutzt.“

Maintal: Wölfel spricht von einer verschwendeten Chance bei dem Bau der Kita

Außerdem befürchten die Bischofsheimer durch die geplante Modulbauweise laut Wölfel einen „hässlichen, langweiligen Klotz wie das Familienzentrum Eichenheege“. „Hier wird eine riesige Chance vertan, sinnvoll und nachhaltig zu bauen und für die Kinder etwas Schönes zu schaffen“, ist sich die Rentnerin sicher. „Das Bauvorhaben wurde vollkommen am Bürger vorbeigeplant“, pflichtet ihr Klaus Grüner bei.

Die Gruppe erregt Aufsehen. Es gesellen sich weitere Anwohner dazu. Die Wut ist groß. Außer einer Eingangsbestätigung gab es bislang keine Reaktion auf ihre Widersprüche, die sie bereits im März und April an die Maintaler Stadtplanung und teilweise auch an das Bauamt in Gelnhausen gerichtet hat.

Dass die Rhönstraße trotz der für sie nicht nachvollziehbaren Nachteile dem Fechenheimer Weg vorgezogen wird, hat für die Anwohner rein politische Gründe. „Das Grundstück hier wurde mit falschen Argumenten schöngeredet. Die haben mit dem Festplatz was anderes vor“, mutmaßt Brigitta Grüner, die rechtlich gegen das Bauvorhaben in der Rhönstraße vorgehen will und zu einer Sammelklage beim Verwaltungsgericht aufruft. „Notfalls kette ich mich hier auch an einem Baum fest“, sagt sie.

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