Nach fast 42 Jahren verlässt Monika Kneipp die Waldschule.
+
Nach fast 42 Jahren verlässt Monika Kneipp die Waldschule.

Abschied in besonderen Zeiten

Schulleiterin Monika Kneip verlässt die Waldschule nach knapp 42 Jahren

  • Jan Max Gepperth
    VonJan Max Gepperth
    schließen

Dass der Abschied nicht einfach sein würde, war Monika Kneip klar. Doch dass er so verlaufen würde, hätte die Schulleiterin der Waldschule nicht gedacht. Nach knapp 42 Jahren als Lehrerin, davon fünfeinhalb Jahren als Schulleiterin, geht die 66-Jährige am Freitag (29. Januar 2021) in den Ruhestand.

Maintal –An die Waldschule, die Monika Kneip als ihr zweites Zuhause beschreibt, sei sie durch eine Einladung des damaligen Schulamtsdirektors Grimmer zur Abschiedsfeier der früheren Rektorin Reuhl gekommen. Kneip hatte sich unter anderem für den Main-Kinzig-Kreis beworben. Am Ende der Feier fragte Grimmer, ob sie hier eine Stelle antreten wolle. Sofort hatte sich Kneip in das alte Gebäude, die Bäume und den gesamten Eindruck verliebt, weshalb sie nicht lange zögerte und sofort annahm.

Von 1979 an unterrichtete sie an der Waldschule und hatte schnell Ideen, die sie mit einigen Kolleginnen in die Tat umsetzen konnte – und das besonders im Bereich „Sport und Bewegung“.

Kneip hat an den Sportunterricht in ihrer Schulzeit keine guten Erinnerungen – vielmehr habe sie ihn gehasst und oftmals geschwänzt. „Daher habe ich Sport im Hauptfach studiert, mit der Motivation: Das kann man doch besser machen und zwar so, dass Kinder Freude an diesem Unterricht haben.“

Kneip besorgte ein Fahrrad für einen Schüler

Generell sei es Kneip immer wichtig gewesen, dass Kinder Spaß an der Schule haben. „Kinder müssen mit der Schule etwas Positives verbinden und gerne kommen – nur dann können sie wirklich lernen“, fasst sie zusammen. Die scheidende Schulleiterin hat sich immer für die Bedürfnisse und damit zum Wohl der Kinder eingesetzt. „Mein Herz hat immer für die Kinder geschlagen, die es vielleicht nicht so einfach hatten“, berichtet sie.

Besonders erinnert sie sich an eine Situation, bei der sie ein Fahrrad für ein Kind besorgte. „Wir hatten damals Radfahrunterricht mit der Jugendverkehrsschule und ich sah dieses eine Kind ohne Fahrrad am Rand stehen und zuschauen“, erinnert sie sich, „ich dachte mir, das kann doch nicht sein, dass ein Kind, nur weil die Eltern ihm kein Fahrrad kaufen können, nicht mitmachen kann.“ Also rief sie im Hochstädter Fundbüro an und organisierte ein Fahrrad, das der Fahrradshop um die Ecke verkehrstauglich machte.

Es sei wichtig, andere für Ideen zu begeistern

Die 66-Jährige hat gleich mehrere soziale Projekte mit initiiert. Seit 2010 ist im Schulprogramm der Waldschule verankert, dass jede vierte Klasse ein soziales Projekt auf die Beine stellen soll. Den Anstoß gab auch hier eine persönliche Geschichte, wie Kneip, die bereits in den 90ern die ersten Flüchtlinge in ihre Klasse aufgenommen hatte, verrät. Sie hatte ein aus Haiti adoptiertes Geschwisterpaar unter ihren Schülern und kam nach dem schweren Erdbeben 2010 mit den Adoptiveltern ins Gespräch. Diese berichteten von den schrecklichen Zuständen. „Die Kinder meiner Klasse und ich haben daraufhin einen Flohmarkt veranstaltet und das eingenommene Geld mit Hilfe des Elternpaares einem Kinderheim gespendet.“

Wichtig sei, dass man die Menschen für die Ideen begeistern können muss. „Ich bin ein Macher, aber kein Allein-Macher, sondern war immer darauf angewiesen, dass andere meine Ideen mittragen“, fasst Kneip zusammen. „Denn alle machen nur dann mit mit, wenn sie voll von etwas überzeugt sind.“

Betreuung als wichtige Priorität an der Waldschule

Überzeugt war die scheidende Schulleiterin auch von der Ganztagsbetreuung, die sie während ihrer Zeit an der Schule immer weiter ausgebaut hat. Grund hierfür sind eigene Erfahrungen, die sie in den 80er-Jahren gesammelt hat. „Damals waren die Kinder bis 12 Uhr im Kindergarten und mussten dann abgeholt werden. Da hatte keiner Verständnis dafür, dass man diese Zeit als berufstätige Mutter nicht immer einhalten konnte“, blickt Kneip zurück. Auch als ihre Kinder später in der Schule waren, habe sich die Situation nicht gebessert. Sie sei immer auf die Unterstützung ihres sozialen Umfelds angewiesen gewesen. Daher rief sie damals in ihrem Wohnort Bad Vilbel einen Förderverein ins Leben, um eine private Betreuung gründen zu können. Als sich dieses Konzept als erfolgreich erwies, versuchte Kneip diese Erfahrungen auch in der Waldschule einzubringen und unterstützte die Gründung des Fördervereins und der Betreuung „Waldfüchse“ 1994.

Nach und nach stieg der Bedarf an Betreuungsplätzen, sodass die Schule 2011 ein Ganztagsangebot nach Profil 1 (GTA 1) einrichtete. Dieses beinhaltet ein Angebot an mindestens drei Wochentagen von 7.30 bis 14.30 Uhr und wird vom Land Hessen gefördert. Doch dabei beließ es die Diplompädagogin nicht. Ihre Vorgängerin, Irene Morgenstern, und sie entschieden schon sehr schnell ins GTA Profil 2 zu wechseln, das die Betreuung an fünf Tagen sicherte.

Dank an das Kollegium

2017 führte sie dann die ersten Gespräche mit dem Main-Kinzig-Kreis und dem Zentrum für Kinder,- Jugend- und Familienhilfe (ZKJF), um in den sogenannten „Pakt für den Ganztag“ einzutreten. Dieser beinhaltet laut Land Hessen ein „integriertes und passgenaues Bildungs- und Betreuungsangebot“ und soll für eine „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ sorgen. „Das ist etwas, über das ich mich sehr freue“, sagt Kneip im Hinblick auf die vielfältigen Veränderungen, die gerade im Bereich der Betreuung an der Waldschule eingetreten sind.

„Ich hatte immer gehofft, dass ich die Ganztagsschule noch erlebe, bis ich in Pension gehe. Leider hat das nicht geklappt“, resümiert sie. „Aber der Pakt mit seinen unterschiedlichen Angeboten wird den gesellschaftlichen Veränderungen gerecht.“ An dieser Stelle lobt sie ihr Kollegium, ohne dessen Zustimmung und Unterstützung der Wechsel in den Pakt nicht möglich gewesen sei. Des Weiteren findet sie dankende Worte für die letzten beiden Elternbeiratsvorsitzenden, mit denen sich die Arbeit immer sehr erfolgreich und vertrauensvoll gestaltet hat.

Nachfolge stimmt Kneip optimistisch

Ihr letztes Jahr hatte sich die 66-Jährige ganz anders vorgestellt. Nachdem der Neubau errichtet und der vordere sowie der hintere Schulhof neugestaltet waren, bestand für sie die Hoffnung, sich in ihrem letzten Jahr ausführlicher um pädagogische Themen kümmern und mehr mit Kindern arbeiten zu können – doch dann kam Corona. „Meine Arbeit hat sich insofern geändert, dass ich seit einem Jahr das umsetze, was die Politiker hinsichtlich Corona entscheiden. Auch, wenn die Schule zwischendurch geschlossen war, wir nur eine Notbetreuung oder Wechselunterricht hatten oder der Präsenzunterricht ausgesetzt wurde – das hat uns allen deutlich mehr Flexibilität und Engagement abverlangt als der normale Schulbetrieb.“

Auch das eigentlich geplante Abschiedsgeschenk für die Schüler ist wegen der Pandemie nicht möglich. Trotzdem hat sie sich etwas Schönes überlegt: „Wenn der Garten im September fertiggestellt wird und das Grüne Klassenzimmer eröffnet werden kann, möchte ich der Schule die passenden Sitzgarnituren zur Gartenhütte, die der Förderverein finanziert, schenken“, verrät sie.

Am Montag tritt die Nachfolge von Kneip ihren Dienst an. Wer es ist, darf die scheidende Schulleiterin nicht verraten, aber sie zeigt sich zuversichtlich. „Ich gehe wirklich nicht gerne, aber dadurch, dass ich das neue Schulleitungsteam kenne, fällt mir der Abschied leichter. Bei den beiden Personen, die ab Montag die Schule leiten werden, weiß ich, dass sie in guten Händen ist“, so Kneip abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema