Teures "Fähr-gnügen": Maintals Stadtverordnete müssen – so sich am 25. März eine Mehrheit findet – eine ganz schöne Stange Geld in die Hand nehmen, um den Betrieb der seit Oktober 2017 stillgelegten Fähre zu subventionieren. Foto: Axel Häsler

Maintal

Mainfähre wird ein Luxusschiff

Maintal. Am 25. März muss das Maintaler Stadtparlament darüber entscheiden, ob die Stadt den Betrieb der Mainfähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim bezuschussen soll oder nicht. Die dazugehörige Magistratsvorlage, die am Wochenende im Internet veröffentlicht wurde, nennt nun erstmals konkrete Zahlen.

Von David Scheck

Demnach müsste die Stadt bis zu 3221 Euro monatlich reinbuttern. Auf diese Summe ist die Maximalbezuschussung gedeckelt.

Im Falle einer Verlängerung und einer Vertragslaufzeit bis Mai 2022 könnte so ein Betrag von rund 72 000 Euro zusammenkommen, den Maintal dazusteuern müsste. Aktuell hat der Vertrag laut Angaben des Magistrats eine Laufzeit bis Mai 2021, mit der Möglichkeit einer Verlängerung um zwölf Monate.

Die Stadt Maintal, so heißt es in der Magistratsvorlage, „verpflichtet sich, ein prognostiziertes monatliches Betriebsdefizit zu 50 Prozent (weitere 50 Prozent soll die Stadt Mühlheim übernehmen) bis zu einem Betrag von monatlich 3221 Euro durch einen monatlichen Zuschuss an den Kreis Offenbach zur Weiterleitung an den Betreiber zu übernehmen“. Das tatsächliche Defizit soll der Fährbetreiber jeweils zum Jahresende durch eine detaillierte Gewinn- und Verlustrechnung nachweisen. „Sollte das prognostizierte Defizit geringer ausfallen, so ist der Differenzbetrag anteilig an die Stadt Maintal zurück zu erstatten“, lautet die Vorlage weiter.

Insgesamt bedeutet das in Zahlen: Bei einer Vertragslaufzeit bis Mai 2021 müsste die Stadt Maintal einen Betrag in Höhe von rund 83 700 Euro aufbringen. Abzüglich der bereits zugesagten Anschubfinanzierung von 50 000 Euro durch den Main-Kinzig-Kreis bliebe somit ein konkret zu zahlender Betrag von rund 33 700 Euro. Bei einer Laufzeit bis Mai 2022 läge der Zuschuss bei rund 122 400 beziehungsweise 72 400 Euro. Da Maintal die Hälfte des Unterhalts zahlen soll, die andere die Stadt Mühlheim, geht der Betreiber also derzeit von einem monatlichen Defizit von fast 6500 Euro aus, der Zuschuss bis zum aktuellen Vertragsende im Mai 2021 beliefe sich demnach auf fast 170 000 Euro.

Im Ratsinfosystem ist die Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung am Montag, 25. März, zwar als Tagesordnungspunkt aufgeführt, aber nicht mit den dazugehörigen Dokumenten hinterlegt, weder mit der Magistratsvorlage noch mit den in der Anlage aufgeführten Betriebskostenkalkulationen. Auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Kaiser (SPD), dass es in den Unterlagen teilweise auch um Angelegenheiten von datenschutzrechtlichem Belang geht, die nicht-öffentlich besprochen werden sollen. Die Zahlen, die den Zuschuss betreffen, würden jedoch öffentlich diskutiert, versicherte Kaiser.

Diskussionen in Facebook-Gruppe

Wenn auch noch nicht offiziell öffentlich, so wurde die Magistratsvorlage allerdings auf der Facebook-Seite „Maintal united“ gepostet und sorgt bereits für Diskussionen. Ein dort geäußertes Argument, das sich aber auch geradezu aufdrängt, lautet: Warum muss die Mainfähre mit derart hohen Summen subventioniert werden, während wenige Kilometer weiter westlich die privat betriebene Fähre Rumpenheim gänzlich ohne öffentliche Zuschüsse offenbar sehr erfolgreich verkehrt? Ob diese Frage bei den Beratungen in den Ausschüssen und in der Stadtverordnetenversammlung beantwortet wird, wenn es um die Betriebskostenkalkulation gehen wird, bleibt abzuwarten.

Darüber hinaus verrät die Vorlage noch ein Detail. So lässt sich aus der Formulierung herauslesen, dass im Rahmen des Vergabeverfahrens lediglich ein Bieter ein Angebot abgegeben hat. Ursprünglich hatte der Kreis Offenbach als Besitzer der Fähre gehofft, das Bieterverfahren bis Ende Oktober vergangenen Jahres abschließen zu können. Warum es sich dann in die Länge zog, beantwortete der Kreis stets damit, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.

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