Die Differenzen sind beigelegt, der Kreis Offenbach hat seine Fähre wieder: Wann – und auch ob – das über 50 Jahre alte Gefährt wieder Pendler von der einen auf die andere Mainseite bringt, ist aber dennoch nach wie vor unklar. Archivfoto: Kalle

Maintal

Mainfähre: Skepsis trotz beigelegter Differenzen um Rückgabe

Maintal/Mühlheim. Seit vergangenem Oktober steht die Fähre zwischen Maintal-Dörnigheim und Mühlheim still. Im Mühlheimer Bauausschuss stand diese Woche nun die Erste Beigeordnete des Landkreises Offenbach, Claudia Jäger (CDU), Rede und Antwort. Viel Neues hatte sie allerdings nicht zu vermelden.

Von David Scheck

Die Fähre sei wieder im Besitz des Kreises Offenbach, ließ Jäger die Anwesenden wissen. Das allerdings bereits seit Ende Dezember des vergangenen Jahres. Ein Rechtsstreit mit der im vergangenen Oktober fristlos gekündigten Pächterfamilie Spiegel konnte damit anscheinend vermieden werden. In den zurückliegenden Monaten hatte es Differenzen gegeben, weil nur der Schiffskörper dem Kreis Offenbach gehört, der Motor jedoch den Spiegels.

Licht in dieses Dunkel zu bringen beziehungsweise aufzuklären, unter welchen Umständen es zu einer Einigung kam, ist schwierig: Der Informationsfluss aus Dietzenbach (dem Sitz des Landkreises Offenbach) ist dürftig, die Familie Spiegel wollte sich öffentlich nicht dazu äußern. „Die Fähre musste von dem Pächter mit Beendigung des Pachtverhältnisses an den Kreis übergegeben werden. Dies ist am 29. Dezember erfolgt. Die Fähre inklusive Motor liegt derzeit auf der Maintaler Seite“, so die schriftliche Antwort des Kreises Offenbach zu diesem Sachverhalt.Nach wie vor, so der Kreis Offenbach weiter, gebe es sechs Interessenten für den Betrieb der Fähre. Doch auch diese Nachricht ist eigentlich nicht neu, das hatte bereits der Offenbacher Landrat Oliver Quilling (CDU) vor einigen Wochen die Öffentlichkeit wissen lassen.

Nur ein "kleines Aufatmen"Jan Winkelmann ist Fraktionssprecher der Mühlheimer Grünen, aber vor allem der Initiator der Online-Petition zum Erhalt der Fähre – die mittlerweile über 2100 Unterzeichner hat. Winkelmann sieht in der Tatsache, dass der Kreis Offenbach die Fähre nun zurück in seinem Besitz hat, nicht mehr als ein „kleines Aufatmen“.

Denn zum einen sei immer noch nicht klar, wer denn nun die Fähre als Pächter übernehmen werde. Zum anderen, und darin sieht der Mühlheimer das viel tiefer liegende Problem, stelle sich die Frage nach der Fahrtauglichkeit. Regelmäßig fiel die inzwischen über 50 Jahre alte Fähre in den vergangenen Jahren aufgrund von Reparaturarbeiten aus und musste den Betrieb jeweils für mehrere Tage einstellen.

Fahrkörper in gutem Zustand, Motor nichtDer Kreis Offenbach bescheinigte dem Schiff in seinem Ende Oktober 2017 vorgelegten Bericht eine grundsätzliche Fahrtüchtigkeit. „Die Fachleute testieren, dass der sogenannte Fährkörper in einem dem Alter entsprechend guten Zustand ist und vermutlich noch 20 Jahre genutzt werden kann“, heißt es in dem Bericht. Das gelte allerdings nicht für den Motor.

Für Winkelmann ergeben sich derzeit drei Optionen: Entweder die Fähre nimmt so, wie sie ist, ihren Betrieb wieder auf – mutmaßlich mit ähnlich häufigen Ausfällen wie in den Vorjahren –, sie wird ertüchtigt oder es wird eine neue Fähre angeschafft. Die Grünen in Maintal und Mühlheim hatten sich im Vorjahr beispielsweise für eine Elektrofähre stark gemacht.

„Der Kreis Offenbach vergibt den Betrieb an einen geeigneten Betreiber“Eine Neuanschaffung scheint derzeit aufgrund der Kosten die unrealistischste Variante. Um die derzeitige Fähre wieder flott zu kriegen, hatte der Main-Kinzig-Kreis wie berichtet finanzielle Unterstützung in Höhe von 15 000 Euro zugesagt. Darüber hinaus halten sich die anderen an den regelmäßig stattfindenden Gesprächen Beteiligten vornehm zurück.

Die Stadt Maintal verwies in einer Parlamentsanfrage der Fraktion Wahlalternative Maintal (WAM) auf die Zuständigkeit südlich des Mains: „Der Kreis Offenbach vergibt den Betrieb an einen geeigneten Betreiber“, lautete die Antwort auf die Frage, wie sich der Magistrat eine Lösung der Frage nach der Wiederaufnahme des Fährverkehrs vorstelle.

Behelfsfähre eine OptionBald, wenn die Temperaturen steigen, beginnt wieder die Ausflugssaison. Um wenigstens den Fußgängern und Radfahrern dann eine Möglichkeit der Mainüberquerung zu bieten, haben die Grünen einen Antrag ins Mühlheimer Stadtparlament eingebracht, der die Anschaffung einer Behelfsfähre vorschlägt.

Eine solche habe es früher schon einmal gegeben, sagt Winkelmann. Sie sei zwar kleiner als die reguläre Fähre und könne keine Autos transportieren, aber zumindest für Ausflugspendler gäbe es dann eine Alternative. Allerdings räumt Winkelmann dem Antrag seiner Fraktion aufgrund der in Mühlheim herrschenden Mehrheitsverhältnisse wenig Chancen ein.

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