Die Mainfähre soll so schnell wie möglich wieder ihren Betrieb aufnehmen.b Archivoto: David Scheck

Maintal

Mainfähre: Offenbach will Betreiberstelle neu ausschreiben

Maintal. Die Nachricht kam am Montag überraschend, aber für die Beteiligten nicht ungelegen: Wie der Kreis Offenbach bekannt gab, habe er sich mit dem ehemaligen Betreiber der Dörnigheimer Fähre außergerichtlich geeinigt, um einen monatelangen Rechtsstreit zu vermeiden. Der Vertrag sei nun zum 31. August 2019 gekündigt worden.

Von Jan Max Gepperth

Nun können die beteiligten Kommunen also den Blick in die Zukunft richten. Der Kreis Offenbach strebt eine neue Ausschreibung an, um den Fährbetrieb zwischen Mühlheim und Dörnigheim wieder aufzunehmen. „Am liebsten so schnell wie möglich“, versicherte die Offenbacher Kreispressesprecherin Ursula Luh. Eine genaue Übersicht über einen zeitlichen Ablauf könne sie bisher jedoch noch nicht geben. „Wir werden auch erst etwas publik machen, wenn wir etwas Wasserdichtes an der Hand haben“, sagte Luh im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zurzeit ist noch nicht abzusehen, wann der Fährbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Bei der vorangegangenen Ausschreibung auf die Stelle des Fährbetreibers gab es mit Mahir Kolbüken nur einen einzigen Bewerber.

„Ich bin doch kein Schwerverbrecher“

Kolbüken hätte sich indessen einen Weiterbetrieb der Fähre auch nach der Havarie gut vorstellen können, wie er der „Frankfurter Rundschau“ sagte. Da das Vertrauen jedoch nun verloren gegangen sei, ergebe eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses keinen Sinn. Weiter führte der ehemalige Betreiber aus, dass er vom Umgang des Kreises mit ihm sehr enttäuscht sei. „Ich bin doch kein Schwerverbrecher“, stellte er in der „FR“ klar und bedauerte, dass es nicht einmal ein Gespräch mit dem Landrat gegeben habe. Stattdessen habe er die Kündigung einfach in den Briefkasten geworfen bekommen.

Auch die Stadt Maintal äußerte sich zu der neuen Sachlage. Zwar könne man laut Erstem Stadtrat Ralf Sachtleber keine Auskünfte zur Ausschreibung machen, aber ein paar Informationen gebe es trotzdem. So bestätigte Sachtleber gegenüber unserer Zeitung, dass der bisher gezahlte Anteil des Betriebskostenzuschusses mittlerweile komplett zurückerstattet worden sei. Insgesamt hatte die Stadt Maintal bis zu 25 000 Euro pro Jahr an Zuschüssen für den Fährbetrieb in Aussicht gestellt.

MKK will eine vergleichbare Nachfolgevereinbarung

„Zudem hat die Stadtverordnetenversammlung den Beschluss auf Mitförderung zurückgenommen“, erklärte der Stadtrat. Die Vorlage für den Beschluss solle dem Stadtparlament neu vorgelegt werden, sobald die Stelle des Fährbetreibers neu besetzt worden sei. „Ich persönlich gehe davon aus, dass die Stadtverordneten zu diesen Bedingungen erneut ihre Unterstützung zusichern werden“, meinte Sachtleber. „Vor allem, da der Main-Kinzig-Kreis auch wieder Zuschüsse in Aussicht gestellt hat.“

Diese Aussage wurde vom Pressesprecher des Main-Kinzig-Kreises, Frank Walzer, bestätigt: „Der Kreisausschuss hat sich dafür ausgesprochen, eine vergleichbare Nachfolgevereinbarung zum Betrieb der Mainfähre abzuschließen.“ Über die genauen Formalitäten müsse noch gesprochen werden. „Aber der Main-Kinzig-Kreis steht weiter zu seiner Zusage einer Anschubfinanzierung des Fährbetriebs“, sagte Walzer. Um noch einmal auf die Problematik aufmerksam zu machen, organisiert die Bürgerinitiative Mainfähre zudem am 19. Oktober eine Solidaritätsveranstaltung am Fähranleger in Mühlheim.

Schwere Anschuldigungen gegen den Betreiber

Die Dörnigheimer Mainfähre war nach jahrelanger Unterbrechung der Fährverbindung am 8. Juli dieses Jahres wieder über den Main gefahren. Allerdings nur für vier Stunden. Dann riss, mutmaßlich durch einen Fahrfehler bedingt, eines der Stabilisierungsseile des Führungsseils.

Die Fähre trieb daraufhin mit Fahrgästen an Bord manövrierunfähig auf dem Main, was einen Großeinsatz von unter anderem Feuerwehr und Polizei zur Folge hatte. In den Tagen nach dem Unglück kamen öffentliche Zweifel auf, ob sich zur Zeit des Unglücks überhaupt jemand mit einem gültigen Fährpatent an Bord befunden habe. Zweifel, die sich in der Folge zur Gewissheit verdichteten. Die offiziellen polizeilichen Untersuchungen dazu dauern an.

Stillschweigen über den Vergleich

Sowohl die Stadt Maintal als auch der Kreis Offenbach hatten daraufhin im August ihre vertraglichen Vereinbarungen zum Fährbetrieb mit Betreiber Mahir Kolbüken aufgekündigt. Für die Laufzeit des Vertrages hatten die Stadt Maintal und der Main-Kinzig-Kreis Kolbüken insgesamt 50 000 Euro an Betriebskostenzuschüssen in Aussicht gestellt. Eine ähnliche Regelung hatten auch der Kreis Offenbach und die Stadt Mühlheim mit dem Fährmann vereinbart.

Über den Vergleich, der nun zwischen dem Kreis Offenbach und Kolbüken getroffen wurde, haben die beiden Parteien laut Mitteilung vom Montag Stillschweigen vereinbart.

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