Nahezu alle politischen Verantwortlichen befürworten eine Reaktivierung der stillgelegten Mainfähre. Doch bei der Finanzierung sehen die meisten nach wie vor den Landkreis Offenbach, den Besitzer der Fähre, am Zug. Foto: Kalle

Maintal

Mainfähre: Maintaler Politiker sehen Kreis OF in der Pflicht

Maintal.Von den sechs Interessenten für den Betrieb der Mainfähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim habe keiner eine Bewerbung abgegeben, informierte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU). Damit hat sich die von vielen gehegte Hoffnung auf eine zeitnahe Wiederaufnahme des Fährbetriebs zerschlagen.

Von David Scheck

Im Rahmen des Markterkundungsverfahrens wollte der Landkreis Offenbach das Interesse von möglichen Betreibern ausloten. Denn der Kreis ist zwar Besitzer der Fähre, hatte deren Betrieb in der Vergangenheit aber an einen Pächter vergeben, bis zur fristlosen Kündigung im vorigen Oktober an die Dörnigheimer Familie Spiegel.

Der Kreis Offenbach, so ließ dieser gegenüber der „Offenbach-Post“ wissen, strebe weiterhin eine Wiederbelebung der Fährverbindung an.

Genau das bezweifeln allerdings viele Beobachter aus der Politik auf beiden Seiten des Mains.Wie soll es nun weitergehen und welche Schritte müssen nun als Nächstes eingeleitet werden? Wir haben bei den Verwaltungen in Maintal und im Main-Kinzig-Kreis sowie der Maintaler Politik ein Stimmungsbild abgefragt.

Grünen glauben, dass es auf DIskussion zwischen vier Akteuren hinausläuftFür Friedhelm Duch, Sprecher der Maintaler Grünen-Fraktion, wird es „auf eine finale Diskussion um die Finanzierung zwischen den vier hinauslaufen“. Mit den „vier“ meint Duch die beiden Landkreise Offenbach und Main-Kinzig sowie die Städte Maintal und Mühlheim. Ansonsten werde es wohl keine Fähre mehr geben.

Zumindest eine Schiffsverbindung für Radfahrer und Fußgänger müsse es wieder geben, so Duch, der betont, dass eine Brücke für die Grünen auch weiterhin keine Option sei.

Für eine feste Querung kann sich auch die SPD-Fraktion nicht erwärmen. Die Finanzierung der Fähre sieht der Fraktionsvorsitzende der Maintaler Sozialdemokraten, Sebastian Maier, aber nach wie vor im Verantwortungsbereich des Kreises Offenbach. Für ihn steht fest: „Der Kreis muss die Ergebnisse der Markterkundung offenlegen.“ Denn ohne diese sei es schwer, Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, warum alle Interessenten abgesprungen sind. Und die Idee einer neuen Fähre, bezahlt von allen vier Institutionen, erntet bei Maier auch keine Begeisterung: „Ich sehe nicht, dass Maintal das Geld dafür hat.“ Der Dörnigheimer erinnert daran, dass im Stadtparlament erst vor Kurzem die Grundsteuer wieder gesenkt wurde, außerdem seien die finanziellen Auswirkungen der Teil-Gebührenfreiheit in den städtischen Kitas ab August noch gar nicht absehbar.

Gründe für Scheitern müssen geklärt werdenNach dem negativen Ausgang des Markterkundungsverfahrens brauche es für die Mainquerung nach den Worten des FDP-Fraktionsvorsitzenden Thomas Schäfer nun einen zweiten Anlauf. Allerdings stellt er auch klar: „So lange wir die Gründe für das Scheitern nicht kennen, sind wir nicht bereit, Geld für die Fähre zu investieren.“ Klar sei ihm, dass der von seiner Fraktion eingebrachte Vorschlag einer autonom fahrenden Fähre Zukunftsmusik sei. Konkreter wäre da eine Brücke, doch auch die Freien Demokraten lehnen einen solchen Plan ab. Das würde noch mehr Verkehr auf Maintals Straßen ziehen, so Schäfers Befürchtung. Das sieht Martin Fischer ganz anders. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Maintaler CDU fühlt sich nach dem Ausgang der

Markterkundung in seiner Forderung nach einer Brücke über den Main bestätigt. Die könnte laut Fischer zum Beispiel in der Verlängerung der Querspange realisiert werden. Oder wäre ein Tunnel die bessere Lösung? „Das müssten die Fachleute klären.“ Die Befürchtung, dass es in Dörnigheim mehr Verkehr geben könnte, teilt Fischer nicht. Deshalb hält der CDU-Chef auch nichts von der Anschaffung einer neuen Fähre, die von einigen politischen Konkurrenten gefordert wird. Denn ein neues Gefährt hätte eine entsprechend lange Leistungsdauer – „dann kann man sich die Brücke abschminken“, so Fischer.

Straße und Fähre gehören dem Kreis OffenbachEine feste Querung hält er auch deshalb für notwendig, weil er perspektivisch in einigen Jahren auch ein Ende der Rumpenheimer Fähre sieht, wenn der dortige Betreiber in Rente geht. Was die stillgelegte Fähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim sowie die dazugehörige Kreisstraße angeht, lässt Fischer keinen Zweifel, wer aus seiner Sicht dafür verantwortlich ist: „Straße und Fähre gehören dem Kreis Offenbach, dieser hat auch die Verbindung sicherzustellen.“

Eindeutig fällt auch die Antwort aus Gelnhausen aus. Der Main-Kinzig-Kreis stehe zu seinem Wort, 15 000 Euro als Soforthilfe für nötige Reparaturarbeiten an der Fähre zur Verfügung zu stellen, so ein Pressesprecher. Aber was die Zukunft der Verbindung angehe, sei der MKK nicht der Aufgabenträger.

Den Magistrat der Stadt Maintal habe die Nachricht des Kreises Offenbach negativ überrascht. „Umso wichtiger ist es nun, dass alle Akteure im Gespräch bleiben. Die Stadt Maintal setzt sich aktiv dafür ein, dass sich alle Beteiligten zeitnah an einen Tisch setzen“, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Für eine Inbetriebnahme des für viele Menschen auf beiden Seiten des Mains so wichtigen Verkehrsmittels „machen wir uns stark – gerade im Hinblick auf die jetzt anstehenden Sommermonate“, so der Magistrat.

Verantwortlichen säßen Problem nur ausKlaus Seibert von der WAM-Fraktion ist nach eigenen Worten aktiv in der Bürgerinitiative „Fähre Mühlheim-Maintal“ beteiligt. Schon bevor die Nachricht über den Rückzug aller Fähr-Interessenten öffentlich wurde, kritisierte Seibert den Stillstand. Sein Vorwurf: Die Verantwortlichen auf beiden Seiten des Mains säßen das Problem aus.

Was es bedeutet, auf öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen zu sein und bei einer Fahrt ins – eigentlich nahegelegene – Mühlheim auf die Fähre verzichten zu müssen, hat Seibert vor Kurzem in einem Selbstversuch dargelegt: Bedingt durch Ausfälle, Verspätungen und Wartezeiten war der Dörnigheimer nach eigenen Angaben bei Hin- und Rückfahrt geschlagene dreieinhalb Stunden unterwegs. Kosten für Fahrkarten: 9,55 Euro. „Zu Fuß und mit der Fähre hätte ich bis zum Mühlheimer Bahnhof und zurück jeweils 45 Minuten ab Waldsiedlung Dörnigheim gebraucht“, rechnet Seibert vor. Die Fahrtkosten für die Nutzung der Fähre hätten lediglich bei 60 Cent gelegen.

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