Wer sagt die Wahrheit? Betreiber Mahir Kolbüken (links) und Fährmann Bernd Schwander machen sich gegenseitig Schuldzuweisungen. Fotos: Axel Häsler/Jan-Max Gepperth

Maintal

Mainfähre: Betreiber Kolbüken nimmt Stellung zu den Vorwürfen

Maintal. Die Schuldzuweisungen um die Havarie der Mainfähre nehmen kein Ende. Nachdem Fährmann Bernd Schwander den neuen Fährbetreiber Mahir Kolbüken unterstellt hatte, dieser soll vorsätzlich ohne Fährerlaubnis gefahren sein, gibt es nun eine Reaktion des Beschuldigten.

Von Jan Max GepperthFährmann Schwander hatte vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass er am Tag der Havarie nach Absprache die Fähre um 10 Uhr verlassen habe. Im Anschluss habe er die Fähre angebunden und den Motor ausgestellt.

In Kolbükens Variante der Ereignisse soll sich jedoch alles ganz anders abgespielt haben: „Richtig ist, dass der Fährschiffer, Herr Schwander, mir gegen 7 Uhr plötzlich und unerwartet mitgeteilt hat, dass er gegen 8 Uhr einen Arzttermin habe“, erinnert sich der Heusenstammer Fährbetreiber. „Nachdem ich ihm gegenüber mein Unverständnis mit meinem Gesichtsausdruck deutlich gemacht habe, teilte er mir ausdrücklich mit, dass er seinen Dienst weiter versehen wird und den Arzttermin absagt.“

Absage eines Arzttermins

Daraufhin soll Schwander telefoniert haben, weshalb Kolbüken davon ausging, dass der Fährmann seinen zuvor erwähnten Arzttermin absage. „Weder für meine Angestellten, insbesondere den Kapitän, noch für mich gab es auch nur irgendein Anzeichen oder ähnliches, dass Herr Schwander die Fähre unerlaubt verlassen wollte“, versichert Kolbüken.

Doch genau das soll dann passiert sein, wie der Fährbetreiber weiter berichtet: „Aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen hat sich jedoch Herr Schwander unerlaubt und völlig unbemerkt von der Fähre entfernt, welches nur bei dem kurz zuvor erfolgten Erreichen der Dörnigheimer Seite passiert sein kann.“

Laut Aussage des Betreibers seien alle Mitarbeiter verpflichtet gewesen, mitzuteilen, wenn sie ihren Arbeitsplatz oder gar die Fähre verlassen. Doch dies habe Schwander nicht getan. „Wäre dies der Fall gewesen oder hätten dies der Kapitän oder ich bemerkt, wäre der Fährbetrieb sofort eingestellt worden.“ Denn der zuständige Kapitän darf nur unter Aufsicht Schwanders die Fähre steuern. In dem Moment, in dem Schwander die Fähre verlassen hatte, hätte diese also nicht mehr fahren dürfen.

Dienstende nach Absprache

„Richtig war und ist, dass bei der Aufnahme des Fährbetriebs früh morgens meine Angestellten – unter anderem ein Fährmann, Herr Schwander, zwei Kapitäne und weiteres Personal – auf der Fähre waren und gegen 10 Uhr ein Kapitän absprachegemäß seinen Dienst beendete“, erklärt Kolbüken.

Der Betreiber führt hierbei weiter aus, dass die Kapitäne für das Steuern der MS Dörnigheim zuständig seien, dies jedoch unter Aufsicht Schwanders vonstattengehen müsse. „Der zum Führen der Fähre Berechtigte war der Kapitän, welcher jedoch die Fähre nur dann Führen darf, wenn auch der Fährschiffer, Herr Schwander, an Bord ist, ihn beaufsichtigt und im Bedarfsfalle Eingreifen kann“, erklärt Kolbüken. „Insoweit hatte ich mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Entsprechendes abgesprochen, mithin, dass zwei Kapitäne jeweils 45 Tage unter Anwesenheit des Fährschiffers ihren Dienst versehen, dann jeweils eine Prüfung absolviert wird und nach dem positiven Bestehen den beiden Kapitänen der Fährschifferschein erteilt wird.“

Die erwähnten 45 Tage sind der Zeitraum, in dem eine Strecke mit einer Fähre befahren werden muss, um eine Fahrerlaubnis für diese Strecke zu erhalten. Wäre Schwander aus irgendwelchen Gründen ausgefallen, so hätte sich Kolbüken über eine Agentur Ersatz beschaffen wollen.

Kein definiertes Beschäftigungsverhältnis

Doch auch das Beschäftigungsverhältnis zwischen Schwander und Kolbüken ist nicht vollständig definiert. „Einen schriftlichen Arbeitsvertrag habe ich mit Herrn Schwander nicht geschlossen. Zwar wollte ich dies, er lehnte jedoch eine schriftliche Vereinbarung ab“, bekräftigt der Betreiber der Fähre.

Nun möchte Kolbüken erst einmal dafür sorgen, dass der komplette Sachverhalt und das Unglück der Mainfähre lückenlos aufgeklärt werden, damit er den Fährbetrieb schnellstmöglich wieder aufnehmen kann. Insgesamt findet Kolbüken zum Abschluss deutliche Worte: „Ich kann lediglich feststellen, dass sich Herr Schwander, entgegen der Absprachen, von der Fähre geschlichen hat, womit ich nicht ansatzweise rechnen konnte und zutiefst von seinem Verhalten und seiner nachweislich falschen Darstellung in den Medien enttäuscht bin. Augenscheinlich handelt es sich um widerlegbare Schutzbehauptungen in Vermeidung weiterer Sanktionen in seiner eigenen Person.“

Somit steht in einigen wesentlichen Punkten Aussage gegen Aussage. Was tatsächlich passiert ist, müssen nun Wasserschutzpolizei und Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt herausfinden, die die Ermittlungen bereits aufgenommen haben.

Insgesamt stand die Mainfähre zwischen Dörnigheim und Mühlheim 635 Tage still, ehe sie am Montag, 7. Juli, wieder in Betrieb genommen wurde. Der Landkreis Offenbach hatte vorher 90 000 Euro in die Instandsetzung der MS Dörnigheim investiert. Jedoch kam es bereits nach fünf Stunden zu einer Havarie, die dazu führt, dass das Schiff geborgen werden musste.

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