Die Leidenschaft von Vater Alfred Schneider für den Optikerberuf hat auf Sohn Philipp abgefärbt: Seit rund zehn Jahren steht er ebenfalls im Laden. Foto: Habermann

Maintal

Die magische Maintaler 40 - Das steckt dahinter

Maintal. Haben Sie's auch mit der 40? Frauen sind bekanntlich ab diesem Alter maximal 39b, Männer treten mit dem viermaligen Runden ihres Geburtstags oft in eine erfolgreichere Phase ihres Berufslebens. Und Häuser?

Von Rainer Habermann

Einige sind bereits vor Erreichen der magischen Zahl längst wieder Schutt, müssen einem Neubau weichen. Andere erfreuen sich bester (Bau-)Gesundheit und überdauern auch Jahrhunderte, mit entsprechendem Facelifting und manchmal einer Grundsanierung.

Wenn schon unsere Zeitung 40 Jahre alt geworden ist, dann wollten wir einmal hören, wie andere Häuser so dastehen, die jene willkürliche, aber treffende Zahl in ihren Adressen tragen. Besser: hören, wie es den Bewohnern jener Hausnummern geht, wer sie sind, was sie umtreibt. In unserer Jubiläumsbeilage zum 40. Geburtstag des TAGESANZEIGER hatten wir begonnen, heute setzen wir fort, und zwar mit der Kennedystraße 40 in Dörnigheim. Das Gebäude steht unmittelbar an der Einmündung der Bahnhofstraße. Große Schaufenster sind derzeit hübsch weihnachtlich geschmückt, wie könnte es im Advent anders sein. Man ahnt es schon: Es ist ein Geschäftshaus, wie viele entlang der Dörnigheimer Einkaufsmeile. In ihm arbeitet die Familie Schneider. Und folgerichtig heißt das Ladengeschäft Optik Schneider. Alfred Schneider, dem Inhaber und Gründer des Unternehmens, haben wir einen Besuch abgestattet.

„Das ging damals in Hanau und auch bei der Kammer rum“

Schneider ist Optiker aus Leidenschaft. Die hat inzwischen sogar abgefärbt auf Sohn Philipp. Seit rund zehn Jahren steht er ebenfalls im Laden und berät die Kunden, die sich ein modisches Brillengestell mit entsprechendem hochwertigen optischen Glas zulegen wollen. Brillen, wo man hinschaut, vorausgesetzt, man sieht (noch) scharf. Doch dafür sind Optiker schließlich ausgebildet: nicht nur ein Gesicht eventuell zu verschönern, sondern neuen „Durchblick“ zu schaffen. Im Geschäft steht eine Vielzahl von Instrumenten bereit, um die Sehhilfen optimal an die Augen und die Sehstärke der Kunden anzupassen. Die Wände zieren Regale mit Hunderten von Brillenmodellen. Wer hier keinen passenden Rahmen findet, dem kann wohl nicht geholfen werden.

Seinen Meisterbrief hat der gebürtige Dörnigheimer, Jahrgang 1958, in Köln gemacht. Zuvor besuchte er die Otto-Hahn-Schule in Hanau, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Steuerfachgehilfen und später dann eine Lehre beim bekannten Hanauer Augenoptiker Wundrack. „Das ging damals in Hanau und auch bei der Kammer rum“, grinst Schneider. „Ich hab' mich nämlich im Abschlussjahr schon selbstständig gemacht, noch vor der Gesellenprüfung. 1979 war das. Meine Mutter hatte seit den 50er Jahren einen Blumenladen an der Kennedystraße (früher Hauptstraße). Den habe ich übernommen und ein Optikergeschäft darin eröffnet, natürlich einen Meister angestellt. Was mich damals diebisch freute“, erzählt Schneider mit einem Leuchten in den Augen: „Ich hatte im TAGESANZEIGER gelesen, dass sich ein anderer Optiker in Dörnigheim niederlassen wollte. Und dem habe ich die Suppe gründlich versalzen.“ Schneider lacht, aber dass er sich durchsetzen kann, hat der passionierte Motorradfahrer nicht zuletzt dadurch bewiesen, dass er fast 40 Jahre lang im damals von ihm mit gegründeten Dörnigheimer Gewerbeverein den Vorsitz hatte. 40 oder fast 40: da ist sie wieder, die magische Zahl. Und wenn der TAGESANZEIGER sein 41. feiert, steht bei Schneider das 40. Jubiläum seiner Firmengründung an. Zwar zog er erst am 1. September 1985 in den heutigen Laden an der Kennedystraße 40 um, aber irgendwann muss ja auch mal Schluss sein mit dem Zahlenjonglieren.

Ein Abonnent der ersten Stunde

Ein kleines bisschen aber doch noch zur Geschichte. „Ich kann mich gut an die Gründung des TAGESANZEIGER erinnern und ich bin auch Abonnent der ersten Stunde, bis heute. Ich weiß noch: Seit ich den Laden eröffnete, standen immer die offenen, grünen Zeitungsboxen davor, wo jeder ein Exemplar ziehen konnte. Die alte Redaktion war ja unmittelbar bei mir um die Ecke. Man musste natürlich Geld einwerfen, und die Leute taten das auch immer. Heute kaum mehr vorstellbar“, sinnt Schneider doch irgendwie „guten alten Zeiten“ nach.

Der Optiker ist aber kein rückwärts gewandter Mensch, ganz im Gegenteil. Sohn Philipp, ebenfalls Optikermeister, steht seit rund einer Dekade seinen Mann im Geschäft an der Kennedystraße 40. „Der Alte“ willsich „langsam ausschleichen“, grinst Schneider senior wieder. Der Fortbestand ist also gesichert im Familienbetrieb.

Zwei Motorrad-Fans

Zeit, sich etwas mehr um das Hobby Motorradfahren zu kümmern, das Ehefrau Monika nicht nur teilt, sondern mit ähnlicher Faszination und Leidenschaft belegt wie Alfred. „Wir machen regelmäßig im Urlaub ausgedehnte Touren. Demnächst planen wir eine Fahrt rund um die Ostsee, und das 'standesgemäß'“. Schneider erzählt eine nette Anekdote zum Hintergrund des „Standes“. – „Nun, ich fahre eine Triumph, habe aber viele Bekannte und Freunde, die Harleys besitzen. Die Harley-Davidson-Gemeinde protzt ja gerne mit dem Hubraum ihrer Maschinen.

Jetzt hat meine Triumph aber 2,3 Liter in den Pötten. Da werden die blass. Ich sage immer zu denen: 'Unter zwei Litern heb' ich nicht mal die Hand zum Gruß'.“ Anmerkung: Der derzeit größte Harley-Motor in der „V2“ hat knapp 1,87 Liter Hubraum und leistet 102 PS. Welche Leistung seine „Triumph Rocket“ hat: Der Gentleman hüllt sich in Schweigen.

„Alles hat seine Zeit“

Schneider lacht laut über die Geschichte, überhaupt scheint der Mann den „bissigen“ Humor gepachtet zu haben. Das gilt wohl auch für ein weiteres, früheres Hobby des 60-Jährigen: das Züchten von japanischen Kampfhühnern, den „Ko Shamo“. In dieser Zuchtdisziplin war Schneider immerhin dreimal deutscher Meister, brachte es schließlich gar zum Bundeszuchtwart. Aber diese Tage sind vorbei: „Alles hat seine Zeit“, sagt er fast wehmütig.

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