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Männer bleiben draußen

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Für männliche Badegäste ist das Maintalbad freitags für eine Stunde tabu: Dann sind die Frauen ganz unter sich. Besucherinnen wie Beatrix Szymanski freuen sich über die freien Bahnen. Foto: Pompalla
Für männliche Badegäste ist das Maintalbad freitags für eine Stunde tabu: Dann sind die Frauen ganz unter sich. Besucherinnen wie Beatrix Szymanski freuen sich über die freien Bahnen. Foto: Pompalla

Maintal. Morgens um 11 Uhr im Maintalbad: Die Halle ist fast leer, nur wenige Frauen ziehen ihre Bahnen. Sie haben das Schwimmbad für eine Stunde ganz für sich, Männer müssen draußen bleiben. Seit September gehört hier das Frauenschwimmen in der Wintersaison wieder zum festen Programm.

Von Hannah Pompalla

Beatrix Szymanski ist das erste Mal zum Frauenschwimmen gekommen – und hellauf begeistert. Nicht etwa, weil keine Männer da sind: „Das ist mir vollkommen wurst“, sagt sie. „Es ist so schön leer, das ist einfach herrlich“, findet die Dörnigheimerin. Die 65-Jährige will das Angebot unbedingt an ihre Freundinnen weiterempfehlen. Denn ab 14 Uhr, wenn die nachfolgende Grundschule und der Reha-Sport fertig seien, sei hier freitags „alles knackevoll“.

„Es muss noch viel mehr dafür geworben werden, damit es nicht wieder einschläft“, lautet Szymanskis Appell. Denn das Angebot ist nicht ganz neu: Das Frauenschwimmen gab es bereits vor 16 Jahren und war mit 100 Besucherinnen pro Tag sehr gut besucht.

Wegen des vielfachen Wunsches vor allem von Frauen aus dem Stadtteilzentrum Bischofsheim wurde es zusammen mit dem Frauenbeirat und der Stadtleitbildgruppe Maintalbad wieder ins Leben gerufen. Es richtet sich an Frauen, die unter sich bleiben wollen. Dabei solle allen Besucherinnen, unabhängig von Alter, Nationalität oder Religion, ermöglicht werden, sich ohne Schamgefühle – gerade im Hinblick auf körperbetonte Badekleidung und auf männliche Blicke – im Schwimmbad frei zu bewegen, wie die Frauenbeauftragte Anne Denecke erklärt.

Im Gegensatz zu heute war im vorigen Konzept ausschließlich weibliches Aufsichts- und Servicepersonal vorgesehen. „Das ist aber auf Dauer nicht machbar“, erklärt Verena Methfessel, Fachangestellte für Bäderbetriebe gegenüber unserer Zeitung. Dies war zugleich auch der Grund dafür, wieso das Frauenschwimmen damals nicht mehr angeboten werden konnte. „Früher wurde hier erheblich mehr Aufwand betrieben“, erinnert sich Methfessel und spricht auch von abgedunkelten Fenstern.

Dass hier auch Männer im Einsatz sind, gefällt zwei türkischen Frauen überhaupt nicht. „Ich habe einen Mann gesehen“, berichtet Frau Ata, die einen Burkini und eine Badekappe trägt. „Das finde ich gar nicht gut, das wusste ich nicht“, sagt sie und nennt persönliche wie religiöse Gründe. Doch ihre Beschwerde ist vergebens. Denn das Personal ist dem neuen Konzept nach als geschlechtsneutral anzusehen. Zudem wurde bereits angekündigt, dass Männer überwiegend in der Wasseraufsicht arbeiten und Frauen im Umkleide- und Sanitärbereich tätig sein werden. Als Konsequenz begibt sich die 38-Jährige, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt, wieder in ihre Straßenkleidung und zieht sich mit ihren zwei kleinen Töchtern in das Nichtschwimmerbecken zurück. Dieses ist von der Halle abgetrennt und somit besser sichtgeschützt. Auch ihre Freundin Gülser Verdioglo würde gerne wieder kommen, „aber ohne einen Mann“, wie sie betont.

„Das ist schon etwas komisch“, sagt Azubi Tolga Okutan, vor dessen Blicken sich Ata schützen möchte. „Das ist jetzt das erste Mal, das sich jemand beim Frauenschwimmen wegen mir beschwert“, sagt der 26-Jährige. Normalerweise gebe es keine Probleme und alles laufe friedlich ab, sagt auch Methfessel. Manche Frauen würden sogar vorher anrufen, ob am Freitag tatsächlich nur weibliches Personal da sei. Dies sei auch manchmal tatsächlich der Fall, so Methfessel. „Bisher kommt immer eine Mischung aus ausländischen und deutschen Gästen“, berichtet Methfessel, die jedoch erst zwei- bis dreimal zur Zeit des Frauenschwimmens Dienst hatte und somit nur ihren subjektiven Eindruck schildern kann. „Ich habe insgesamt das Gefühl, dass Frauen hierherkommen, die wissen, dass zu dieser Zeit wenig los ist“, sagt sie. Für diesen Tag soll sie recht behalten, denn auch Laura Weber ist mit ihren Töchtern gekommen, um mit diesen in Ruhe schwimmen zu können. „Lucy lernt gerade Schwimmen, da braucht sie etwas Ruhe“, sagt sie. Das Frauenschwimmen mit deutlich weniger Gästen sei daher ideal. Männer seien für sie überhaupt kein Problem.

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