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95 x Luther = 95 Aktionen der Evangelischen Kirche

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Präsentierten die revidierte Lutherbibel (v.l.n.r.): Rainer Thielmann (Stv. Vorsitzender der Bibelgesellschaft Kurhessen-Waldeck), Svenja Neumann, (ehemalige Beauftragte für bibelgesellschaftliche Arbeit), Bischof Prof. Dr. Martin Hein (EKKW), Propst Helmut Wöllenstein (Vorsitzender der Liturgischen Kammer). Foto: medio.tv/schauderna
Präsentierten die revidierte Lutherbibel (v.l.n.r.): Rainer Thielmann (Stv. Vorsitzender der Bibelgesellschaft Kurhessen-Waldeck), Svenja Neumann, (ehemalige Beauftragte für bibelgesellschaftliche Arbeit), Bischof Prof. Dr. Martin Hein (EKKW), Propst Helmut Wöllenstein (Vorsitzender der Liturgischen Kammer). Foto: medio.tv/schauderna

Maintal. 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirchentür damals, 95 Aktionen in den Kirchen heute: Unter dem Motto „95 x Luther“ möchte die Evangelische Kirche anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation an ihre Ursprünge erinnern. Wir haben den Maintaler Pfarrer und Medienbeauftragten Jens Heller zum Ablauf befragt.

Von Alexandra Helbrück

Egal, ob Martin Luther seine Thesen gegen den Ablasshandel am 31. Oktober 1517 nun höchstselbst an die Kirchentür genagelt hat oder ob doch eher die Version eines Briefes an den Erzbischof der Wahrheit entspricht, die Formulierung der 95 Punkte markiert für die Evangelische Kirche den Beginn der Reformation und jährt sich im Oktober nächsten Jahres zu 500. Mal. Dass für ein solches Jubiläum ein einzelner Feiertag nicht ausreicht, liegt auf der Hand.

Der Sprengel Hanau der Evangelischen Kirche hat deshalb bereits vor gut einem Jahr eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die auf die Idee mit den 95 Veranstaltungen gekommen ist. Um den einzelnen Kirchengemeinden jedoch nicht bloß Mehrarbeit aufzubürden, sondern den Geist Luthers in die Aktionen einfließen zu lassen, haben sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe für eine dynamische Vorgehensweise entschieden: Viele Projekte wie beispielsweise Musicals, Festgottesdienste oder Freizeitfahrten, die sowieso innerhalb des Kirchenjahres anstehen, können einfach mit einem Lutherbezug versehen werden.

Dynamischer AblaufAußerdem wollten die Ideengeber des Mottos nicht bereits zu Festjahresbeginn einen starren Ablaufplan präsentieren, sondern den Kirchengemeinden Raum zur lebendigen Entfaltung geben. Sprich: ergibt sich etwa aus einem Diskussionsabend die Idee zu einer weiteren Aktion, soll auch diese Platz im Luther-Kalender finden können. So wird zum Anfang des Jubiläumsjahres auch kein fester Veranstaltungskalender vorgegeben, sondern es gibt eine flexible Terminseite im Internet, die je nach neu dazukommenden Gemeindeaktionen angepasst und erweitert werden kann.

„Etwa 60 Veranstaltungen stehen bereits“, erklärte Pfarrer Heller im Gespräch unserer Zeitung. „Zu Anfang waren es nur ein paar Ideen, aber jetzt nimmt das Ganze Fahrt auf.“ Nicht nur, dass die Ideen einer Gemeinde oft auch andere inspiriert hätten, so Heller, es seien mit der Zeit auch spontane Zusammenschlüsse für bestimmte Projekte entstanden.

Ein vielfältiges RegionalprogrammDer Kirchenkreis mit seiner Arbeitsgruppe biete für all diese Veranstaltungen lediglich den Rahmen und stelle den Gemeinden den Slogan „95 x Luther“ auch als Logo zur Verfügung. So können sich Interessierte ab sofort im Internetkalender kundig machen, was gerade bei Ihnen vor Ort oder anderswo passiert. Beispielsweise wird es am Turm der Lutherkirche in Hanau-Wolfgang eine Lichtinstallation geben, die Aktion „Futtern wie bei Luthern“ steht in Bruchköbel-Niederissigheim auf der Agenda, die Hanauer Johanneskirche nimmt in einen speziellen Frauengottesdienst das Thema „Frauen im Aufbruch“ ins Visier und die Maintal-Bischofsheimer Kirchengemeinde setzt ihr diesjähriges Krippenspiel unter die Überschrift: „Weihnachten wie bei Luthers“.

Außerdem soll es einen Kinderkirchentag in Hanau-Mittelbuchen geben, eine Kinderbibelwoche in Maintal-Dörnigheim sowie eine Musikshow verschiedener, internationaler Blasorchester in der August-Schärttner-Halle. Rund um die Friedenskirche in Hanau-Kesselstadt steht das Bierbrauen wie zu Luthers Zeiten an und in Niederissigheim wird zur „Luther Mud Race Challenge“ aufgefordert.

Auch kontroverse Themen sind ProgrammDoch nicht nur heimelige, spannende und festliche Themen stehen im Jubiläumsjahr auf dem Programm, denn die Evangelische Kirche will sich bewusst auch mit weniger schönen Dingen auseinandersetzen: Dafür steht zum Beispiel die Wanderausstellung „Ertragen können wir sie nicht – Martin Luther und die Juden“ in der ehemaligen Synagoge in Großkrotzenburg. „Es geht darum, sich mit Luther auseinanderzusetzen und nicht nur das Jubiläum zu feiern“, sagte Heller.

Des Weiteren sollen die Veranstaltungen nicht nur Rückschau sein, sondern auch einen Ausblick in die Zukunft wagen. „Hier stehe ich, ich könnt' auch anders“, ein Thementag der Kirchengemeinde Gelnhausen und des Zentrums Oekumene zum Thema Globalisierung und Eine-Welt, steht für diese Facette. Viele weitere Ideen, so Heller, gärten noch in den Köpfen so mancher Beteiligter, inklusive seines eigenen, wie er lachend zugab.

95 Veranstaltungen sind nicht die ObergrenzeDeshalb soll es trotz der „95“ auch keine echte Obergrenze für die Veranstaltungen geben. „Wenn es 100 sind, dann sind es 100“, so der Pfarrer. Nur das Minimum der 95, die wollen sie unbedingt erreichen. „Unser Ziel ist es vor allem, übers Jahr verteilt an vielen Ecken sichtbar zu werden“, erklärte der Medienbeauftragte, „und nicht nur dadurch, dass der Reformationstag am 31. Oktober 2017 diesmal ein bundesweiter Feiertag sein wird.“ Deshalb hofft er, dass sich nicht nur Gemeindemitglieder und Menschen evangelischer Konfession angesprochen fühlen, die Aktionen zu besuchen, sondern auch viele andere. www.95xLuther.de

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