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Kurier Max Speckner hadert mit dem Dieselverbot

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Das Dieselfahrverbot für die Stadt Frankfurt trifft auch viele Pendler aus Maintal. Einer von ihnen ist Max Speckner, der sich von seinem derzeitigen Fahrzeug trennen muss. Leider wollte er sich nicht für ein Foto bereiterklären. Symbolbild: fotoART by Thommy Weiss/pixelio.de
Das Dieselfahrverbot für die Stadt Frankfurt trifft auch viele Pendler aus Maintal. Einer von ihnen ist Max Speckner, der sich von seinem derzeitigen Fahrzeug trennen muss. Leider wollte er sich nicht für ein Foto bereiterklären. Symbolbild: fotoART by Thommy Weiss/pixelio.de

Maintal. Bis dass der TÜV uns scheidet. So lange wollte Max Speckner seinem BMW treu bleiben. Jetzt droht die vorzeitige Scheidung, die den Maintaler noch dazu teuer zu stehen kommt. Denn das besagte Kfz ist ein Diesel . . .

Von Martina Faust

Max Speckner ist selbständig. Als Kurier fährt er täglich nach Frankfurt. Mit seinem Diesel, Euro 4. Noch. Ab Februar könnte damit Schluss sein – wenn am Dieselfahrverbot für die Mainmetropole nicht noch gerüttelt wird. Schließlich geht das Land Hessen juristisch gegen die Entscheidung vor.

Für Max Speckner – und viele andere Dieselfahrer – ist es schwierig, in der derzeitigen unsicheren Situation eine Entscheidung zu treffen – über die Fahrten nach Frankfurt, über die beruflichen Perspektiven, über ihr Fahrzeug. „Es gibt von Frankfurt auch noch keine Informationen, etwa über Sondergenehmigungen. Ich habe durch meinen Job zu einigen Speditionen und Kurierdiensten Kontakt, die noch gar nicht genau wissen, was auf sie zukommt“, erzählt er.

Für viele Dieselfahrer nicht zu leisten

Speckner selbst erwägt derzeit, einen Benziner zu leasen. Eine Übergangslösung, denn ganz so einfach ist es mit dem Neukauf nicht. „Unmittelbar nach der Entscheidung zum Dieselfahrverbot habe ich mich bei vier Händlern nach einem Hybrid erkundigt. Wenn ich Glück habe, sind es nur zehn bis 18 Monate Wartezeit“, sagt er. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt. Denn mit der Dieselaffäre und den ersten Fahrverboten wurden entsprechende Fahrzeuge quasi entwertet. „Der Listenpreis für meinen BMW liegt bei 8900 Euro. Der Gebrauchtwagenhändler bot mir noch 3000 Euro. Mein Nachbar bekam für seinen Golf sogar nur 5000 Euro statt 9000 Euro geboten“, erzählt er. Ein Verlust, den sich viele Dieselfahrer schlichtweg nicht werden leisten können.

13 Jahre ist der BMW E 61 alt, den Max Speckner damals extra mit Partikelfilter kaufte, „wegen der niedrigen Schadstoffklasse“, sagt er. Das ist jetzt alles hinfällig. Ebenso die Faktoren Zuverlässigkeit und Langstreckentauglichkeit, die damals kaufentscheidend für den Freiberufler waren. Schließlich fährt er durchschnittlich 60 000 bis 100 000 Kilometer jährlich.

Probleme für Privatpersonen und Firmen

Speckner ist ratlos. Es ist schwierig. Für Privatpersonen genauso wie für Firmen. Denn auch deren Sicht kennt der Maintaler nur zu gut. „Ich bin schließlich regelmäßig mit den Lkw von Kunden unterwegs, auch in Frankfurt“, sagt er. Für die ist der Umgang mit dem Dieselfahrverbot nicht weniger komplex. „Die schreiben den Lkw über acht bis zehn Jahre steuerlich ab. Die können gar nicht so schnell neue anschaffen, von den Lieferzeiten mal ganz abgesehen“, erzählt er.

Erschwerend hinzu kommt die dürftige Informationslage. „Es gibt noch keine Auskünfte, welche Zonen es konkret geben wird“, sagt Speckner. Auch über mögliche Hardware-Nachrüstungen wird immer noch diskutiert. „Ich würde mir wünschen, dass die Politik besser nachdenkt“, sagt er.

Viel Verbesserungsbedarf

Auch verkehrsplanerisch sieht er deutlichen Verbesserungsbedarf. „Mit der Bahn brauche ich für eine Strecke, die ich mit dem Auto in einer halben Stunde zurücklege, mindestens anderthalb Stunden, mit Verspätungen auch mal drei. Auf die nordmainische S-Bahn warte ich seit Jahren, ebenso auf den Ausbau der A 66. Und die Fähre in Dörnigheim verkehrt seit längerem nicht“, zählt er auf. Außerdem plädiert er für eine „vernünftigere Ampelschaltung“ in Frankfurt. „Ich stehe jetzt an der elften roten Ampel von zwölf Anlagen“, erzählt Speckner während des Telefonats. „Mit einem Lkw.“ So viel zur Feinstaubbelastung und deren Vermeidung . . .

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