Trauriger Anblick: Nur gut ein halbes Jahr nach dem Aufstellen der „Maingalerie“ fiel die erste Skulptur Kunstschändern zum Opfer. In der Nacht von Freitag auf Samstag machten sie sich an dem Kunstwerk der Frankfurter Bildhauerin Bianca Tather zu schaffen. Fotos: Privat

Maintal

Kunstschänder am Mainufer: Skulptur am Wochenende zerstört

Maintal. Hayriye Rupin von der Stadtleitbildgruppe Mainufer ist entsetzt: Unbekannte haben sich in der Nacht von Freitag auf Samstag an einer der Skulpturen, die auf Initiative der Gruppe vor gut einem halben Jahr am Dörnigheimer Mainufer aufgestellt worden sind, abgesägt. Es ist nicht der erste Fall von Vandalismus.

Von Carolin-Christin Czichowski

Schon Ende Dezember war eines der Kunstwerke nachts demoliert worden. „In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember haben Unbekannte eine Skulptur aus der Verankerung gerissen“, erinnert sich Rupin. Doch den Vandalen schien sie wohl zu schwer zu sein, denn sie ließen die Figur am Mainufer liegen. „So konnten wir sie wieder aufstellen“, sagt die Mitarbeiterin.

Doch diesmal ist der Schaden ungleich höher: Mit einer Säge haben sich Unbekannte an einem der Kunstwerke zu schaffen gemacht und es anschließend in den Main geworfen, vermutet Rupin. „Die Skulptur wurde von einer Ruderin gesichtet“, sagt sie. Von der Tat, die sich laut Polizei in der Zeit von Freitag, 22 Uhr, bis Samstag, 11 Uhr, ereignet haben muss, gibt es hingegen keine Zeugen. „Aber irgendjemand muss doch mitbekommen haben, wie die Skulptur abgesägt und abtransportiert wurde“, sagt Rupin.

Durch die Größe der Massivholzfigur von rund 2,20 Metern geht Rupin davon aus, dass es sich um eine geplante Tat handelt, die nicht nur von einer Person ausgeführt wurde. „Außerdem haben die Täter sehr sauber gearbeitet und keine Späne hinterlassen“, sagt Rupin. Fein säuberlich haben sie die Figur, die einen Außerirdischen darstellt, an den Knöcheln abgetrennt. Nur noch der Sockel und die Füße sind noch übrig.

Auch die Frankfurter Künstlerin Bianca Tather, die die Skulptur mit Namen „K 718“ im Auftrag der Stadtleitbildgruppe angefertigt hat, ist bestürzt. „Schon als wir im Juni das Projekt durchgeführt haben, wurde von einigen vermutet, dass die Skulpturen nicht lange stehen würden“, sagt sie. Sie selbst hätte aber nicht damit gerechnet, dass die als „Maingalerie“ bekannte Kunstserie Vandalen zum Opfer fallen könnte. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand sich an Kunst vergreift“, so die Bildhauerin.

Besonders leid täte es ihr für die Menschen, die sich nun in ihrem anfänglichen Verdacht bestätigt fühlten. „Und es tut mir leid, dass man scheinbar nicht einmal mehr etwas Schönes aufstellen kann.“

Schon lange treiben Vandalen am Dörnigheimer Mainufer ihr Unwesen. „Es wurden schon Papierkörbe geöffnet und der Müll auf der Wiese verteilt, und Bänke aus der Verankerung gerissen“, sagt Rupin. Außerdem haben Unbekannte einen Zaun am Parkplatz an der Uferstraße zerstört und eine frisch gestrichene Wand an der Mainstraße mit Graffiti besprüht.

Rupin sieht einen Zusammenhang zwischen den Taten, zumindest denen, die sich gegen die Kunstwerke richten. „Es scheint eine Gruppierung zu sein, die uns ärgern will“, sagt sie. Wer und vor allem warum, kann die Dörnigheimerin auch nicht sagen. „Ich verstehe es nicht. Denn die Mainufergalerie wird so gut angenommen und ist auch über die Grenzen Maintals hinaus bekannt.“

Die Stadtleitbildgruppe um Rupin bemüht sich aktuell um Schadensbegrenzung und hofft darauf, die Figur so schnell wie möglich wiederzufinden. „Wir haben den Betreibern der Fähre Rumpenheim und der Schleuse Offenbach Bescheid gegeben“, sagt sie. Außerdem werden die Mitglieder der Stadtleitbildgruppe sämtliche Rudervereine am Main und auch die Schleuse in Frankfurt-Griesheim kontaktieren.

„Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Skulptur wiedergefunden wird und wir sie vielleicht wieder aufstellen können“, sagt Rupin. Das hofft auch die Künstlerin Bianca Tather. „Wenn die Skulptur nur wenige Tage im Wasser getrieben ist, dann stehen die Chancen gut, sie wieder restaurieren zu können“, sagt sie.

Auch die Polizei sucht nach den Tätern. Eine heiße Spur hat sie bislang nicht, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte. Zeugen, die Angaben zu der Tat machen können, werden gebeten, sich bei der Maintaler Polizei unter Telefon 0 61 81/4 30 20 zu melden. Der entstandene Schaden beläuft sich auf rund 2000 Euro. Das sind aber nur die Materialkosten – der ideelle Wert der Skulptur ist für alle Beteiligten wohl unbezahlbar und durch nichts zu ersetzen.

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