Maintal

Kulturbeauftragter Jochen Spaeth: Rück- und Ausblick

Maintal. Fünf Jahre: Das ist der Zeitraum, für den ein kommunales Parlament gewählt ist. Und es ist auch jene Zeitspanne, für die Maintals Kulturbeauftragter Jochen Spaeth von der Stadtverordnetenversammlung bestellt wurde. Vor Kurzem endete die erste „Amtszeit“, das Parlament bestätigte Spaeth für weitere fünf Jahre.

Von David Scheck

Wir haben mit dem Bischofsheimer auf das bisher Erreichte zurückgeblickt und einen Ausblick auf die kommenden fünf Jahre gewagt.

Was der kulturelle Dreh- und Angelpunkt in Maintal aus Sicht von Joachim Spaeth, den alle Jochen nennen, ist beziehungsweise werden soll, wird im rund zweistündigen Gespräch schnell deutlich: das Bürgerhaus in Bischofsheim. „Es ist die einzige vernünftige Spielstätte, die wir haben“, bringt es der Kulturbeauftragte auf den Punkt. Der Bau am Dörnigheimer Weg liegt freilich noch ein wenig im Dornröschenschlaf, die geplante energetische Sanierung und technische Aufrüstung sollen ihn daraus erwecken.

Heißt konkret: attraktiv machen auch für überregional bekannte Künstler. Schon jetzt ist das Bürgerhaus der Ort für Veranstaltungen mit größerem Rahmen, seien es die von der Volksbühne Maintal organisierten Aufführungen oder zuletzt Anfang Februar eine Musical-Show. Aber Kritik an der dürftigen Tonqualität kommt immer wieder auf und nimmt dem Haus wichtiges Potenzial. Dementsprechend groß sind Spaeths Hoffnungen, mit einem modernisierten Bürgerhaus Maintal als kulturellen Ort etablieren zu können, auch wenn der Start der Sanierungsarbeiten noch nicht absehbar ist.

Schwerer StartDer Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Kulturbeauftragter vor fünf Jahren war schwierig. Kaum gestartet, legte die Nichtgenehmigung des Haushalts 2014 alles auf Eis. Mittel, die für Kultur im städtischen Etat zur Verfügung gestellt werden, konnten nicht abgerufen werden. „Wir mussten 2015 quasi wieder von vorne anfangen“, beschreibt Spaeth die damalige Situation. Mit „wir“ meint er neben sich die Mitarbeiter des städtischen Kulturbüros um dessen Leiter Florian Grünert. Mit diesen arbeitet Spaeth ebenso wie mit den Mitgliedern der Stadtleitbildgruppe „Maintal kulturell“ eng zusammen.

Heute ist die finanzielle Situation der Stadt bekanntlich besser, dennoch sagt der Bischofsheimer – der als SPD-Stadtverordneter im Parlament sitzt und über die monetäre Ausstattung des Ressorts mitentscheidet: „Der Kulturetat ist zu niedrig.“ Dieser beläuft sich auf rund 40 000 Euro im Jahr, wovon neben Gagen für gastierende Künstler unter anderem auch Saalmieten bezahlt werden müssen.

AlleinstellungsmerkmalFrankfurt, Bad Vilbel, Hanau: Wenn Maintaler Kultur erleben möchten, können sie in die Nachbarkommunen fahren. Wo in diesem reichen Angebot ist Maintals Platz? Als er als Kulturbeauftragter anfing, sollte Spaeth ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt herausarbeiten. „Ich habe bis heute keins gefunden“, sagt er, schickt aber nach einer kleinen Denkpause hinterher: „Das Bühnenstürmerfestival, das war einzigartig in der Region.“ Die Vergangenheitsform benutzt er, weil das Festival im vergangenen Jahr ausfallen musste – in diesem Jahr aber wieder stattfinden soll, so die Hoffnung des Kulturbeauftragten. Das Treffen mit Workshops und Aufführungen internationaler Jugendtheatergruppen wird voraussichtlich exklusiv im evangelischen Gemeindehaus Wachenbuchen über die Bühne gehen.

Gruppen wie das Junge Theater Wachenbuchen, die Spielgemeinschaft HdB, das Wachenbücher Weltbühnchen oder das Blasorchester Wachenbuchen vertrauen vor allem auf ihre jeweilige Heim-Spielstätte – könnten aber im großen Bischofsheimer Bürgerhaus mehr Zuschauer zu ihren Stücken locken. „Mit einem aufgewerteten Bürgerhaus wäre die Akzeptanz bei den Gruppen sicher größer“, ist Spaeth überzeugt. Womit wir wieder beim Gebäude im Bischofsheimer Osten wären.

Dicke BretterSpaeth weiß aber auch, dass dabei dicke Bretter zu bohren sein werden: „Wir müssen das Bürgerhaus als zentrale Maintaler Kulturstätte in die Köpfe bringen.“

Der Eventmanager, der für das Bürgerhaus geschaffen werden soll? Zukunftsmusik. „Müssen wir sehen“, sagt Spaeth. Schließlich müsste dieser zunächst eingearbeitet werden. Vor allem aber braucht der Manager etwas Handfestes, das er auch vermarkten kann: ein aufgewertetes Bürgerhaus.

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