Foto: Max J. Gepperth

Maintal

Kommentar: Aktion "Islam uff hessisch" ist umstritten

Maintal. An sich ist es eine gute Idee, sich humorvoll mit einem Thema auseinanderzusetzen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Informationen, die mit einem Witz verknüpft werden, besser vom Gehirn verarbeitet werden können.

Von Jan Max Gepperth

Die einzige Pointe, die bei „Islam uff hessisch“ jedoch zündet, ist die Aktion selbst. Denn tatsächlich gibt es, wenn man ehrlich ist, nur Verlierer.

Die Muslime fühlen sich zu Recht vorgeführt, wenn etwas, das in ihrer Religion streng verboten ist, in direkter Verbindung mit dieser gesetzt wird. Da ist es auch völlig egal, ob man die Pappdeckel nun Untersetzer oder Bierdeckel nennt. Sobald man einen Bembel darauf druckt, ist nun einmal die Verbindung zu Alkohol und Apfelwein da.

Die Stadt hat leider versäumt, den Dialog zu suchen. Es stimmt, dass auch in der Offenbacher Vorlage der Bembel sehr prominent platziert ist. Aber gerade, wenn man das Design noch einmal für ordentliches Geld überarbeitet, kann man erwarten, dass man es noch einmal hinterfragt.

In jeder Hinsicht unglücklich verlaufen

Auch der QR-Code ist unglücklich gewählt. In einer Gaststätte hat kein Besucher Lust, ewig mit dem Handy zu hantieren. Klar haben einige die Deckel mit nach Hause genommen, aber so kommen sie dann auch nicht direkt im Gasthaus in den Dialog. Die Antworten auf der Rückseite abzudrucken, wäre besser gewesen. Auch der Ausländerbeirat geht als Verlierer vom Platz. Als von den Bürgern gewähltes Gremium hat er die Verantwortung, sich für deren Interessen einzusetzen.

Max J. Gepperth. Foto: privat

Da nutzt es nichts, sich immer nur in die eigenen Sitzungen zu setzen und zu hoffen, dass einem alle Informationen zugetragen werden. Man muss rausgehen und aktiv an der Politik teilnehmen. Wer das nicht möchte oder leisten kann, sollte sich nicht aufstellen lassen. Hätten sich die Mitglieder des Ausländerbeirats nämlich aktiv beteiligt, hätten sie ihre Anregungen frühzeitig einbringen können, anstatt sich im Nachgang zu echauffieren.

Insgesamt hat sich die Stadt mit dieser Aktion nicht mit Ruhm bekleckert. Gerade vom Ausschuss für Asyl und Integration hätte man mehr Fingerspitzengefühl für die religiösen Gefühle der Maintaler Muslime erwarten können.

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