Mit den beiden Angeklagten gab es im ersten Prozess eine Tatortbegehung. Derzeit versucht das Gericht erneut zu ergründen, ob sie in Notwehr gehandelt haben. Archivfoto: Kalle

Maintal

Klock-Prozess: Verteidigung und Anklage halten fünf Pladoyers

Hanau/Maintal. Das Wiederaufnahmeverfahren vor der Zweiten Strafkammer des Hanauer Landgerichts um den Tod der Eheleute Harry und Sieglinde Klock auf der Maintaler „Main-River-Ranch“ im Juni 2014 geht auf die Zielgerade. Fünf Plädoyers sorgten gestern für einen langen Gerichtstag.

Von Rainer Habermann

Nach den Plädoyers der Nebenklägervertreter lautet nämlich der Tatvorwurf jetzt erneut auf Mord gegen den Vater (Klaus-Dieter), aber auch erstmals gegen den Sohn (Claus-Pierre). Der war im vorigen Prozess, dessen Freisprüche („Notwehr und Nothilfe“) der Bundesgerichtshof (BGH) wegen formaler Fehler in der Beweiswürdigung nach Hanau zurückverwiesen hatte, „nur“ wegen Totschlags angeklagt gewesen.

So lautete auch der erneute Vorwurf von Oberstaatsanwalt Heinze gestern, doch Rechtsanwalt Michael Bauer, als Vertreter der Angehörigen des getöteten Ehepaars als Nebenkläger, sieht es anders. Für ihn habe sich im Verlauf der Beweisaufnahme zweifelsfrei ergeben, dass kein Kampf zwischen Harry Klock und dem Angeklagten stattgefunden hätte, sondern dieser ganz arglos nur ausstehende Mieten eintreiben wollte. Dann habe ihn Claus-Pierre ganz kaltblütig mit 17 Messerstichen getötet, deshalb sei es ebenfalls Mord. Das Tatmesser – es wurde nie gefunden – habe Claus-Pierre mitgebracht und später verschwinden lassen.

Sieglinde Klock soll das Beil nicht gehabt habenSein Vater habe Sieglinde Klock „mit zwei aufgesetzten Genickschüssen aus einer Walther P38 regelrecht hingerichtet“. Dass sie, wie die Verteidigung sagt und wie es schriftliche Einlassungen der Angeklagten behaupten, ein Beil dabei gehabt habe und auf seinen Sohn einschlagen wollte, der sich am Boden wälzte und mit ihrem Mann kämpfte: das wollte Bauer keinesfalls gelten lassen. Im Gegenteil: Das Beil, das im Laufe der Ermittlungen erst aus dem Main gefischt werden musste und das die Angeklagten wohl in Panik dort versenkten, soll sogar von Claus-Pierre selbst geführt worden sein, der Harry Klock damit schon eine Wunde an der Stirn beigebracht habe, bevor er dann mit dem Messer zustach. Und alles rundete Klaus-Dieter quasi ab, mit zwei Schüssen, weil Sieglinde sonst Zeugin gewesen wäre.

So forderte Bauer zweimal lebenslänglich. Die beiden weiteren Nebenklägervertreter schlossen sich entweder Heinze oder Bauer in mehr oder weniger ausführlichen Plädoyers an. Heinze hatte zuvor etwas vorsichtiger formuliert, doch auch für ihn steht zweifelsfrei fest, dass die Taten stattgefunden hätten. Seine Strafforderung: lebenslänglich für Klaus-Dieter B., sieben Jahre und sechs Monate für Claus-Pierre B.

Verteidigung plädiert auf FreispruchFür die Verteidigung sieht das naturgemäß völlig anders aus. Rechtsanwalt Karl Kühne-Geiling, Verteidiger des Sohnes, und Rechtsanwalt Thomas Scherzberg, der das Plädoyer für den Vater hielt, plädierten beide jeweils auf Freispruch. Der Prozess insgesamt sei geprägt gewesen vom Versuch der Nebenklagevertreter, ihre Mandanten „schlecht zu machen“. Diese aber seien „ehrbare, kleine Handwerker“, die sich immer wieder Drohungen von Harry Klock ausgesetzt gesehen hätten. Der habe schließlich immer ein Messer in einer Gürteltasche mit sich geführt, wie etliche Zeugen bestätigen könnten.

Sämtliche Anschuldigungen, welche die Klageseite gegen ihre Mandanten vorgebracht hätten, seien falsch oder Fehlinterpretationen von Gutachter- oder Zeugenaussagen. Im Übrigen sei das Urteil im alten Prozess ja nicht aufgehoben worden, weil es falsch ist. „Es ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, das Gericht habe ein völlig falsches Urteil gefällt. Das ist nicht der Fall. Der BGH rügte lediglich formale Mängel“, sagte Scherzberg.

Fast acht Stunden Plädoyers und juristisches Hin und Her um Befangenheit, zusätzliche Beweisanträge (es dürften gut drei Dutzend gewesen sein) und gegenseitige Vorwürfe: Die Vorsitzende Richterin der Zweiten Strafkammer und Landgerichtspräsidentin, Susanne Wetzel, dürfte mit ihrer Kammer noch einiges zu wälzen haben, bevor sie dann am kommenden Freitag das Urteil fällen wird.

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