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Klimawandel und "Jahrhundertsommer " machen Wäldern zu schaffen

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Maintals Revierförster Heinrich Koch zeigt die Auswirkungen, die der Borkenkäfer auf eine etwa 100 Jahre alte Fichte im Bischofsheimer Wald hat. Foto: Carolin-Christin Czichowski
Maintals Revierförster Heinrich Koch zeigt die Auswirkungen, die der Borkenkäfer auf eine etwa 100 Jahre alte Fichte im Bischofsheimer Wald hat. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal. Kaum Niederschlag, außergewöhnlich viel Sonne und heiße Temperaturen – der vergangene Dürresommer gilt als „Jahrhundertsommer“. Und er hat seine Spuren hinterlassen, nicht nur in der heimischen Landwirtschaft, sondern vor allem auch im Wald.

Von Carolin-Christin Czichowski

In Maintals Wäldern haben sich insbesondere Borkenkäfer wie Buchdrucker und der Kupferstecher ausgebreitet. Das erklärte Revierförster Heinrich Koch bei einem Besuch vor Ort im Bischofsheimer Wald.

Ausgetrocknete Bäume

„Der Baum ist ganz ausgetrocknet“, sagt Koch, während er mit einem Messer vorsichtig die Rinde von einer etwa 100 Jahre alten Fichte abtrennt. „Hier hat sich der Buchdrucker eingenistet“, sagt der Förster und zeigt auf die kleinen Wege, die sich der Käfer unter der Rinde geschaffen hat. Die Massenvermehrung der Schädlinge hat bereits in 2018 enorme Schäden am Wald verursacht – weitere Folgeschäden sind in 2019 sowie den Folgejahren zu erwarten.

Doch nicht nur der Schädlingsbefall an Fichten macht dem Maintaler Förster zu schaffen: „Es gibt hier auch das so genannte Diplodia-Triebsterben an Kiefern“, sagt er. Das wird durch einen Befall mit dem Pilz Diplodia pinea hervorgerufen. „Dadurch verfärben sich die Nadeln zuerst rötlich, dann stirbt die Kiefer ab“, so Koch. Das sei für den heimischen Wald besonders schlimm, weil die Kiefer an das hiesige Klima eigentlich sehr gut angepasst sei. „Die hält einiges aus“, so Koch.

Etwa 600 Hektar Waldfläche gibt es in Maintal. Mehr als ein Zehntel davon ist nun nach ersten Prognosen nachhaltig geschädigt. Der Grund: die anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen, allerdings nicht erst durch den vergangenen „Jahrhundertsommer“.

Entwicklung über Jahre

Koch beobachtet die Entwicklung nun seit knapp 16 Jahren. Im Jahr 2003 gab es auch schon einen solchen besonders heißen, trockenen und niederschlagsarmen Sommer. „Seitdem sind die jährlichen Durchschnittstemperaturen um etwa zwei bis drei Grad Celsius gestiegen“, sagt der Revierförster. „So waren früher die Monate März bis Mai eher nass und kühl“, so Koch. Nun herrscht oft um diese Zeit langanhaltende Trockenheit mit dem Resultat, dass viele der Neuanpflanzungen vertrocknen.

Auf solche anhaltenden Trockenperioden sind vor allem die Wälder in Maintal und Umgebung schlecht eingestellt, besonders wenn sie wie in großen Bereichen im Maintaler Wald auf Sandböden stehen. Diese sind von Natur aus schon sehr nährstoffarm und speichern dazu noch sehr schlecht das Wasser. Die Bäume geraten unter Stress und werden anfällig für Schädlinge.

Doch nicht nur an den Nadelhölzern wie Fichte, Kiefer und Douglasie haben sich Parasiten eingenistet, auch Laubbäume sind betroffen. So gibt es etwa die sogenannte Rußrindenkrankheit an Ahorn, die durch den Schlauchpilz Cryptostroma corticale ausgelöst wird. „Doch das ist nur ein Problem von vielen“, sagt Koch.

Schädlich für Menschen

Die Sporen dieses Pilzes können bei direktem Kontakt für den Menschen unter Umständen schädlich sein. Experten, unter anderem des Julius-Kühn-Instituts für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit, schätzen dieses Risiko allerdings als gering ein. „Absperrungen zum Schutz von Passanten sind nicht notwendig“, heißt es in einer Mitteilung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung und Dienststelle der Länder Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Der vermehrte Käferbefall, aber auch durch Stürme umgeworfene Bäume haben dazu geführt, dass es seit einiger Zeit ein Überangebot auf dem Holzmarkt gibt. „Dadurch sind die Holzpreise im Keller, Nadelholz zur Zeit kaum absetzbar“, sagt Koch. Das stellt Waldbesitzer wie die Stadt Maintal auch vor finanzielle Herausforderungen, so der Experte. „Normalerweise endet die Holzsaison im März, doch in diesem Jahr müssen vermutlich bis in den Sommer hinein befallene Bäume aus Gründen des Forstschutzes und der Verkehrssicherheit eingeschlagen werden.“

Veränderung der Vegetation

"Die Vegetation wird sich mittel- und langfristig verändern“, sagt Koch. Neben den angeschlagenen Nadelbäumen kommt auch die Buche, die am häufigsten vorkommende Baumart in Hessen, mit der Klimaerwärmung schlecht zurecht. Deshalb müsse man beim Aufforsten zunehmend experimentieren, um herauszufinden, welches Gehölze für die künftigen Klimaverhältnisse in der Region geeignet sind.

Das schließt auch fremdländische Baumarten mit ein. „Dabei sind Bäume aus dem Mittelmeerraum da oft frostempfindlich nur eingeschränkt geeignet“, so Koch. Es gibt Baumarten aus Südosteuropa oder gar aus dem Kaukasus, die sowohl höhere Durchschnittstemperaturen als auch Frost vertragen, wir sind da erst am Anfang, so Koch.

Der Klimawandel, er betrifft also nicht nur die fernen Inseln in Mikronesien oder die Sahel-Zone in Afrika, sondern ist längst bei uns angekommen.

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