Im Forscherraum können die kleinen Entdecker spielerisch ihren Horizont erweitern. Seit sieben Jahren ist die Kita Vilbeler Straße ein „Haus der kleinen Forscher“. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal

Kita Vilbeler Straße weckt den Forscherdrang

Maintal. Gründlich inspizieren Johanna und Tara die weißen Kügelchen, die in der Glasschüssel vor ihnen stehen. „Sieht aus wie Hagel“, sagt Johanna. „Und es schmeckt süß“, findet Tara. Die beiden Vierjährigen sitzen mit den anderen Kindern der gelben Gruppe im Forscherraum der Kita Vilbeler Straße.

Von Carolin-Christin Czichowski

Sie lernen gerade die verschiedenen Arten von Zucker kennen – herkömmlichen Haushaltszucker, Hagel- und Puderzucker. Bevor sie jeweils die Löslichkeit in Wasser testen, geht es ans Beschreiben, ans Fühlen, Riechen und Schmecken. „Es ist wichtig, die Kinder Dinge selbst ausprobieren zu lassen“, sagt Heike Stützel, die stellvertretende Leiterin der Kita, in der Forschen großgeschrieben wird. „Kinder forschen eigentlich immer, wenn man sie lässt.“ Seit sechs Jahren ist die Einrichtung an der Vilbeler Straße als „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert, kürzlich wurde ihr das Siegel zum dritten Mal verliehen.

Während die älteren Kitakinder im einen Teil des Forscherraums kräftig mit Löffeln in Glasbehältern rühren, um den Puderzucker in Wasser aufzulösen, spielen die kleineren im Nebenraum mit zersägten Baumstämmen, mit Tannenzapfen, Kastanien und Steinen. „Hier lernen sie unter anderem, wie sich die verschiedenen Naturmaterialien anfühlen“, sagt Stützel.

Kita ist mit Themenräumen ausgestattet

Viele der Spiel- und Lernmaterialien im Forscherraum sind selbstgemacht: An Sanduhren sollen die Kinder spielerisch an das Thema Zeit herangeführt werden und mithilfe von Plastikflaschen, in denen sich unter anderem Federn, Sand und gefärbte Flüssigkeiten befinden, lernen sie das jeweilige Gewicht und die Beschaffenheit der verschiedenen Materialien kennen. Neben dem Schwerpunkt Forschen und Bauen gibt es noch andere Themenräume in der Kita Vilbeler Straße. So können sich die Kinder im Kreativraum beim Malen und Gestalten und im Sportraum beim Fußballspielen oder Turnen austoben, in der Bücherei in Fantasiewelten eintauchen oder im Naschgarten selbst angebaute Minze, Johannisbeeren oder Blaubeeren probieren. „Doch im Grunde ist ja alles irgendwie Forschen. Ob beim Lesen, beim Probieren von Lebensmitteln, beim selbst Kreativsein oder beim Spielen mit Bauklötzen“, sagt Stützel. „Uns ist in allen Bereichen wichtig, dass die Kinder selbst Erfahrungen sammeln. Nach dem Motto: Mach es selbst, dann verstehst du es.“

Auch im Außenbereich der Kita und bei Ausflügen in den Wald forschen die Kinder fleißig. „Da wird jeder Stein umgedreht und sich alles angeschaut“, sagt Stützel. Bisweilen werden auch seltene Fundstücke zu Forschungsobjekten. „Diese Spinne haben wir im Keller gefunden“, sagt Eliana (5) und deutet auf ein Einmachglas. Das kleine, leblose Krabbeltier dient den Kindern nun als Anschauungsmaterial. So können die Kinder ihre Umgebung und die Natur kennenlernen und zum anderen Berührungsängste abbauen, sagt Stützel.

Zertifizierung alle zwei Jahre

Seit sieben Jahren ist die Kita Vilbeler Straße nun schon ein „Haus der kleinen Forscher“. Alle zwei Jahre wird die Einrichtung neu zertifiziert. Dafür müssen unter anderem die Erzieher regelmäßig an Schulungen teilnehmen und Eltern-Kind-Aktionen zum Thema Forschen angeboten werden. „In diesem Jahr steht auch unser Sommerfest unter dem Motto“, sagt Stützel. Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das deutschlandweit Kitas, Horte und Grundschulen als „Haus der kleinen Forscher“ auszeichnet, erhält die Maintaler Einrichtung regelmäßig Arbeitsmaterial mit Ideen für Experimente.

„Wir gehen mit den Kindern viel in die Natur, erleben mit ihnen den Jahreszeitenkreis, bestaunen die Naturveränderungen, die Tierwelt, beobachten Vorgänge der Umwelt wie Wetter, Licht und Schatten, sammeln unsere Ideen, Vermutungen und tauschen sie aus“, sagt Stützel. Täglich würden die Kinder naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen begegnen, nach Erklärungen suchen, Fragen stellen und eigene Theorien aufstellen. „Das ist ein guter Weg, um die Kinder auf ihr späteres Leben vorzubereiten und zu neugierigen und mündigen Menschen werden zu lassen.“

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