Die Kita-Betreuung ist heiß diskutiert. Symbolbild: Archivfoto

Maintal

Kita-Gebühren: Freistellung für sechs Stunden

Maintal. Die Stadt Maintal folgt dem Beschluss der schwarz-grünen Landesregierung und macht in ihren Kindertagesbetreuungseinrichtungen ab 1. August die ersten sechs Stunden bei den Plätzen für Kinder ab drei Jahren gebührenfrei.

Von David Scheck

Doch auch wenn der Beschluss letztendlich einstimmig fiel, sind bei weitem nicht alle Fraktionen wirklich glücklich damit.

Für Eltern mit Kindern im Kita-Alter also erst einmal eine Kostenerleichterung: Sie sparen bei einem Fünf-Stunden-Platz künftig 180 Euro, denn dieser ist ebenso ab August gebührenfrei wie das Sechs-Stunden-Paket, das bislang noch mit 210 Euro monatlich zu Buche schlägt. Der Ganztagesplatz mit acht Stunden wird zukünftig 60 Euro kosten (bisher 240 Euro), für die verlängerte Öffnungszeit mit zehn Stunden werden Eltern 112 Euro (bisher: 280 Euro) aufbringen müssen. Damit bleibe Maintal laut Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) unter der Empfehlung des Landes, das 70 Euro für den Acht-Stunden-Platz und 144 Euro für das Zehn-Stunden-Paket als Richtwert vorgeschlagen habe.

Grünen-Antrag angenommenGute Nachrichten auch für Eltern mit mehr als einem Kind: Einstimmig beschlossen Maintals Parlamentarier einen Änderungsantrag der Grünen, der beinhaltet, die bisherige Zweit- und Drittkindregelung beizubehalten und auch das älteste Kind weiterhin als Erstkind zu berechnen.

Denn diese Regelung – für das Zweitkind müssen nur noch 60 Prozent Betreuungsgebühren bezahlt werden, für das Drittkind gar keine mehr – wollte der Magistrat in seiner Vorlage abgeändert sehen. Demnach hätten Eltern für das jüngste Kind die volle Betreuungsgebühr entrichten müssen, für das zweite wie bisher 60 Prozent, jedes weitere wäre kostenfrei gewesen.

Diese Regelung sei ungerecht, weil damit unter Umständen die vom Land gewollte Entlastung unterlaufen würde, argumentieren die Grünen. Zur Veranschaulichung machten sie ein Beispiel auf: So zahle eine Familie derzeit für einen Zehn-Stunden Platz für ein drei- bis fünfjähriges Kind den Höchstsatz von 280 Euro und für ein zweites U3-Kind den ermäßigten Satz von 180 Euro, also insgesamt 460. Mit der vom Magistrat vorgeschlagenen Änderung müsste, so die Grünen, die gleiche Familie 300 Euro für das U3-Kind und 112 Euro für das drei-bis fünfjährige Kind zahlen, zusammen also 412. Die Familie würde lediglich um 48 Euro entlastet, obwohl der Platz für das ältere Kind nominell 168 Euro weniger kosten würde.

Bürgermeisterin sprach von den MehrkostenBöttcher sprach in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vor der Sommerpause von jährlichen Mehrkosten in Höhe von 200 000 Euro, die durch die Gebührenfreistellung entstünden.

Zu den nicht ganz zufriedenen Fraktionen zählt zum Beispiel die Maintaler SPD. Deren Ansinnen ist es ohnehin, wie die Partei- und Fraktionsspitze im Gespräch mit dem TAGESANZEIGER im Frühjahr äußerte, dem Vorstoß der Landespartei zu folgen und sich perspektivisch für eine komplette Gebührenfreiheit in Kitas einzusetzen. Zur aktuellen Vorlage forderten die Sozialdemokraten nun, wenigstens acht statt dem von der Landesregierung vorgegeben Minimum von sechs Stunden täglich kostenlos anzubieten. Begründung: Dies entspreche eher der Realität der heutigen Arbeitswelt, in der meist beide Elternteile berufstätig seien. Außerdem würden in Hessen Kinder durchschnittlich 7,5 Stunden in den Kitas betreut.

„Gerade für berufstätige ‧Eltern, und hier insbesondere Alleinerziehende, werden mindestens acht Stunden Kinderbetreuung benötigt, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen“, begründet die SPD ihren Vorstoß. Als Positivbeispiel führt Fraktionschef Sebastian Maier die Nachbarstadt Frankfurt an, die sogar zehn Stunden gebührenfrei stelle.

Keine Mehrheit für SPD-VorschlagDoch das konnte die anderen Fraktionen bei der Abstimmung nicht überzeugen. So bleibt es bei einer Gebührenfreistellung von sechs Stunden.

Auch die FDP wollte sich nicht so richtig für die Gebührenfreiheit begeistern. Damit habe man nichts erreicht, so der Fraktionsvorsitzende der Freien Demokraten Thomas Schäfer – keine Qualitätssteigerung in den Kitas, kein Absenken des Betreuungsschlüssels.

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