Verkauf eines Teilgrundstücks und Sanierung des Evangelischen Gemeindezentrums in Dörnigheim sind für die Kirchengemeinde nun zeitnah möglich. Archivfoto: Martina Faust

Maintal

Kirche will zwei Flächen verkaufen - Weg für EGZ-Sanierung frei

Maintal. Ein großes Aufatmen geht durch die Evangelische Kirchengemeinde Dörnigheim: Einer Sanierung des Evangelischen Gemeindezentrums (EGZ) steht nach Wochen bangen Wartens nichts mehr im Wege.

Von Martina Faust

Eine klare Mehrheit gab in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Montagabend grünes Licht für die Pläne der Gemeinde.

Diese sehen zunächst den Verkauf einer rund 3000 Quadratmeter großen Teilfläche, die das Nebengebäude samt Außenbereich umfasst, vor. Mit dem Erlös soll die dringende und umfassende Sanierung des Hauptgebäudes finanziert werden. Die städtebauliche Entwicklung dieses zum Verkauf stehenden Areals war in den zurückliegenden Wochen innerhalb der politischen Gremien kontrovers diskutiert worden und sorgte für eine Verzögerung der Entscheidung.

Keine Fördergelder von der Stadt

Der Grund: SPD, WAM und Grüne forderten, bei der Errichtung von Wohneinheiten darauf zu dringen, dass der Investor mindestens 30 Prozent preisgedämpfte Mietwohnungen realisiert. Der Haken: Dadurch hätte sich der Verkaufserlös reduziert und für die Sanierung eine sechsstellige Summe gefehlt.

Von dieser Vorgabe sind einige Fraktionsvertreter nun abgerückt. „Das ist der glückliche Abschluss eines langen Prozesses, in dem wir zwischenzeitlich schon die Hoffnung verloren hatten“, kommentiert Pfarrer Eckhard Sckell auf Anfrage unserer Zeitung die Entscheidung im Ausschuss. „Das ist genau, was wir wollen. Nun können wir mit beiden Interessenten weiter verhandeln, um das für uns bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, fügt er hinzu.

Denn die Gemeinde sichert zu, keine Fördergelder von der Stadt in Anspruch zu nehmen, auch wenn die Sanierungskosten die grob kalkulierte Höhe übersteigen sollten. Stattdessen soll sie bei der Akquirierung öffentlicher Mittel Unterstützung aus dem Rathaus erhalten.

Mehrgenerationenwohnen und neues Juz

Die mehrheitlich verabschiedete Beschlussvorlage sieht nicht nur die prinzipielle Zustimmung zu dem städtebaulichen Konzept für das Grundstück vor, sondern auch den Erwerb des Kirchengrundstücks in der Hermann-Löns-Straße 2a in der Dörnigheimer Waldsiedlung, auf dem sich derzeit das Jugendzentrum der Gemeinde befindet. Zum Ankauf dieser Fläche zum gültigen Bodenrichtwert abzüglich der Abriss- und Bodensanierungskosten aufgrund von Altlasten stehen im städtischen Haushalt bis zu 750 000 Euro bereit.

Angedacht ist, dieses Grundstück nach dem Erwerb der Maintal Immobilien Gesellschaft (MIG) zu übertragen, die dort neben dem Projekt Mehrgenerationenwohnen und dem Neubau des Jugendzentrums 30 Prozent Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnraum schafft – quasi als Ausgleich zum Verzicht auf günstige Mietwohnungen auf dem EGZ-Areal.

"Deutschlandweites Pilotprojekt"

„Grundsätzlich stehen wir diesem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber“, sagt Sckell und meint damit sowohl den Verkauf der Fläche als auch die Idee, dort ein Mehrgenerationenprojekt umzusetzen. „Wichtig ist uns, das Juz in dem neuen Gebäude zu erhalten“, betont der Dörnigheimer Pfarrer.

Für den Verein Patchworkwohnen Maintal, der aus dem Stadtleitbild Mehrgenerationenwohnen hervorgegangen ist, ist das eine gute und ebenfalls lang ersehnte Nachricht. Seit Jahren ist die Gruppe um ihren Sprecher Ludwig Weiler auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück, musste immer wieder Pläne verwerfen und Verhandlungen mit Investoren abbrechen. Nun aber scheint die Gruppe der Verwirklichung ihres Vorhabens greifbar nah zu sein.

Die Kombination aus Mehrgenerationenwohnen und Jugendzentrum beschreibt Weiler als „Herausforderung, die wir gerne wagen möchten“. Schließlich wolle man beim Mehrgenerationenwohnen nicht nebeneinander, sondern mit anderen Generationen leben, unterstreicht Weiler und sieht in dem „deutschlandweiten Pionierprojekt“ durch die Verbindung beider Nutzungen die Chance, „ein gutes und verantwortliches Miteinander zu bekommen“.

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