Maintal

Kinder haben das Sagen bei Hortkonferenzen im Familienzentrums

Maintal. Im Familienzentrum Ludwig-Uhland-Straße in Bischofsheim finden regelmäßig Kinderkonferenzen statt. Sie gehören zum festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Damit erfahren bereits die ganz jungen Bürger der Stadt, wie Demokratie und Partizipation funktionieren und was sie bedeuten.

Von Ulrike Pongratz

Die Moderatoren der Kinderkonferenz, in diesem Fall Marija und Sohail, begrüßten die Vertreterin der Presse persönlich und stellten sie der Runde vor. Zu einem Punkt der Tagesordnung berichteten Erzieher Michael Bergmann und Vanessa Winkler wesentliche Ergebnisse aus der Dienstbesprechung. Sie hatten Flyer für eine Veranstaltung im Gepäck und konnte zudem einen Nachmittagsausflug ankündigen.

Ziele selbst festlegen

Die Hortkinder dürfen – im Rahmen des Machbaren – das Ziel selbst festlegen und machen auch eifrig Vorschläge: Schnitzeljagd, der Spielplatz, Eis essen gehen und mehr. „Noch zwei Minuten!“ Damit nicht endlos geredet und diskutiert wird, übernimmt immer ein Kind die Rolle des Zeitwächters. Lasse, der diese Aufgabe zum ersten Mal übernommen hatte, machte das richtig gut und erhielt in der abschließenden Feedback-Runde von allen ein großes Lob.

„BHM“, bombige Hort-Moderation haben die Hortkinder ihre Konferenz genannt. Sie findet alle zwei Wochen statt und wird von den Grundschülern eigenständig vorbereitet und moderiert. „2013 zogen wir in ein neu renoviertes Gebäude ein“, erklärte Michael Bergmann, Erzieher und Early-Excellence-Fachkraft im Gespräch, „und vor allem für die Hortkinder brauchten wir damals eine Möglichkeit, sie stärker anzudocken und einzubinden, damit sie sich hier zu Hause fühlen konnten.“

Mit einer Kinderkonferenz konnte der damalige Praktikant Bergmann dieses Anliegen sehr gut verknüpfen. „Als erstes haben die Hortkinder ein Fahrgerät für den Garten ausgesucht, eines, das nur ihnen gehört. Mit Begeisterung haben sie Kataloge gewälzt. Das war ein super Einstieg“, erinnert sich Bergmann. Bis heute findet die Hortkonferenz alle zwei Wochen statt. Nach wie vor stehen Fragen im Mittelpunkt wie: „Was brauche ich hier, damit es mir gut geht, was läuft nicht so gut, wie können wir gemeinsam etwas bewegen?“

Protokoll der Konferenzen

Zu allen Konferenzen fertigt Bergmann ein Protokoll am, das zunächst für alle sichtbar am „schwarzen Brett“ aushängt und dann im Ordner abgeheftet wird. „Hier sind alle Versammlungen dokumentiert“, zeigt der Erzieher auf einen prall gefüllten Leitz-Ordner.

In der letzten „BHM“ lagen drei aktuelle Themen aus dem Alltag im Hortleben an, die geklärt werden sollten: Streit und Ärger auf dem Schulweg, Schulranzen, die nicht in den Fächern, sondern auf dem Boden lägen beziehungsweise dorthin geworfen würden und Streit aufgrund eines neues Spiels, das einige Kinder ziemlich doof fänden, weil es ausgrenze und nur Unruhe und Ärger mache. Keine einfache Sache für die Moderatoren, die aber im Team souverän die Konferenz leiteten.

Die Kinder meldeten sich zu Wort, trugen vor, was sie erlebt beziehungsweise was sie gesehen hätten. Gegenseitig ermahnten sie sich: „Wir reden nicht über andere Kinder, wenn sie nicht da sind.“ „Ich schlage vor, alle die ein Problem mit XY auf dem Schulweg haben, gehen gemeinsam zur Erzieherin und klären das“, schlug Marija vor. Auch für das „doofe Spiel“ fanden die Kinder gemeinsam eine Lösung: Auf die Frage 'Was ist so cool an diesem Spiel? Was reizt euch?' stellte sich heraus: „Es gibt keinen Sinn. Es ist blöd und verdirbt einem den Tag. Niemand mag es.“ So lag die Lösung nahe: „Wir lassen es einfach. Wir spielen es nicht mehr.“

"Was findet ihr gut in Maintal?"

Auch „die Presse“ erhielt auf die Fragen „Was findet ihr gut in Maintal? Was könnte besser sein?“ ziemlich klare und eindeutige Antworten: Die Kinder leben gerne in ihrer Nachbarschaft, Freunde, Schule, Hort, Spielplätze, Verein – das alles ist nah und für sie zu Fuß erreichbar. Sie schätzen die überschaubaren städtischen Strukturen und den – verglichen mit Frankfurt – geringen Verkehrslärm und niedrige Häuser. Sie wünschen sich – keine Frage – mehr Spiel- und Grünflächen und weniger Müll und Alkoholflaschen auf den Spielplätzen.

Jede Kinderkonferenz schließt mit der Feedback-Runde an die Moderatoren und den Zeitwächter und der Festlegung, wer die nächste „BHM“ leitet und für die Einhaltung der Zeit verantwortlich ist. Wirklich überrascht hat die Ruhe und die Disziplin der Hortkinder. Sie konnten zuhören und ausreden lassen, auch wenn Kinder leise gesprochen haben oder schüchtern waren. Sie haben Haltung gezeigt und zugleich konnten sie sich einigen.

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