In Würde altern und sterben: Nur rund drei Prozent der Bevölkerung stirbt in einem Hospiz, mehr als 70 Prozent in Krankenhäusern und Pflegeheimen. (Symbolfoto)

Maintal

Kein stationäres Hospiz für Maintal

Maintal. In Maintal wird es mittelfristig kein stationäres Hospiz geben. Die Stadtverordneten stimmten jedoch der Gründung eines Netzwerks „Hospiz- und Palliativversorgung“ zu.

Von Carolin-Christin Czichowski

„Ein durchschnittliches stationäres Hospiz hat acht bis zehn Plätze“, so die Leiterin des Fachbereichs Soziales, Renate Gundert-Buch. Damit würde aber der Bedarf an palliativer Versorgung in Maintal nicht gedeckt.

Das geht unter anderem aus einer Bedarfsanalyse hervor, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte und deren Ergebnisse Gundert-Buch kürzlich in der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Sport und Kultur vorstellte. Demnach ist es viel sinnvoller, ein Expertenteam in bereits bestehenden Einrichtungen, wie Krankenhäusern und Pflegeheimen, zu etablieren. Die Mitglieder des Sozialausschusses haben deshalb der Gründung eines Netzwerks „Hospiz- und Palliativversorgung Maintal“ zugestimmt.

Dreiteilige Bedarfsanalyse

Der Bedarfsanalyse, mit deren Erarbeitung der Geschäftsführer des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes Dr. Erich Rösch, beauftragt worden war, setzt sich aus insgesamt drei Teilen zusammen. Zum einen wurde eine Expertenrunde aus ärztlichem und pflegerischem Fachpersonal durchgeführt. Teil dieser Expertenrunde war auch Maria Haas-Weber, Fachärztin für Palliativmedizin und Vorsitzende des Fördervereins Palliative Patienten-Hilfe in Hanau.

Auch sie sprach sich in der Ausschusssitzung für die Gründung eines Netzwerks „Hospiz- und Palliativversorgung Maintal“ anstatt eines stationären Hospizes aus. „Nur drei Prozent der Bevölkerung sterben in einem Hospiz“, weiß die Expertin. Stattdessen würden 70 Prozent in Krankenhäusern und Pflegeheimen sterben.

„Pflegeheime sind mittlerweile zu Sterbehäusern geworden“, erklärte sie. Deshalb habe man in Hanau ebenfalls ein palliatives Netzwerk, das „Palliativteam Hanau“, gegründet. Dazu zählen unter anderem drei Stellen für palliativmedizinisch ausgebildete Krankenschwestern, die sich in den Hanauer Einrichtungen speziell um Menschen in ihrer letzten Lebensphase kümmern.

Begriff "Palliativmedizin" neu definieren

Es müsse eine Neubesetzung des Begriffs Palliativmedizin geben, so Haas-Weber. „Bislang wird dabei in erster Linie an Menschen mit Tumor- oder Herz-Kreislauferkrankungen gedacht“, so die Fachärztin. Doch durch den demografischen Wandel gebe es immer mehr Menschen, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters etwa an Muskelschwäche oder Atemnot leiden.

Eine palliative Betreuung sei daher nicht nur während der letzten Tage oder Wochen vor dem Tod eines Patienten sinnvoll, sondern vielmehr Monate oder in manchen Fällen sogar Jahre davor. Zudem benötigten demenzkranke Patienten eine besondere Pflege.

Geringe Resonanz bei Fragebögen

In einem zweiten Teil der Bedarfsanalyse wurden Fragebögen an potenzielle Zuweiser in ein Maintaler Hospiz verschickt. Es wurden zehn stationäre Hospize und Palliativstationen, 68 ambulante Pflegedienste, vier Kliniken, sieben ambulante Hospizdienste und 236 Ärzte, darunter Hausärzte, Internisten, Gynäkologen, Onkologen und Geriater, im Umkreis von 50 Kilometern befragt.

„Die Resonanz war erschreckend gering“, so Gundert-Buch. „Es kamen nicht viele Fragebögen zurück.“ Das Ergebnis des Rücklaufs: Die verschiedenen Institutionen sahen auch den Bedarf nach einem stationären Hospiz in Maintal unterschiedlich. „Es ist kein einheitliches Bild entstanden“, so Gundert-Buch.

Netzwerk „Hospiz- und Palliativversorgung Maintal“

Zudem wurden statistische Daten für den tatsächlichen Bedarf eines Hospizes ausgewertet. „Dazu wurde unter anderem die Anzahl der gestorbenen Personen im Untersuchungsgebiet, der Anteil des institutionellen Betreuungsbedarfs, der Anteil des stationären Betreuungsbedarfs und die durchschnittliche Verweildauer in den Hospizen ermittelt“, so Gundert-Buch. Diese Analyse ergab, dass sowohl im Main-Kinzig-Kreis als auch im benachbarten Frankfurt der Minimalbedarf an Hospizplätzen gedeckt ist.

Wie das geplante Netzwerk „Hospiz- und Palliativversorgung Maintal“ konkret aussehen und organisiert werden soll, steht bislang noch nicht fest. Sicher ist nur, dass sämtliche Einrichtungen und Institutionen, die mit sterbenden Menschen arbeiten, involviert werden sollen. Die Stadtverordneten folgten der Ausschuss-Empfehlung zur Gründung des Netzwerks.

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