Kürzlich ließ die Stadt eine neue Beschilderung anbringen, die ein Halteverbot für Pkw mit Verbrennungsmotor auf den E-Ladeparkplätzen vorsieht. Selten halten sich Autofahrer jedoch daran - zum Ärger von Ahmet Cetiner. Foto: Axel Häsler

Maintal

Kein Platz für E-Autos in Maintal

Maintal. Zehn Millionen Elektroautos sollen bis 2030 auf deutschen Straßen fahren, wenn es nach den Vorstellungen der Bundesregierung geht. Das können sie aber nur, wenn der Akku aufgeladen ist. Dafür braucht es eine entsprechende Infrastruktur, also ausreichend Ladesäulen. Diese zu schaffen, ist eine Herausforderung.

Von Martina Faust

Eine andere ist, dass diese Ladesäulen auch tatsächlich nutzbar sein müssen – eine Selbstverständlichkeit, die ein echtes Problem sein kann, wie Ahmet Cetiner beinahe täglich erlebt.

Ahmet Cetiner ist Geschäftsführer von mobiliteet, einem Unternehmen, das Carsharing mit Elektroautos anbietet. Damit das Geschäftsmodell in Maintal funktioniert, hat der Bischofsheimer 2017 acht Ladesäulen und 2019 vier weitere in den Stadtteilen errichten lassen, die er seitdem betreibt.

Über die dazugehörigen öffentlichen Stellflächen hat er mit der Stadt Maintal einen Gestattungsvertrag geschlossen, der ihm die Nutzung der Parkplätze gestattet. Diese sind aber nicht allein den Carsharing-Fahrzeugen von mobiliteet vorbehalten, sondern können von allen E-Autofahrern in Anspruch genommen werden. Das ist allerdings nur stark eingeschränkt möglich.

Belegte Ladesäulen-Parkplätze sorgen in Maintal fast täglich für Ärger

„Immer wieder habe ich das Problem, dass ich oder Kunden die E-Autos nicht zurückgeben oder laden können, weil die Stellflächen durch Pkw mit Verbrennungsmotor blockiert sind“, erzählt Cetiner. Für den Unternehmer ein Ärgernis, das nicht nur mit der zeitaufwändigen Suche nach einem freien Ladeparkplatz verbunden ist, sondern auch einen wirtschaftlichen Schaden bedeutet.

Schließlich kann er seine Fahrzeugflotte nur vermieten, wenn die Akkus aufgeladen und die Autos fahrbereit sind, und die Ladestationen sind nur wirtschaftlich, wenn auch andere Nutzer ihre Autos dort kostenpflichtig laden.

Die routinemäßigen Kontrollen durch die städtischen Ordnungsmitarbeiter brachten in der Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg. Zwar wurden Verwarnungen wegen verbotswidrigen Parkens ausgestellt – „in diesen Fällen werden 25 Euro Verwarngeld für einen Parkverstoß mit Behinderung fällig“, informiert Maintals Pressesprecherin Nicole Bilz –, aber die Flächen waren weiterhin regelmäßig blockiert.

Kontrollen brachten nichts

Cetiner bezweifelt, dass tatsächlich Kontrollen erfolgt sind. „Laut eigener Aussage der Stadt war seit 2017 die Beschilderung nicht korrekt, sodass die Grundlage für die Erteilung einer Verwarnung fehlte“, sagt er. So wies etwa am Standort Kennedystraße ein Schild darauf hin, dass auf den Flächen mit Parkscheibenregelung „Elektrofahrzeuge während des Ladevorgangs frei“ sind. Kein Hinweis auf ein Parkverbot für Pkw mit Verbrennungsmotor.

Dafür sorgte Ahmet Cetiner dann selbst. Ende September wandte er sich mit einem Schreiben an die Stadt, in dem er mitteilte, dass er gerne eine private Firma zur Kontrolle der Parkplätze beauftragen würde und erkundigte sich, ob das von städtischer Seite aus in Ordnung wäre. Eine schriftliche Rückmeldung blieb aus.

Carsharing-Unternehmer beauftragt privaten Dienstleister

Allerdings teilt die Stadt mit, dass es im Oktober ein Gespräch gegeben habe, in dem man Cetiner erklärt habe, dass man „keine Parkkontrollen durch einen privaten Dienstleister auf öffentlichen Flächen erlaube werde“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Cetiner bereits einen Vertrag mit dem privaten Dienstleister Parkwatcher vereinbart. Schilder wiesen nun auf die Elektroparkplätze und die Kontrolle durch Parkwatcher hin.

Parkwatcher sorgte schnell für freie Ladeparkplätze. „Allein an der Kennedystraße wurden in nur elf Tagen 264 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen, die hätten geahndet werden können. Lediglich 40 davon, nämlich grobe Vergehen, ahndete Parkwatcher, weil man den Bürger nicht verärgern wollte“, teilt Cetiner mit.

Viel wichtiger aber: Die Ladesäulen-Parkplätzen waren wieder verfügbar. Allerdings nur für ein paar Tage. Dann wurden die Schilder von Parkwatcher durch die Stadt entfernt. Grund: „Die Flächen dürfen ausschließlich durch unseren Außendienst der Ordnungsbehörde kontrolliert werden. Deshalb haben wir die Beschilderung des privaten Dienstleisters wieder entfernt“, teilt Nicole Bilz mit.

Nun herrscht Halteverbot

Stattdessen wurden nun Halteverbotsschilder installiert, verbunden mit dem Hinweis, dass Elektrofahrzeuge während des Ladevorgangs von diesem Halteverbot ausgenommen sind. Der Austausch der Beschilderung sollte sukzessive an allen E-Ladeparkplätzen erfolgen.

Für den Verkehrsteilnehmer bedeuten die neu angebrachten Schilder erheblich mehr Klarheit. Bei jenen Autofahrern, die zwischenzeitlich ein Knöllchen von Parkwatcher erhalten haben, ist nun die Verunsicherung groß, ob sie das Bußgeld trotzdem zahlen müssen. Und bei Ahmet Cetiner sorgen die neuen Hinweise für Verdruss, denn: „Die Ladeparkplätze sind nun wieder regelmäßig von Autos mit Verbrennungsmotor belegt.“ So könnte das mit der Verkehrswende auf Maintals Straße noch ein wenig dauern . . .

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