Maintal

Karnevalszugverein und Stadtspitze äußern sich zur Umzug-Absage

Maintal. Auch Tage nachdem Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) am vergangenen Freitag kurzfristig den Maintaler Karnevalsumzug abgesagt hat, wird darüber heftig diskutiert. Vor allem über die Chronologie der Ereignisse scheint Unstimmigkeit zu herrschen.

Von Carolin-Christin Czichowski

Rolf Lanio, Erster Vorsitzender des Karnevalszugvereins (KVM), wirft der Stadtspitze vor, nicht in die Gespräche rund um die Zugabsage eingebunden und letztlich vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Diese Vorwürfe weist Böttcher aber entschieden zurück.

„Nach bereits am Tag zuvor bei der Polizei gestellter Nachfrage, erhalte ich [am Freitag] die Bestätigung, dass eines der Todesopfer ein Maintaler Bürger ist“, wird die Bürgermeisterin in einer Stellungnahme aus dem Rathaus zitiert. Und weiter: „Es folgt ein ausführliches Telefonat mit dem Vorsitzenden des KVM, in dem er über die aktuelle Situation informiert wird. Eine gemeinsame Lösung, beispielsweise durch Verlegen des Umzugs, wird von ihm abgelehnt.“

KVM sieht Situation anders

Nach intensiven Beratungen mit der Ordnungsbehörde und der Polizei und unter Abwägen aller Risiken und Konsequenzen sei schließlich die Entscheidung gefallen, dass die Stadtspitze die Erlaubnis zur Durchführung des Umzugs widerruft. Dass diese intensiven Gespräche stattgefunden haben und die Absage des Umzugs Konsens aller Beteiligten war, bestätigte gestern eine Polizeisprecherin auf Anfrage unserer Zeitung „Darüber habe ich den Vorsitzenden des KVM in einem Telefonat gegen 13.30 Uhr persönlich - zusammen mit dem Ersten Stadtrat -- informiert. Der KVM wurde als Erstes informiert. Danach erfolgte die Veröffentlichung an die Presse und die Stadtverordneten.“

Der KVM-Vorsitzende sieht das aber ganz anders: „Wir wurden zwar am Freitag gegen 12.30 Uhr um unsere Meinung zu dem Thema gebeten“, sagt Lanio, „den offiziellen Bescheid haben wir jedoch nur auf intensive Nachfrage erhalten.“ Dieser Bescheid sei für den KVM aber zwingend notwendig gewesen, um die Entscheidung der Stadt juristisch überprüfen zu lassen und eventuell vor dem Verwaltungsgericht dagegen vorzugehen. „Diese Möglichkeit wurde uns aber genommen, weil wir den Bescheid erst gegen 17 Uhr hatten“, so Lanio.

Diskussion in den Medien

Von der Stadt heißt es dazu: „Am Nachmittag erschien der Vorsitzende des KVM im Rathaus, weil er sich das Schreiben über den Widerruf persönlich abholen wollte. Das war mit Wartezeit verbunden, da das Schreiben auf Rechtssicherheit juristisch zu prüfen war. Äußerungen in der Öffentlichkeit und in sozialen Netzwerken, die das Gegenteil zum geschilderten Ablauf behaupten, sind falsch.“

Auch in den sozialen Medien wird das Thema seit Freitagnachmittag diskutiert. Die einen haben wenig Verständnis für die Entscheidung der Stadtspitze, die anderen wiederum umso mehr. Auch aus der Politik erhält der Magistrat Unterstützung. So wirbt Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Kaiser für Verständnis gegenüber den Entscheidungsträgern der Stadt. „Wir alle sind schockiert von den Ereignissen am vergangenen Mittwochabend in unserer unmittelbaren Nachbarstadt Hanau. Unschuldige Menschen wurden aus rechtsradikalen Beweggründen regelrecht hingerichtet.“

Fischer übt Kritik an der Kommunikation

Vor diesem Hintergrund müsse man auch bereit sein, Entscheidungen zu treffen, die scheinbar unpopulär sind und von manchen als Schwäche gewertet werden. „Ich möchte sehr deutlich machen, dass ich absolut hinter der Entscheidung von Bürgermeisterin Monika Böttcher stehe, den Maintaler Karnevalszug am heutigen Samstag abzusagen. Bei allem Verständnis für alle Aktiven, die sich lange vorbereitet haben und mit viel Vorfreude auf den Tag hingearbeitet haben: Es gibt Umstände im Leben, die Dinge von jetzt auf gleich anders erscheinen lassen. Ich hätte genauso gehandelt wie es die Stadtspitze getan hat.“ Auch die FDP-Fraktion unterstützte den Magistrat in einer Mitteilung.

CDU-Fraktionsvorsitzender Martin Fischer übt unterdessen Kritik an Böttcher und dem Ersten Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos). Nicht an der Entscheidung, den Zug abzusagen, sondern „an der Art und Weise“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. „Kommunikation, miteinander sprechen, ist in solchen Zeiten besonders wichtig“, betont er. Vom Magistrat hätte er sich mehr Gesprächsbereitschaft gegenüber dem KVM gewünscht.

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