Offene Türen für Anwohner und andere Jugendliche: Jan-Niklas Hude (von links), Pascal Droge und Samet Yalcin vom Jugendprojekt auf dem Wachenbucher Festplatz planen für Interessierte einen Aktionstag am blauen Container. Foto: Bielesch

Maintal

Junge Erwachsene nehmen Jugendtreff in Schutz

Maintal. Als Reaktion auf einen Bericht über den Jugendtreff am Container hinter dem Wachenbuchener Festplatz, meldeten sich Jan-Niklas Hude, Samet Yalcin und Pascal Droge zu Wort. Die drei jungen Männer gehören zur Gruppe, die den blauen Container nutzt, und sehen ihr Jugendprojekt zu Unrecht in der Kritik der Anwohner.

Von Monica Bielesch

Beim Treffen vor Ort am blauen Container wollen die drei jungen Männer im Beisein von Lisa Hagedorn, Leiterin des Fachdiensts Jugendarbeit, zeigen, dass sie keine lärmenden Partymacher sind. Stolz zeigen sie das Interieur des Containers. Zwei aus alten Holzpaletten selbstgebaute Sofas und ein kleiner Holztisch sorgen für Gemütlichkeit. Ebenso wie die Decken, Kissen sowie einen Pavillon hat sich die zehnköpfige Kerngruppe die Ausstattung selbst organisiert. Sogar eine Rampe für Kunststücke mit dem BMX-Rad habe sie selbstgebaut.

„Früher hatten wir sogar Teppiche“, erzählt Projektpate Jan-Niklas Hude. Der 20-Jährige, der auch als Büttenredner der Karnevalsabteilung der Freien Turnerschaft Wachenbuchen bekannt ist, ist seit dem Start des Jugendprojekts vor zwei Jahren Sprecher der Gruppe. Auch gespendete Sofas gab es früher in dem Container. Aber die ganze Inneneinrichtung fiel einem Wasserschaden zum Opfer, verursacht durch ein kaputtes Dach. „Und das Dach wurde durch irgendwelche Idioten zerstört, die darauf rumgesprungen sind“, so Hude.

„Es ist blöd, dass wir mit denen in einen Topf geschmissen werden.“ Überhaupt, so meinen Hude, Yalcin und Droge, seien es andere Jugendgruppen, die für Lärm, Dreck und Vandalismus am Container sorgen würden. „Uns wurde auch schon ein großer Sitzsack aufgeschlitzt“, berichtet Hude. „Es ist blöd, dass wir mit denen in einen Topf geschmissen werden.“ Sogar aus Frankfurt würden junge Leute mit Autos nach Wachenbuchen kommen, um zwischen Festplatz und Feldrand Party zu machen. „Wenn wir Musik hören oder feiern, dann machen wir immer die Containertüren zu“, betont Yalcin. Der 20-Jährige ist aktuell Werksstudent in einer Chemiefirma in Fechenheim. Wie seine Freunde ist er in Wachenbuchen aufgewachsen. „Die Lage von Maintal ist perfekt“, meint er, „nahe zu Frankfurt und zu Hanau.“ Sein Freund Pascal Droge, ebenfalls 20 Jahre alt, studiert Informatik in Frankfurt, findet die Nahverkehrsanbindung nach Frankfurt gut. Alle bedauern, dass einige Anwohner ihre Gruppe für Lärm und Dreck am Container verantwortlich machen. Darum planen sie demnächst einen Aktionstag, an dem sie alle Interessierten und vor allem die Wachenbucher Jugend einladen und sich und ihren Container vorstellen wollen. Denn: „Wir sind auch offen für jüngere Jugendliche“, betont Hude. Bei einem solchen Aktionstag wollen sie zeigen, was sie haben: Eine Slagline, die zwischen die Bäume gespannt werden kann, Fuß- und Basketbälle und ihre BMX-Rampe.

Aktuell sind die Jugendlichen, die den Container nutzen, zwischen 17 und 21 Jahre alt. Die meisten sind in der Ausbildung oder arbeiten schon. Aber sie wünschen sich, dass ihr Projekt auch in den nächsten Jahren weiter besteht, dann getragen durch Jüngere.

Strom stelle ein Problem darZum Vorwurf der Anwohner, sie würden hinter dem Container ihre Notdurft verrichten, meint Hude: „Wir wohnen alle in der Nähe, wir können nach Hause auf die Toilette gehen.“ Alle drei betonen: „Wir brauchen keine Toiletten am Container.“ Viel wichtiger ist ihnen ein fester Stromanschluss. Zwar kriegen sie aktuell von einem Generator Strom, aber eigentlich sollte vom direkt neben dem Container stehenden Stromverteilerkasten Strom kommen. Das stelle sich allerdings als problematischer heraus als erwartet, so Hagedorn. Aktuell versuche die Stadt in Verhandlungen mit dem Stromanbieter, das Problem zu lösen.

Ein Spaziergänger, der seinen Hund Gassi führt, stellt dem Jugendprojekt schließlich ein gutes Zeugnis aus. „Ich komme oft abends gegen 22 Uhr mit meinem Hund hier vorbei“, sagt der Mann. Die Jugendlichen würden einfach nur friedlich im und am Container sitzen, berichtet er. „Ich habe hier noch nie Unrat gesehen.“

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