Jürgen Rauch zeigt die Ehrennadel, die er für seine 100. Blutspende vom DRK erhalten hat. Für seine Spenden wurde er schon mehrfach ausgezeichnet. Foto: Bellack

Maintal

Jürgen Rauch spendete über 55 Liter Blut seit 1970

Maintal. Zwischen 4,5 und sechs Liter Blut fließen im Schnitt durch den Körper eines erwachsenen, gesunden Menschen. Jürgen Rauch aus Dörnigheim hat statistisch gesehen bereits zehnmal seine komplette Blutmenge gespendet – und er ist noch lange nicht am Ende.

Von Michael Bellack

Mit Ehrungen und Urkunden vom Deutschen Roten Kreuz kennt Rauch sich bestens aus. Im Januar dieses Jahres fügte er seiner beeindruckenden Blutspende-Vita einen weiteren Meilenstein hinzu. Zum 111. Mal spendete der 68-Jährige Blut. „Blut wird immer gebraucht. Wer kann, sollte immer spenden“, sagt er. Und das tut er auch. Zwei- bis dreimal im Jahr lässt er sich Blut entnehmen. Und das seit 1970. Da kam er durch seinen Arbeitgeber zur ersten Blutspende. „Das ist mir gut bekommen, ich hatte keine Probleme“, berichtet Rauch. Deshalb sei er immer wiedergekommen.

Einen halben Liter Blut bekommt man entnommen. Macht im Fall von Rauch stolze 55,5 Liter, die er im Laufe seines bisherigen Lebens gespendet hat. Bedenklich oder gar gefährlich ist das nicht. „Das Blut wird ja wieder nachgebildet, es schadet mir nicht“, weiß Rauch. Nach spätestens drei Wochen hat der Körper die entnommene Menge wieder aufgebaut, teilt das Deutsche Rote Kreuz mit. Unbegrenztes Spenden ist aber nicht möglich, das hätte ‧negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Mindestens 56 Tage müssen zwischen zwei Spendenterminen liegen. Frauen dürfen innerhalb von zwölf Monaten viermal zur Blutspende, Männer sechsmal.

„Einmal hatte ich einen Bluterguss im Arm“Negative Erfahrungen hat Rauch in seinen 48 Jahren als Blutspender keine gemacht. „Einmal hatte ich einen Bluterguss im Arm. Da wurde die Vene nicht richtig getroffen. Aber das kann passieren“, berichtet er. Bedenken habe er nach wie vor keine, wenn er sich einmal mehr zur Blutspende begibt. Mehrmals im Jahr lädt das DRK Maintal ins evangelische Gemeindezentrum Dörnigheim zur Spende ein. Wenn es zeitlich passt, ist Rauch immer dabei. Selten musste er einen Termin sausen lassen. Wenn doch, hat Rauch seine Spende nachgeholt. „Ich bin nach Kefenrod und Hailer gefahren, um dort mein Blut zu spenden“, sagt er.

Ein einziges Mal sei er bisher abgelehnt worden. Da wollte Rauch, der, mit einer kurzen Unterbrechung, sein ganzes Leben lang in Dörnigheim wohnt, vor einer Nachtschicht spenden. „Da wäre die körperliche Belastung zu groß gewesen“, so Rauch. Die anwesenden Ärzte wollten kein Risiko eingehen. Bis auf diese seltenen Ausnahmen ist das Blutspenden für ihn reine Routine. Der Ablauf ist immer der gleiche: Im Vorfeld wird man untersucht, dann muss man einen längeren Fragebogen zur aktuellen und generellen Gesundheit sowie zu möglichen Auslandsaufenthalten ausfüllen. Anschließend wird das Blut entnommen.

„Während der Arbeitszeit war mir das zu viel Stress“Die Spende selbst dauert dann nur zehn Minuten. Das Rote Kreuz empfiehlt, für den ganzen Vorgang mit Ruhephase nach der Entnahme rund 45 Minuten einzuplanen. Rauch nimmt sich aber gerne mehr Zeit. „Zwei Stunden mindestens“, so Rauch, der klarstellt: „Unter Zeitdruck mache ich das nicht.“ Über 40 Jahre war er bei Heraeus tätig, wo in regelmäßigen Abständen ebenfalls eine firmeninterne Blutspende stattfindet. Teilgenommen hat Rauch dort nie, er ging stets zum Roten Kreuz. „Während der Arbeitszeit war mir das zu viel Stress“, sagt er.

Auf gar keinen Fall fehlen darf für ihn das Schmalzbrot am Ende der Spende. Die kleine Stärkung bringt den Körper wieder auf Trab. Auch wenn Rauch begeisterter Blutspender ist – seine zwei Söhne und seine Frau konnte er bisher nicht dafür begeistern. „Das muss jeder selbst wissen, da gibt es keinen Zwang“, so Rauch. Alleine ist er bei den Spendenterminen aber nicht, viele DRK-Mitarbeiter kennt er gut, zudem kommt er oft mit den anderen Spendern ins Gespräch.

Selbst war Rauch, früher aktiver Fußballer bei Germania Dörnigheim, bisher noch nicht auf Blutspenden angewiesen. Aber auch er weiß, wie schnell sich das ändern kann. „Ein großer Teil der Bundesbürger ist mindestens einmal im Leben auf das Blut anderer angewiesen“, schreibt das DRK auf seiner Homepage und verweist auf die Wichtigkeit der unentgeltlichen Spende. Jürgen Rauch, der auch einen Organspendeausweis bei sich führt, will deshalb so lange spenden, wie es seine Gesundheit zulässt: „Vielleicht mache ich ja die 150 Blutspenden voll.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema