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Jeden Tag kommen neue Hitzeopfer: Wildtierfreunde stoßen an ihre Grenzen

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Von: Kristina Bräutigam

Geschwächt: Auch dieses Eichhörnchen wurde völlig dehydriert zu den Wildtierfreunden gebracht.
Geschwächt: Auch dieses Eichhörnchen wurde völlig dehydriert zu den Wildtierfreunden gebracht. © PM

Das Handy von Sonja Niebergall klingelt im Minutentakt. An Stress ist die Vorsitzende der Wildtierfreunde Maintal gewöhnt. Doch in diesen Tagen herrscht Ausnahmezustand. Schuld ist die Hitze, die vielen Wildtieren schwer zu schaffen macht – und die Pflegestation an die Kapazitätsgrenze bringt. „Wir bekommen so viele Tiere gebracht, die kurz vorm Verdursten sind. Es ist wirklich schlimm“, sagt Niebergall.

Maintal – Besonders die Igel leiden unter der Gluthitze. Zehn Tiere hat die Wildtierstation im Linnen 1a in Dörnigheim allein in den vergangenen zwei Tagen aufgenommen. Und es werden noch mehr werden, befürchtet Niebergall. Bei den hohen Temperaturen fehlt es den Igeln nicht nur an Wasser. Auch die Nahrung wird knapp, da sich viele Insekten bei Trockenheit in feuchtere Ebenen des Bodens zurückziehen und für die Stacheltiere schwerer erreichbar sind.

Unter den Hitzeopfern, die der Verein zurzeit aufnimmt, sind auch viele Vögel. „Die meisten Tiere sind völlig dehydriert“, sagt Sonja Niebergall.

Als erste Gegenmaßnahme flößen die Helfer den kleinen Hitzeopfern zunächst Wasser oder Traubenzuckerlösung ein; droht der Kreislauf zusammenzubrechen, gibt es eine Elektrolytlösung. Von der Hitze betroffen sind vor allem Gebäude-Brüter wie Meisen, Spatzen oder Mauersegler. Knallt die Sonne den ganzen Tag auf das Hausdach, unter dem die Vögel brüten, wird es im Nest über 60 Grad heiß. Zu viel für die Jungvögel, die aus dem Nest flüchten, dann aber nicht mehr von den Eltern gefüttert werden. „Aufgrund ihrer vorzeitigen Nestflucht sind sie aber auch noch nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen. Ohne Hilfe verhungern und verdursten sie“, weiß Niebergall.

Bislang habe die Mauerseglerstation in Frankfurt zumindest einen Großteil aufgenommen. Seitdem die Einrichtung wegen Überfüllung keine Patienten mehr aufnimmt, müssen die Wildtierfreunde auch diese Tiere aufnehmen. Kaum zu schaffen für die ehrenamtlichen Helfer, die sich um verletzte und in Not geratene Wildtiere aus dem gesamten Main-Kinzig-Kreis kümmern.

Patienten, die besonders viel Pflege brauchen, nimmt Sonja Niebergall deshalb mit zu ihrer Arbeitsstelle im Frankfurter Palmengarten: ein junges Eichhörnchen, das die Augen noch nicht geöffnet hatte, junge Spatzen, Stieglitze, Rotschwänzchen. Auch zwei schwer verletzte Turmfalken werden notgedrungen zur Chefsache. „Eine Art Draht hatte sich um ihre Beine gewickelt und komplett abgeschnürt“, erzählt Sonja Niebergall, die die beiden mit zu sich nach Hause nimmt und aufpäppelt.

Unfallopfer wie die Turmfalken müssen die Wildtier-Experten vor Ort in Augenschein nehmen. Bei Hitzeopfern können die Finder selbst Erste Hilfe leisten. „Wenn ein Vogel apathisch wirkt, sollte man ihn erst mal in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen und ihm etwas zu trinken anbieten“, sagt Niebergall. Gleiches gelte für geschwächte Igel. Sie bittet alle Finder, die Pflegestation zunächst telefonisch zu kontaktieren und Rat einzuholen. „Durch die Hitze sind es einfach zu viele Tiere. Wir müssen schauen, wer wirklich unsere Hilfe braucht. Mehr als arbeiten können wir nicht“, so Niebergall.

Verein bittet um Spenden

Die Wildtierpflegestation in Maintal ist erreichbar unter Telefon 0178 6010718. Der Verein freut sich über Spenden. Spendenkonten:Frankfurter Sparkasse BIC: HELADEF1822; IBAN: DE 81 5005 0201 0200 1543 03; Auch über Paypal kann gespendet werden: info@wildtierfreunde.de

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