Maintal

In 66 Jahren hat Imker Fischer solche Trockenheit nicht erlebt

Maintal. Hans Fischer hat etwas, um das ihn große Teile der Bevölkerung beneiden dürften. Nein, die Rede ist nicht in erster Linie von den fast märchenhaft schönen Obst- und Blumengärten außerhalb seiner Heimat Hochstadt, in denen er jetzt schon sei 66 Jahren Bienen hält.

Von Christian BalkeBeneidenswert ist Hans Fischers wunderbare, freundliche und doch abgeklärte Gelassenheit. Wer mit Fischer spricht, erlebt einen lebenserfahrenen, klugen Mann, der es mit Ende 70 Jahren nicht mehr nötig hat, sich oder anderen etwas zu beweisen.

Gerade deshalb wiegen die ernsten Worte des Vorstandsmitglieds im Imkerverein Büchertal schwer; weil Fischers Gesprächspartner beim Ortstermin mit Bienen jederzeit den Eindruck hat, dass sein Gegenüber ganz genau weiss, wovon er spricht: „Wir erleben derzeit eine Trockenheit, wie ich sie in 66 Jahren noch nicht erlebt habe“, sagt Fischer, der es fast schon ironisch findet, dass es gerade beim Ortstermin mit Bienenvölkern außerhalb von Hochstadt anfängt zu regnen: „Es könnte den ganzen Herbst und Winter lang an einem Stück durchregnen“, sagt der Mann, der sein Berufsleben bei der deutschen Post verbracht hat, „und es würde nichts helfen, garnichts.“

Die Hitzeperioden der vergangenen zwei Jahre – 2019 mitgerechnet – hätten zu einer nachhaltigen Austrocknung des Bodens geführt, von der natürlich auch die Bienen betroffen seien. Das möge von Region zu Region unterschiedlich stark ausgeprägt sein, sagt Fischer, Maintal treffe es jedenfalls sehr hart: „Die Blüten in diesem Sommer waren voller Pollen, aber Nektar gab es kaum, bedingt durch außergewöhnlichen Flüssigkeitsmangel.“

Zu wenig Fressen

So hätten die Bienen zwar ihre Bestäubungsarbeit leisten können, selbst aber viel zu wenig zu fressen gehabt und folglich auch nur extrem wenig Honig produzieren können: „So kann man zwar als Außenstehender das Gefühl haben, wie schön und toll alles ist, weil die Pflanzen ja blühen. Die enormen Probleme durch die Trockenheit sieht man nicht.“

Vor Jahren noch sei eine tödliche Milbe das größte Problem der Imker gewesen. Gegen die gebe es längst ein Mittel: „Gegen die Trockenheit gibt es leider keines“, sagt Fischer. Da helfe nur das Prinzip Hoffnung: „Tatsache ist, dass sich die heimische Pflanzenwelt in relativ kurzer Zeit einschlägig verändern wird, wenn die Hitzeperioden bleiben.“

Die Ansiedlung mediterraner Gewächse, von der derzeit so viel gesprochen würde, sei da sicher kein Allheilmittel: „Ob sich jede Pflanze aus dem Mittelmeerraum einfach so hier ansiedeln lässt, ist eine große Frage mit einem großen Fragezeichen.“

Fischer geht zu seinen Bienen und entfernt mit dem geringsten Raucheinsatz geradezu kunstfertig und routiniert eine Wabe mit Bienen und Winternahrung aus dem Korb: „Eigentlich hätten die Bienen für diese Winternahrung selbst sorgen müssen. Konnten sie aber nicht“, sagt Fischer, „ich musste schon frühzeitig mit Zuckerwasser zufüttern.“ Dies sei aber weder besonders gut für die Bienen noch für den Imker, schließlich sollten die Tiere ihre Nahrung ja selbst sammeln. Auf lange Sicht, sagt Fischer, gefährde die Trockenheit also auch die Existenz der Bienen: „Die brauchen Nektar. Nicht nur Pollen.“

Kaum noch Wasser für die Bäume

Fischer zeigt auf Blaudisteln, die im Garten stehen, zeigt auf seine Apfelbäume und auf seine Linden am Garteneingang: „Die Linden verlieren seit Wochen ihre Blätter, eigentlich sind die sehr robust.“ Die Wurzeln der genügsamen Bäumen würden offensichtlich kaum noch Wasser transportieren, sagt Fischer.

Die Äpfel im Herbst 2019 seien schön süß, aber: „Das kommt von der vielen Sonne und der wenigen Flüssigkeit. Ohne Wasser im Boden werden die Apfelblüten künftig aber auch vertrocknen, genau wie meine Blaudisteln.“ Die seien extrem robust, sagt der mann, der die Gärten gemeinsam mit seiner gartenbegeisterten Familie pflegt. Wenn sogar die Blaudisteln vertrockneten, ein Gewächs, das für trockene Böden gemacht sei, „dann haben wir wirklich ein Problem. Und die Probleme sind ja da.“

Für ihn heißt das ganz konkret, dass der ansonsten sehr ergiebige Grundwasserbrunnen im Frühjahr 2019 ausgetrocknet ist: „Auch den habe ich seit 66 Jahren“, sagt Fischer, „und aus einer Tiefe von dreieinhalb Metern hat er immer zuverlässig Wasser.“

Auf die Frage, ob der Brunnen denn nach Regen wieder Wasser liefern werde, muss Fischer milde lächeln. Dann schüttelt er den Kopf: „Leider nein.“ Ob sich die Katastrophe – und das Versiegen des Brunnens sei eine solche – angekündigt hätte? „Nein“, sagt Fischer mit seiner abgeklärten Art, wie sie nur Männer mit großer Lebenserfahrung entwickeln können, „weder der Mangel an Nektar noch das Versiegen des Brunnens haben sich angekündigt. Es ist einfach passiert.“

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