Werke von Ingrid Butz-Borgwardt sind ab heute Abend im Historischen Rathaus in Hochstadt zu sehen. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr. Foto: Rainer Habermann

Maintal

Ingrid Butz-Borgwardt stellt ihre Kunst in Hochstadt aus

Maintal. Wenn heute Abend um 19 Uhr ihre Vernissage im Historischen Rathaus stattfindet, ist das ein froher Anlass für Ingrid Butz-Borgwardt. Rund 30 ihrer Gemälde zieren die Räume, die malende Pädagogin, Soziologin und Germanistin freut sich riesig auf die Resonanz zu ihren Bildern im Publikum.

Von Rainer HabermannBesucher der Ausstellung dürfen sich ebenso freuen wie die Künstlerin selbst, sie wird heute Abend auch etwas zu ihrer Geschichte erzählen und in ihr Werk einführen. Wir konnten es nicht abwarten und haben sie vor einigen Tagen in ihrem Atelier in Bischofsheim besucht.

„Am Anfang habe ich ziemlich gegenständlich gemalt“, erzählt B.-Borgwardt. „Dann brauchte ich eine lange Phase, bevor ich mich vom Gegenständlichen lösen konnte. Um dann auch aus dem Bauch heraus zu malen.“ Der Anfang den bildeten erste Studien der gebürtigen Schlesierin, die nach dem Krieg im Bergischen Land und in Düsseldorf aufwuchs und 1967 nach Bischofsheim zog, wo auch ihr Sohn Torsten geboren wurde.

Vielseitig gebildet

An jenem künstlerischen Beginn ist ein anderer Maler nicht ganz unschuldig: Karl-Heinz Steib, Meisterschüler von Karl Schmidt-Rottluff, dem bekannten Expressionisten. „Durch ihn als meinen Professor nahm das Schicksal seinen Lauf, ich fing an zu malen“, lächelt die Künstlerin. „Und jetzt ist das so etwas wie der way of no return.“

Um 1976 startete sie mit diesen Studien, die noch in gegenständlichen, fast fotorealistischen Arbeiten bestanden wie beispielsweise einem filigranen, blauen Treppengeländer vor den mächtigen Stahlpfeilern des Frankfurter Hauptbahnhofs. „Dann begann mein eigentliches Studium der Germanistik, Soziologie und Kunst an der Frankfurter Goethe-Uni“, erinnert sich B.-Borgwardt.

Studienbeginn mit 32 Jahren

„Ich war mächtig stolz, weil ich spät noch das Abitur nachgemacht hatte und erst mit 32 Jahren anfing, zu studieren. Jeden Tag habe ich mich auf die Seminare und Vorlesungen gefreut. Für mich war das eine Offenbarung. Eigentlich wollte ich zunächst Psychologie studieren und hatte mich auch schon beworben, weil das ja Numerus clausus-Fach war. Dann aber gab eben jener Professor Steib den Ausschlag, dass ich mich doch für Kunst entschieden habe. Er war quasi mein Abbieger“, grinst sie.

Nicht zu vergessen ist aber ein weiterer „Abbieger“: In den 1980er Jahren absolvierte sie auch ein Gaststudium bei Prof. Dieter Linke an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Zu jener Zeit war Ingrid B.-Borgwardt bereits seit Langem verheiratet, ihr Sohn Torsten wurde 1967 geboren. Ihr Mann starb nach schwerer Krankheit im Jahr 2005, nach über 40 Jahren Ehe; ein schwerer Schlag für die Künstlerin. „Malen ging danach gar nicht mehr, es war irgendwie alles weg“, blickt sie traurig zurück. Zurück zur Soziologie in jenen Tagen bis Ende der 1970er: die war untrennbar mit den Namen von Professoren wie Jürgen Habermas, Max Horkheimer, Iring Fetscher, Reinhard Kühnl oder auch Hans See verbunden.

„Soziale Ungerechtigkeit beim Zugang zur Bildung“.

Und diese Namen berührten teils ganz persönlich nicht nur das Politik-, auch das Kunstverständnis B.-Borgwardts in ihrer sozialen Ausrichtung. Es fand sich schließlich als Thema ihrer Staatsexamensarbeit wieder: „Soziale Ungerechtigkeit beim Zugang zur Bildung“. Mit Dr. Hans See, den man auch vom Verein für Jugend- und Familienhilfe „Welle“ in Maintal kennt, und zu seiner Frau verbindet B.-Borgwardt bis heute eine herzliche Freundschaft.

Jener Abschnitt ihres Lebens prägte B.-Borgwardt aber auch in ihrer schulischen Arbeit als Pädagogin. Ihre Augen beginnen zu leuchten, als sie von ihrer Zeit von 1989 bis 1997 als Lehrerin an der Werner-von-Siemens-Schule in Dörnigheim erzählt. „Mir lag ganz viel daran, Kinder zu fördern. Und mich hat das Thema 'Soziale Ungleichheit' wahnsinnig beschäftigt. Ich wollte die Kinder motivieren, dass sie keine Angst vor Schule haben, zum Beispiel. Und so war's dann auch. Die Kinder haben sich gefreut auf den Unterricht, sind gern zur Schule gekommen, die Eltern konnten es manchmal gar nicht fassen. Es passierte nicht nur einmal, dass die Kinder nach dem Unterricht noch bleiben wollten und dann ins Sekretariat gerannt sind, um die Eltern anzurufen: ,Darf ich noch?'. Die Sekretärin kam hoch und meinte: ,Was machen Sie eigentlich mit den Kindern?'.“ B.-Borgwardt lacht herzlich. „Und was für mich auch eine ganz große Geschichte ist dass die Kinder so zusammengehalten haben.

„Da bin ich heute noch ein ganz klein bisserl stolz drauf“

Dass da nicht irgend so ein Konkurrenzkampf aufkam.“ Nicht zu vergessen: Bei einem Malwettbewerb im Jahr 1993 belegten die Schüler B.-Borgwardts aus der Siemensschule den zweiten Platz unter 20 000 aus rund 500 hessischen Schulen. „Da bin ich heute noch ein ganz klein bisserl stolz drauf“, zwinkert die ehemalige Lehrerin.

„Freie Malerin“ mit Ausstellungen im In- und Ausland seit 1998: das will etwas heißen. Und auch eine sichere Existenz im Schuldienst aufgeben für die Malerei. So präsentiert sich die Künstlerin heute Abend im Historischen Rathaus. Von der Qualität ihrer Arbeiten kann sich jeder selbst überzeugen. Zu beschreiben, was zu sehen sein wird, ist müßig. Schubladen in Form von Sujets, Kategorien, Stilen oder Formen gibt es nicht. „Ich male aus dem Bauch heraus. Und es kommt immer darauf an, was der Betrachter in einem Bild sieht“, sagt Ingrid Butz-Borgwardt.

AusstellungszeitenIhre Bilder sind bis 30. März jeden Dienstag, Samstag und Sonntag, jeweils von 15 bis 18 Uhr, im Historischen Rathaus in Hochstadt zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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