Zum Gedenken an den Todesmarsch von 1945 organisierte Ulrike Streck-Plath eine ergreifende musikalische Lesung. Foto: George

Maintal

Ilse Weber: Musikalische Lesung zum Todesmarsch

Maintal. Es sind eindringliche Gedichte der jüdischen Kinderbuchautorin Ilse Weber, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung über ihr Leben im KZ Theresienstadt und die Trennung von ihrem kleinen Sohn und Ehemann schreibt. Es sind Sätze, die nicht nur dem Publikum, sondern auch der Vortragenden, Ulrike Streck-Plath, nahe gehen.

Von Esther George

Zum Gedenken an den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Katzbach in den Frankfurter Adlerwerken vom 24. bis 29. März 1945 von Frankfurt nach Hünfeld hat die freischaffende Texterin Ulrike Streck-Plath seit 2012 ein Projekt mit vielen Unterstützern ins Leben gerufen, welches auch 73 Jahre später das Grauen der Konzentrationslager auf die Straße und in das Bewusstsein der Menschen bringt.

Jedes Jahr findet dazu eine Performance in einer der Städte entlang von Frankfurt nach Hünfeld statt, um diesen Todesmärschen einen Ort des Gedenkens zu geben. Im Rahmen dieser Gedenkwoche organisierte Streck-Plath, die 2005 den Kinderchor der Kirchengemeinde Dörnigheim gründete, die musikalische Lesung mit dem Titel „Wann wohl das Leid ein Ende hat“ im evangelischen Gemeindezentrum.

Persönliche Texte von Ilse WeberZugrunde lagen der Lesung die Gedichte, Briefe und Lieder der 1903 in Mährisch-Ostrau geborenen Ilse Weber, in denen sie über ihre Arbeit als Krankenschwester im KZ, über die Not der Kinder, der „schuldlosen Opfer einer blinden Gewalt“, und deren Träume vom Schlaraffenland schreibt, über die Verwüstung des ganzen Dorfes Lidice, welche nur die Schafe überleben durften, und über die Menschen, die nach und nach verschwanden.

Einen großen Raum nahmen bei der Lesung ihre liebevollen und bisweilen verzweifelt nach Antwort bittenden Briefe an ihren Sohn Hanus ein, der als kleiner Junge zu Freunden nach Schweden in Sicherheit gebracht wurde. „Im Gegensatz zur Mutter, die 1944 in Auschwitz starb, überlebte sein Vater das KZ, konnte sich aber mit seinem Sohn Hanus kaum verständigen, weil dieser nur noch schwedisch sprach und kein tschechisch oder deutsch“, erläuterte Ulrike Streck-Plath. „Damit war es für beide schwierig, diese Zeit aufzuarbeiten“.

„Die Texte von Ilse Weber wurden versteckt gehalten und mündlich überliefert“Zwischen den Texten sang Monika Rauch, begleitet von Helene Streck am Flügel, die berührenden Lieder, in denen Erinnerungen an einstige schöne Zeiten in der Familie und die grausame Realität thematisiert werden. „Die Texte von Ilse Weber wurden versteckt gehalten und mündlich überliefert“, erzählte Streck-Plath. Ilse Webers Mann Willi konnte durch seine Arbeit als Gärtner in Theresienstadt die Gedichte in einem Geräteschuppen verstecken und später wieder ausgraben. Zusammen mit weiteren Texten und Briefen sind sie 1991 unter dem Titel „Ilse Weber.

Wann wohl das Leid ein Ende hat. Briefe und Gedichte aus Theresienstadt“ als Buch erschienen. Passend dazu hat Streck-Plath, die seit zehn Jahren auch als freischaffende Künstlerin arbeitet, bestimmte Szenen als schwarz-weiß Skizzen mit wenigen, aber genau gesetzten Strichen auf gefilztes Papier festgehalten und stellte sie bei der Lesung aus.

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