Literatur ist seine Leidenschaft, und wenn Prof. Dr. Heiner Boehncke das Programm des Rheingau Literatur Festivals vorstellt, springt der Funke schnell über. Foto: Archiv

Maintal

Hochstädter Professor ist Leiter des Rheingau Literatur Festivals

Maintal. Bücher können berühren, bewegen, begeistern. Und er kann das auch: der Literaturprofessor Heiner Boehncke aus Hochstadt. Da überrascht es nicht, dass er seit 14 Jahren künstlerischer Leiter des Rheingau Literatur Festivals „WeinLese“ ist.

Von Martina Faust

Auch in diesem Jahr lädt er dazu ein, „zwischen Literatur, Wein und Landschaft die richtige, anregende und tiefgreifende Mischung zu finden“.

Es sind wieder große Namen, die Heiner Boehncke unter dem Dach des Rheingau Literatur Festivals versammeln konnte. Der Journalist und Schriftsteller Ulrich Wickert ist mit dabei, die Mainzer Stadtschreiberin Anna Katharina Hahn oder auch Robert Seethaler.

Wenn Heiner Boehncke das Programm des Festivals vorstellt, das am morgigen Donnerstag, 13. September, beginnt, dann kommt er ins Schwärmen – über die Autoren, die Titel, die Landschaft. „Ein großartiges Buch“, lobt er immer wieder und vergibt das Prädikat gerne an jedes Werk. Doch es gibt auch einen ganz besonderen Höhepunkt in diesem Jahr, einen „Sechser im Lotto“, wie ‧Boehncke sich freut: Robert Seethaler.

Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller und Drehbuchautor ist vor allem bekannt durch seine Romanerfolge „Ein ganzes Leben“ und „Der Trafikant“. Der diesjährige Gewinner des Rheingau Literatur Preises stellt seinen im Juni veröffentlichten Roman „Das Feld“ vor, der sich zurzeit auch auf den Bestsellerlisten findet. Und das gleich zweimal. Weil die Lesung von Alfred Grosser kurzfristig abgesagt werden musste, wird Seethaler nicht nur anlässlich der Preisverleihung am Sonntag, 23. September, lesen, sondern bereits am Samstag, 22. September. „Leider sind beide Veranstaltungen bereits ausverkauft“, so Boehncke, der sich über das riesige Interesse am diesjährigen Preisträger freut.

Der Festivalleiter hat aber auch einen Geheimtipp parat: die Lesung von Petra Morsbach und ihrem „Justizpalast“, einem Roman über die „Sehnsucht nach Gerechtigkeit“, wie es in der Ankündigung heißt. „Ein Buch, das hervorragend zu unserer aktuellen Situation passt, in der Meinungen im Bauch entstehen“, so Boehncke, der selbst natürlich wieder mit seinen Literarischen Wanderungen im Programm der „WeinLese“ vertreten ist. Diese sind allerdings ebenfalls bereits ausverkauft. Dafür ist Heiner ‧Boehncke am Dienstag, 25. September, um 19.30 Uhr im Schlossgartensaal der Hanauer Karl-Rehbein-Schule mit dem Vortrag „Der verlorene Ferdinand – Ein Bruder Grimm, den (fast) niemand kennt“ zu erleben, über dessen Leben er derzeit gemeinsam mit Hans Sarkowicz für ein neues Buchprojekt recherchiert, das zur Buchmesse in zwei Jahren erscheinen soll.

Bereits im kommenden Jahr möchte er eine Literaturgeschichte über Hanau veröffentlichen. Vielleicht gibt es dazu ja auch ein Pendant über Maintal? „Leider nein“, lacht Boehncke, „in Hochstadt sind zwar einige berühmte Schriftsteller zu Gast gewesen, aber mit der lebendigen, historisch gewachsenen Literaturszene in Hanau mit Druckereien und Verlagen könne Maintal nicht mithalten.“

Nichtsdestotrotz gibt es eine Literaturveranstaltung in Maintal, die man nicht versäumen dürfe: „Ganz klar! Die Reihe 'Autoren im Gespräch' an der Albert-Einstein-Schule“, sagt Boehncke, auch wenn er dieses Jahr ausnahmsweise nicht mit dabei ist. Dafür dann im nächsten Jahr mit seiner Hanauer Literaturgeschichte. Und wer bis dahin schmökern möchte, dem empfiehlt Boehncke als persönlichen Literaturtipp „Mein Schmetterlingsjahr: Ein Reisebericht“ von Peter Henning. Und natürlich einen Besuch des Rheingau Literatur Festivals.

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