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Hobbyimker in Sorge um Bienen: Mildes Wetter könnte Völkern schaden

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Imker Hans Fischer an seinen Bienenstöcken die auf einer Wiese An der Hartig in Hochstadt stehen. Normalerweise halten seine Völker im Januar Winterruhe. Durch die milden Temperaturen der vergangenen Woche sind seine Bienen bereits geflogen.
Imker Hans Fischer an seinen Bienenstöcken die auf einer Wiese An der Hartig in Hochstadt stehen. Normalerweise halten seine Völker im Januar Winterruhe. Durch die milden Temperaturen der vergangenen Woche sind seine Bienen bereits geflogen. © Kristina Bräutigam

Seit 69 Jahren ist Hans Fischer Imker aus Leidenschaft. Der Hochstädter kennt seine Bienen aus dem Effeff. Als der 81-Jährige am Donnerstag vor einer Woche sein Gartengrundstück An der Hartig betritt, haut es ihn jedoch fast aus den Socken: Hunderte Bienen schwirren um die hölzernen Bienenstöcke. Ein Anblick, auf den der Imker normalerweise bis Anfang oder Mitte März warten muss.

Maintal – „Klar gibt es im Winter immer mal einen warmen Tag, an dem die Bienen fliegen. Aber in dem Maße habe ich das zu dieser Jahreszeit noch nicht erlebt“, sagt Hans Fischer. Bis zu 15 Grad habe das kleine Thermometer an seinem Holzverschlag angezeigt, erzählt er.

Freuen kann sich der Imker über das milde Wetter nicht. Denn für Honigbienen hat der schwache Winter dramatische Folgen. „Normalerweise halten die Bienen zu dieser Zeit Winterruhe“, sagt Fischer. Sie bleiben im Bienenstock und bilden eine Kugel, die sogenannte Wintertraube, um sich gegenseitig zu wärmen. Dabei sitzen sie kugelförmig eng aneinandergerückt, bewegen sich kaum und erzeugen durch Nahrungsaufnahme und Bewegung Wärme. Trotzdem tauschen sie ständig ihren Platz von außen nach innen und umgekehrt. So kann sich jede Biene regelmäßig aufwärmen.

Bienen werden durch milde Temperaturen aktiv

Durch die außergewöhnlich milden Außentemperaturen werden die Bienen allerdings aktiv. „Sie denken, es sei Frühling und fliegen los, um Pollen- und Nektar zu suchen. Aber die Natur ist natürlich noch nicht so weit“, erklärt Hans Fischer. Die Bienen verbrauchen ihre Kraft und auch den Honigvorrat, der in den Waben eingelagert ist. Wird dieser knapp, besteht die Gefahr, dass die Bienen verhungern. Hinzu kommt, dass die Honigbienen durch die milden Temperaturen keine Brutpause einlegen, sondern das ganze Jahr über brüten. „Ein Volk mit Brut verbraucht viel mehr Futter. Das schwächt sie zusätzlich“, weiß Hans Fischer, der das Imkern als Kind von seinem Onkel gelernt hat.

Auch der Kampf der Imker gegen Bienenkrankheiten und die gefürchtete Varroamilbe wird durch die Temperaturschwankungen erschwert. Die Milbe nistet sich in den Brutzellen ein und kann sich durch die längeren Brutzeiträume besser vermehren. „Wenn wir jetzt noch mal richtigen Frost mit zweistelligen Minusgraden bekommen, werden die Völker geschädigt oder sogar vernichtet“, so der Hochstädter, der heute noch fünf Völker besitzt. Früher waren es zwölf. „Aber die Imkerei ist viel Arbeit. Und man wird nicht jünger.“

Honigernte fiel im vergangenen Jahr mau aus

Auch die Erträge der Imker leiden unter den Wetterkapriolen. Ob die Honigernte in diesem Jahr dennoch besser ausfällt als im Katastrophenjahr 2021, bleibt abzuwarten. Sonne allein genügt nicht, sagt Hans Fischer. Im März und April 2021 habe fast täglich die Sonne geschienen. Aber der ununterbrochen starke Nordostwind habe dazu geführt, dass die Völker nicht einmal in die blühenden Rapsfelder direkt neben dem Garten fliegen konnten. „Die Blüten haben gerade mal gereicht, dass sich die Bienen ernähren konnten. Aber sie konnten keine starken Völker heranziehen. Und für uns Imker blieb fast nichts übrig“, so Fischer.

Die Ernteausfälle seien dennoch zu verschmerzen. Und auch die Bienen seien durch zusätzliche Fütterungen einigermaßen gut über die Runden gekommen. Anders sehe es bei den Tieren in der Natur aus. „Die Wildbienen gehen ein. Das ist eine Katastrophe. Das Klima spielt verrückt. Daran gibt es nichts zu deuteln“

Imkerei-Chef bleibt noch gelassen

Matthias Ullmann, Inhaber der Imkerei Ullmann in Erlensee und Vorsitzender des Imkervereins Hanau-Stadt, sieht die Lage zumindest etwas entspannter. „Noch ist es zu früh, um eine Aussage zu treffen. Wir müssen abwarten, wie die nächsten Wochen verlaufen. Alles andere wäre Spekulation.“ Besonders warme Tage kurz vor und nach Silvester seien nicht ungewöhnlich. Und auch dass die Bienen zum Reinigungsflug aufbrechen, um ihre Kotblase zu entleeren, bevor sie in die Wintertraube zurückkehren, sei ganz normal. „Die Natur regelt das schon. Die Biene hat nicht umsonst 80 Millionen Jahre überlebt“, sagt Ullmann.

Voraussetzung sei natürlich, dass die Bienen genügend Futter haben. Deshalb sollten alle Imker Ende Januar, Anfang Februar eine Futterkontrolle durchführen. Bei der Imkerei Ullman, die rund 1000 Bienenvölker bewirtschaftet, übernehmen das GPS-gesteuerte Funk-Waagen. Die Hightech-Geräte messen das Gewicht der Bienenstöcke, auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden automatisch an den Imker weitergeleitet. Entscheidend sei auch hier, die Datenlage über einen längeren Zeitraum zu beobachten, sagt Matthias Ullmann. „Hat man beispielsweise über vier Wochen einen Gewichtsverlust von 1200 Gramm, ist klar, dass das Futter abgenommen hat. Dann sollte man eine Futterwabe einhängen.“

Imker im Kreis unterstützen sich gegenseitig

Die Imker im Main-Kinzig-Kreis, egal ob Amateur oder Profi, seien glücklicherweise gut vernetzt, sagt Matthias Ullmann. Sollte sich die Lage also in der kommenden Zeit als dramatisch herausstellen, werde man sich per Mail oder Telefon abstimmen und Maßnahmen einleiten. „Vor allem Neu-Imker, die vielleicht zu wenig eingefüttert haben, werden natürlich nicht alleingelassen“, so der Imkerei-Chef.

Von Kristina Bräutigam

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