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Ho-Ho-Hotzenplotz im Pfarrgarten

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Einfach ein schaurig-schönes Vergnügen, der Räuber Hotzenplotz im alten Pfarrgarten in Mittelbuchen: Er bietet die perfekte Kulisse für zwei Bühnenschauplätze, für die Räuberhöhle „im Wald“ und Dorf beziehungsweise Schloss vor Fachwerk im Hintergrund. Foto: Kalle
Einfach ein schaurig-schönes Vergnügen, der Räuber Hotzenplotz im alten Pfarrgarten in Mittelbuchen: Er bietet die perfekte Kulisse für zwei Bühnenschauplätze, für die Räuberhöhle „im Wald“ und Dorf beziehungsweise Schloss vor Fachwerk im Hintergrund. Foto: Kalle

Maintal/Hanau. Einfach ein schaurig-schönes Vergnügen, der Räuber Hotzenplotz im alten Pfarrgarten in Mittelbuchen: Er bietet die perfekte Kulisse für zwei Bühnenschauplätze, für die Räuberhöhle „im Wald“ und Dorf beziehungsweise Schloss vor Fachwerk im Hintergrund.

Von Ulrike Pongratz

Tom Möller führte Regie und inszenierte das Theaterstück für Familien wunderbar kindgerecht. Aber auch die Erwachsenen hatten ihren Spaß und durften in Kindheitserinnerungen schwelgen, sofern sie das gleichnamige Buch von Otfried Preußler gelesen hatten.

Sieben Messer im Gürtel, die Pistole in der Hand, ein struppiger langer Bart, Schlapphut und Zahnlücke kennzeichnen den bösen Räuber Hotzenplotz, wunderbar raubeinig und ungehobelt dargestellt von Christoph Goy.

Marleen Nolte und Hannah Striebel als die beiden Lausbuben Kasperl und Seppel begeisterten das Publikum. Kasperl, nie um eine Idee verlegen, und Seppel, der Dumme, stürzen sich aufgeweckt und umtriebig in ihr Abenteuer. Sie brachten die Erwachsenen zum Verzweifeln und damit die Zuschauer zum Lachen.

Die fieberten mit den beiden Abenteurern, als sie bei Hotzenplotz und dem großen Zauberer Petrosilius Zwackelmann in Gefangenschaft gerieten.

Raik Woitha spielt den Zauberer zornig aufbrausend, nachvollziehbar verzweifelnd über die – gespielte – Dummheit seiner neuen Küchenhilfe Seppel alias Kasperl, aber auch ein wenig entrückt und auch zum Lachen – Theater für Kinder eben. „Der erinnert mich an Klaus Kinski“, raunte jemand im Publikum und hatte mit diesem Vergleich nicht ganz Unrecht.

Petrosilius Zwackelmann ließ also den Kasperl eimerweise Kartoffeln schälen. Der bemitleidenswerte Seppel schuftete in der Zwischenzeit für den Räuber Hotzenplotz. Vermisst wurden die beiden Jungs natürlich von Tante Wilma, sehr warmherzig und mütterlich gespielt von Susanne Lind, und Wachtmeister Dimpfelmoser (Mike Nielebock). Nicht erst seine spektakulären Stürze mit dem Fahrrad und seine Gefangenschaft im Spritzenhaus zeigten die Überforderung der Amtsperson. Hilfe suchte Polizist Dimpfelmoser ausgerechnet bei der herrlich lispelnden Wahrsagerin Schlotterbeck (Catrin Walker) und ihrem unsichtbaren Hund Festus.

Die Erwachsenen unterschätzen die Kinder, „halten sie für dumm“, trauen ihnen wenig zu, glauben ihnen nicht. „Dass ich nicht lache, ich habe die Hilfe von diesen beiden Dreikäsehochs nicht nötig“, sagt Dimpfelmoser. Doch auch der große Zauberer und der böse Räuber erleben ihre Überraschungen mit den beiden Jungs. Mit Hilfe der zauberhaften Fee Amaryllis (Alina Giersbeck), die als verwandelte Unke (Susanne Lind) im Unkenpfuhl des Zauberschlosses gefangen war, gelingt es Seppel und Kasperl, sich zu befreien. Amaryllis lässt Schloss und Zauberer verschwinden, ihr Wunschring hilft den Kindern.

Und schließlich kommt das Abenteuer der beiden zu einem guten Ende: Nach einer turbulenten Verfolgungsszene durch den Garten – angeführt von einem nicht sichtbaren Hund – wird der Hotzenplotz gefangen. Frau Schlotterbeck und Dorfpolizist sind sich sichtbar nähergekommen und Kasperl und Seppel bekommen ihren heiß geliebten Pflaumenkuchen mit Schlagsahne.

Mit Live-Musik von David Lamm und zauberhaften Feuerwerkseffekten (Technik: Mona Springer und Moritz Kievel), mit leckeren Salaten und Bratwurst im Brot – unter anderem – bot die Open-Air-Aufführung des Jungen Theaters Wachenbuchen Familienunterhaltung im besten Sinne. Nur das Wetter spielte dieses Jahr nicht mit. Die Premiere fiel ins Wasser, am Samstagabend hielten Zuschauer und Ensemble durch. Auf die kommenden Theaterstücke für Jung und Alt darf man sich schon jetzt freuen.

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