Helfen im Ernstfall: Die Sozialarbeiterinnen Angelika Ullrich (links) und Tina Steigerwald von der Obdachlosenbehörde der Stadt Maintal. Foto: Carolin-Christin Czichowski

Maintal

So hilft die Obdachlosenbehörde der Stadt Maintal Betroffenen

Maintal. Drogenabhängige, die in Hauseingängen sitzen, Obdachlose, die vor Kaufhäusern ihr Schlaflager aufgebaut haben und Mittellose, die in Fußgängerzonen betteln – diese Bilder verortet man eher nach Frankfurt. Aber auch in Maintal gibt es Wohnungslose. Sie leben zwar nicht auf der Straße, dennoch ist ihre Situation prekär.

Von Carolin-Christin Czichowski

„Wir sind als Stadt dazu verpflichtet, die Bürger vor Wohnungslosigkeit zu schützen“, sagt Renate Gundert-Buch, Leiterin des Fachbereichs Soziales, der neben der Senioren- und Asylbewerberbetreuung auch eine Anlaufstelle für Wohnungslose bietet.

Derzeit sorgt die Stadt für die Unterkunft von insgesamt 64 Personen. Die Notunterkunft an der Neckarstraße ist mit 24 Bewohnern ausgelastet, weitere 40 Maintaler sind unter anderem in günstigen Hotels und anderen Wohnungen, die die Stadt angemietet hat, untergebracht. Tendenz steigend.

Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind verschieden, weiß Angelika Ullrich. Sie ist Sozialarbeiterin und arbeitet hauptamtlich in der städtischen Obdachlosenbehörde. „Oft führen Mietrückstände schließlich zu einer Räumungsklage und die Menschen stehen auf der Straße“, sagt Ullrich. Ihr Anliegen ist es deshalb, den Betroffenen zu helfen, bevor es zu einer Räumungsklage oder im schlimmsten Fall zu einer Zwangsräumung kommt.

"Sehr gut vernetzt"

„Wir können zum Beispiel mit dem Vermieter oder dem Gerichtsvollzieher in Kontakt treten oder mit dem Jobcenter vereinbaren, dass die Mietschulden übernommen werden“, sagt Ullrich. Auch ein städtisches Darlehen kann aus der finanziellen Misslage helfen.

Wichtig sei nur, dass die Betroffenen schon frühzeitig die Beratungsstelle der Obdachlosenbehörde aufsuchen. „Am besten schon dann, wenn die erste Miete nicht gezahlt werden kann“, sagt die Sozialarbeiterin.

Je früher Ullrich und ihre Kollegin, Tina Steigerwald, eingreifen, desto größer ist die Chance, Räumungsklagen zu verhindern. Betroffenen, die sich an die städtische Obdachlosenhilfe wenden, helfen die Mitarbeiterinnen auf verschiedenen Wegen: vom Stellen von Anträgen ans Jobcenter bis hin zur Vermittlung in eine Schuldnerberatung oder im Fall einer Suchterkrankung an eine Drogenberatung. „Wir sind sehr gut vernetzt und arbeiten mit vielen Stellen zusammen“, sagt Ullrich.

Steigende Mieten als Grund

Im vergangenen Jahr gab es in Maintal insgesamt 28 Haushalte mit einem konkreten Räumungstermin, in 2019 sind es bislang 17. „Gerade für Familien mit Kindern ist das besonders schlimm“, sagt Sozialarbeiterin Tina Steigerwald. „In solchen Fällen schauen wir genau hin und versuchen, schnell eine neue Wohnung für die Familie zu finden.“ Scheitert dieser Versuch, gibt es in der städtischen Notunterkunft auch Zimmer extra für Familien oder Alleinstehende mit Kindern.

Doch das ist eher die Ausnahme. Besonders alleinstehende Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren wenden sich oft an die Obdachlosenbehörde und kommen in der Neckarstraße unter. Woran es liegt, dass vor allem junge Männer wohnungslos werden, können die Sozialarbeiterinnen nicht genau sagen. „Oft haben die Betroffenen keinen Schulabschluss und keine Ausbildung und somit auch keine Perspektive“, sagt Angelika Ullrich. Wenn sie dann von ihren Eltern aus der Wohnung geschmissen werden, landen sie zwangsläufig auf der Straße.

Ein Grund für die steigenden Wohnungslosenzahlen sind laut Fachbereichsleiterin Gundert-Buch auch die steigenden Mieten im Großraum Frankfurt. „Das Problem trifft schon lange nicht mehr nur die ärmere Bevölkerungsschicht, sondern ist längst schon in den Haushalten mit einem mittleren Einkommen angekommen“, sagt die Expertin.

456 Sozialbauwohnungen

Die Lösung: „Wohnraum schaffen, vor allem mit Sozialbindung, aber auch darüber hinaus.“ Nur so könne dem wachsenden Bedarf langfristig nachgekommen werden. Auch eine Mietpreisbremse hält Gundert-Buch für sinnvoll. Da sei aber die Politik gefragt.

In Maintal gibt es insgesamt 456 Sozialbauwohnungen, deren Belegungsrecht aber teilweise auch bei der Stadt Frankfurt liegt. 209 Personen mit Wohnberechtigungsschein, die also in eine Sozialwohnung einziehen dürften, stehen derzeit auf der Warteliste der Stadt. Auch auf diese Missstände soll der heutige Tag der Wohnungslosen aufmerksam machen. „Denn es gibt zwar viele Wohnungen, aber eben nicht für jeden“, sagt Gundert-Buch.

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