Von den Hieroglyphen-Kunstwerken von Christof Wackernagel zeigte sich auch Bürgermeisterin Monika Böttcher beeindruckt. Foto: Kalle

Maintal

„Hieroglyphen“-Ausstellung von Christof Wackernagel

Maintal. Christof Wackernagel auf eine Rolle zu beschränken ist unmöglich. Der 66-Jährige ist Schauspieler, Autor und Maler, lebte lange Zeit in Mali und arbeitet seine Vergangenheit in der RAF regelmäßig auf. Im Historischen Rathaus in Hochstadt hat er jetzt seine Ausstellung „Hieroglyphen“ eröffnet.

Von Elfi Hofmann

Hört oder liest der Laie das Wort Hieroglyphen, denkt er sofort an das alte Ägypten und Zeichnungen auf Pergament. Wackernagel hingegen malt mit Acryl auf Leinwand. Meistens zumindest. Denn seine Ausstellung beinhaltet auch Werke in Briefmarkenformat, auf denen winzige, bunte Zeichnungen zu sehen sind. „Die Briefmarken sind schon älter. Je älter ich werde, desto größer auch die Objekte“, erzählt er und verweist lachend auf sein Alter und die aufkommende Weitsichtigkeit.

Seit rund 40 Jahren verarbeitet der gebürtige Ulmer in seinen Werken Liebe, Glück, Fröhlichkeit. „Kitsch“ nennt er das. Und betont, dass er das auch wirklich nur in der Kunst macht, denn in Worten, also in Büchern, hat er laut eigener Aussage Hemmungen, die Gefühle so darzustellen. Manchmal sieht das Ergebnis dann stachelig und eckig aus, andere Hieroglyphen sind dagegen rund und fließend. „Das sind dann eben keine formulierten Gefühle, wie es Worte tun würden“, so Wackernagel. Literatur ist kompromisslos für ihn, eine Darstellung von Widersprüchen. Die Kunst hingegen beschreibt er als eigenes, von Sprachen unabhängiges Kommunikationssystem.

Steht man dann als Betrachter vor den Werken, liest die Bildbeschreibungen und lässt sich auf die großen und kleinen Bilder ein, erschließt sich im Idealfall tatsächlich eine Geschichte. Wie bei dem Werk „Das Jahr 2017“. Darin hat Wackernagel in zwölf Zeichnungen das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Mal lief es „rund“, wie im Februar, dann wieder sieht man Spitzen und Zacken im November. Den „Jahresrückblick“ hat er extra für die Ausstellung in Maintal gemalt, um die symmetrische Konzeption der Ausstellung erhalten zu können.

Für Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher strahlen alle Werke eine verspielte und farbenfrohe Leichtigkeit aus, auch, wenn die Ausstellung auf den ersten Blick durch ihren Titel anstrengend wirke. „Die Fantasie wird angeregt, der Betrachter wird neugierig“, so das Stadtoberhaupt, das sich durch die Bilder an Gustave Moreau erinnert fühlt.

Der Vergleich gefällt auch Christof Wackernagel, der bereits zum zweiten Mal mit einer Ausstellung in Maintal zu Gast ist. Den Kontakt hat die Scherenschnittkünstlerin Karin Dickel-Jonasch hergestellt. Noch bis Ende Februar, kann jeder Besucher in den Werken eine eigene Geschichte erkennen – wenn er sich denn darauf einlässt.

Die Ausstellung „Hieroglyphen“ ist bis zum 25. Februar im Historischen Rathaus immer am Dienstag, Samstag und Sonntag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren