Natasha Wiener setzt sich für eine nachhaltige Lebensweise ein. Foto: Pongratz

Heute ist "World Plastic Attack Day": Natasha Wiener macht mit

Maintal. Über acht Milliarden Tonnen Plastikmüll wurden seit 1950 weltweit produziert. 600 Millionen Tonnen recycelt, 800 Millionen Tonnen verbrannt – soweit die Plastikmüllstatistik 2017. „Wo ist der Rest?“, fragt sich Natasha Wiener, die entschieden hat, nachhaltiger zu leben.

Von Ulrike Pongratz

Sie hofft, dass sich der heutige „World Plastic Attack Day“ für viele ebenfalls als Startschuss anbietet, um dem Plastik- und Verpackungsmüll den Kampf anzusagen.

Natasha Wiener sitzt in ihrer freundlichen, modernen Wohnküche an einem massiven Holztisch, mit Kaffee und Wasser, den Laptop aufgeklappt. „Ich recherchiere fast jeden Tag. Und es ist schwer, unglaublich schwer und manchmal zum Verzweifeln.“ Die Maintalerin und ihre Familie haben sich dazu entschieden, „nichts mehr in Plastik zu kaufen“.

Bei einem 20-minütigen Spaziergang am Waldrand in Bischofsheim sammle eine Freundin regelmäßig eine Tüte voll Müll ein. „Wir müssen umdenken, noch mehr auf den Müll aufmerksam machen. Unser Einkaufszettel ist unser Stimmzettel“, zieht Wiener die Konsequenz.

Erste Schritte kann man beim täglichen Einkauf machen

Beim täglichen Einkauf sind die ersten Schritte vergleichsweise einfach: Obst und Gemüse nur lose kaufen, Milch, Joghurt und Konserven in Glasbehältern, Stoffbeutel im Auto deponieren und Verzicht auf „Einwegplastik“ wie Strohhalme, Trinkbecher, Flaschen und so weiter.

Ein Einkauf auf den regionalen (Wochen-) Märkten oder beim Metzger und Bäcker nebenan, so Wiener, sei nicht nur ökologisch sinnvoller, sondern mache in der Regel auch viel mehr Spaß. Hier kennt man die junge Mutter inzwischen, hier knüpft man persönliche Kontakte, hier kann man problemlos die mitgebrachten Behälter auf die Ladentheke stellen. „Nach langem Hin und Her kann ich das inzwischen auch im Rewe in Hochstadt“, sagt die konsequente Müllvermeiderin. „Wer sich einmal auf diesen Weg gemacht hat, der kann gar nicht mehr anders“, sagt sie.

Möchte durch ihr Verhalten Mitmenschen zum Nachdenken bewegen

Neben den Märkten könne es noch viel mehr Unverpackt-Läden geben oder Initiativen wie die „Solidarische Landwirtschaft“, die der Luisenhof in Niederdorfelden praktiziere (hier tragen Privatpersonen die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs und erhalten im Gegenzug dessen Ernteertrag), meint die Hochstädterin.

„Unsere Öko-Wiener“, sagen die Berufsschüler in Gelnhausen halb spöttisch, halb anerkennend, wenn Natasha Wiener in der Frühstückspause ihren Kaffee aus dem Bambusbecher trinkt oder die Metallbox öffnet und ihr selbst gebackenes Brot genießt. „Das sehe ich inzwischen als Anerkennung.“ Natasha Wiener will niemanden bekehren, sondern durch ihr Verhalten ihre Mitmenschen zum Nachdenken bewegen – und letztlich zum Mitmachen aus Einsicht.

Mehr selbst machen, weniger fertig kaufen

Wieder mehr selbst machen, weniger fertig kaufen – das ist der zweite große Bereich, der zur Müllvermeidung führt. „Ich denke oft zurück an meine Großmutter“, sagt Wiener. Ein Brot- oder Pizzateig sei schnell angesetzt, auch größere Mengen vorzukochen, vermeide Verpackungsmüll, erklärt sie.

Neben der Küche ist es vor allem das Arsenal an diversen Putzmitteln, das Plastikmüll verursacht. „Mit Zitronensäure, Soda, Natron und Kernseife kann man Reinigungs- und Waschmittel selbst herstellen. Diese einfachen und günstigen Grundstoffe gibt es auch in Papier verpackt“, sagt die Hochstädterin.

Küche und Bad mit viel Potenzial zum Plastiksparen

Noch genauer hat Natasha Wiener ihre Wasch- und Pflegeserien im Badezimmer unter die Lupe genommen. „Ich habe einen großen Müllsack genommen und alles weggeworfen“, gesteht sie. Nach einem Vortrag sei ihr bewusst geworden, dass sie sich mit Erdöl eincreme. Bei der Körperpflege nutzt die ganze Familie jetzt Waschseifen, Sesamöl mit Minze zur Zahnpflege und Kosmetika ohne Konservierungsstoffe – alles erdölfrei und in wiederverwendbaren Glas- oder Bambusbehältern.

Küche und Bad – das sind die beiden Orte im Haushalt, die das größte Einsparpotenzial bergen. „Natürlich habe ich auch noch Plastikboxen und -schüsseln im Schrank, die werfe ich nicht weg“, sagt Wiener, „aber wenn ein Neukauf ansteht, wird es durch Glas, Holz, Bambus, Zuckerrohr oder ein anderes recycelbares Material ersetzt.“

Ihre Kinder sind die Motivation, um sich für eine nachhaltige Lebensweise einzusetzen

Doch auch das sei manchmal zum Verzweifeln. „Jetzt kauf ich schon Holz und es ist in Plastik eingepackt. Holzteller als Einweggeschirr, waschbare Spültücher, unbehandeltes, chemiefreies Backpapier, Küchenrollen und Toilettenpapier aus Bambusfaser und andere teure Ökoartikel kommen oft in Plastikverpackung. Auch beim Versand fehlen noch Lösungen. Als Pflanzendünger verwertbare Maisflips beispielsweise gibt es noch selten als Füllstoff“, kritisiert Wiener.

Vor allem ihre siebenjährige Tochter Lella nimmt die Umwelt besonders sensibel wahr. „Im Urlaub haben wir am Strand Müll eingesammelt, damit der Fisch den Müll nicht frisst. Über solche Dinge habe ich mir als Kind keine Gedanken gemacht.“ Ihre beiden Kinder sind für die 39-jährige Mutter die Motivation schlechthin, sich für eine nachhaltige Lebensweise einzusetzen. „Unser Fußabdruck ist nicht grün“, sagt die „Öko-Wiener“.

Auf ihrem Blog Lella Green Living undamp; Lifestyle gibt Wiener viele weitere Tipps für ein nachhaltiges Leben und will ihr Netzwerk weiter ausbauen. Am heutigen „World Plastic Attack Day“ wird die aktive Bloggerin in Hochstadt mit Gleichgesinnten vor Ort ein Zeichen setzen und zum Umdenken auffordern.

www.lella-greenliving.de#world plastic attack day

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