Freuen sich auf das Zuckerfest: Karima Lakhouane und ihre Tochter. Ab heute findet das als Bayram bezeichnete Ramadanfest statt, das den Abschluss am Ende des Fastenmonats Ramadan bildet. Ein reich gedeckter Iftar-Tisch wird muslimische Familien bei dem Fest heute Abend erwarten. Fotos: Ulrike Pongratz/privat

Maintal

Heute endet der Ramadan, und das dreitägige Zuckerfest beginnt

Maintal. Nur noch einmal schlafen . . . Muslimische Kinder dürften heute genauso aufgeregt sein wie Jungen und Mädchen christlichen Glaubens am Tag vor Heiligabend. Denn das Ende des Fastenmonats Ramadan, das heute Abend mit dem Fastenbrechfest begangenen wird, läutet das dreitägige Zuckerfest ein.

Von Ulrike PongratzNach dem Opferfest ist es das zweitwichtigste Fest im Islam. „Es ist ungefähr wie Weihnachten“, beschreiben Quarda Boulogram und Karima Lakhouane die allgemeine Stimmung. „Wir kaufen neue Kleider, die Kinder bekommen Geschenke.“ Auch die beiden Muslima aus Bischofsheim sind in Geschäften unterwegs, um die Wünsche zu erfüllen. „Wir treffen dabei viele andere Frauen, die ebenfalls nach Geschenken suchen“, sagen die beiden.

Der erste Tag nach dem Ramadan beginnt morgens um 3 Uhr mit dem Gebet vor Sonnenaufgang. Dann gibt es für die Familie das erste leckere Frühstück seit vier Wochen. „Ich freue mich schon auf frische Brötchen“, sagt Karima Lakhouane. Auch in der Moschee gibt es anschließend reichlich zu essen und zu trinken. „Jeder bringt etwas mit. Vor allem die Kinder freuen sich riesig. Wir machen kleine Tütchen mit Süßigkeiten für alle.“ Abends treffen sich die Familien. Karima Lakhouane wird für mindestens 20 Personen Essen zubereiten. „Natürlich will ich ein schönes Essen auf den Tisch bringen“, sagt sie. „Sicher gibt es Salat, Fleisch mit Gemüse, vielleicht Hähnchen aus dem Ofen und Nachtisch“, stellt sie in Gedanken schon ein reiches Mahl zusammen.

Der Körper gewöhne sich schnell an das Fasten

Vier Wochen lang haben die beiden Frauen zu diesem Zeitpunkt von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang gefastet, dabei darauf verzichtet, etwas zu trinken. „Das Fasten ist nicht so schlimm, wie man denkt. Der Körper gewöhnt sich schnell daran“, antworten Quarda Boulogram und Karima Lakhouane auf die besorgte Frage, wie man es schafft, den ganzen Tag über nichts zu trinken – gerade im Sommer. Den Fastenmonat Ramadan, der zu den fünf Säulen des Islam zählt, nach den Regeln zu praktizieren, ist für beide Frauen ganz selbstverständlich. Er erinnert an die Zeit, als der heilige Koran durch den Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed offenbart wurde.

Der Islamische Kalender orientiert sich an der Stellung des Mondes. Der neue Monat beginnt dann, wenn der Neumond das erste Mal zu sehen ist und endet, wenn der abnehmende Mond gänzlich unsichtbar ist. Entsprechend dauert der Ramadan, der neunte Monat im Islamischen Kalender, entweder 29 oder30 Tage. Je nach Wohnort und Auslegung beginnt und endet der Ramadan einen Tag früher oder später. Inzwischen erleichtert der technische Fortschritt die Festlegung des Fastenmonats. Mondkalender, die für einzelne Städte und Regionen im Internet abzurufen sind, geben Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf die Minute genau an.

Ramadan als Monat der Vergebung

Als Quarda Boulogram und Karima Lakhouane über ihre Fastenzeit berichten, haben sie bereits drei Wochen lang nur abends gegessen. „Wir fühlen uns gut, haben sogar ein wenig abgenommen“, sagen die beiden fröhlich. Das Fasten sei gut für die Gesundheit, meinen sie, hierzu gäbe es inzwischen auch wissenschaftliche Studien, die dies nachweisen würden. „Wir können abends tatsächlich nur wenig essen. Der Magen kann gar keine großen Mengen aufnehmen. Ganz wichtig sind Wasser und Datteln. Auch unser Prophet ist mit wenig ausgekommen.“ Der Grund: Datteln liefern nach dem Fasten am Tag Energie. Viel Zeit für das Essen bliebe auch nicht, denn für Männer sei der Besuch der Moschee nach dem Fastenbrechen Pflicht.

Nicht nur für Männer, auch für Frauen steht die innere Einkehr, die Besinnung auf das richtige Leben und auf Allah im Mittelpunkt des Ramadan. „Das ist der Monat für Allah. Und Punkt“, sagt Quarda Boulogram. Ramadan sei auch der Monat der Vergebung, man müsse alle Streitigkeiten beilegen, sich entschuldigen, um unbelastet in den Fastenmonat zu gehen.

Kinder dürfen essen und trinken

Beide Frauen versorgen aber auch ihre Familien, beide haben Kinder. Sie bringen sie in den Kindergarten und zur Schule und gehen natürlich einkaufen. Das sei kein Problem, sagen sie, sie seien innerlich gefestigt. Aber sie lassen das Handy öfter aus, telefonieren weniger und bleiben mehr zu Hause. „Fasten heißt auch, mit Augen, Ohren und Mund zu fasten, nichts Böses zu sehen, zu hören und zu sagen“, erklären die beiden Frauen. In ihrer Heimat Marokko seien die Läden selbstverständlich alle geschlossen, hier in der geschäftigen Betriebsamkeit sei das Fasten manchmal eine Herausforderung. Die Kinder dürfen essen und trinken, aber die Älteren täten dies mit Rücksicht auf die Fastenden nicht vor deren Augen. „Die größeren Kinder fasten oft mit, aber sie dürfen sich immer etwas aus der Küche holen“, sagen die Mütter.

In den letzten zehn Tagen des Ramadan werden traditionell die Gebete intensiviert, die Gläubigen sollen weniger schlafen, verstärkt beten, spenden und Gutes tun. „Wir sollen mit den Menschen mitfühlen, die nichts oder wenig haben. Schließlich sollen wir mit uns selbst ins Reine kommen. Dann, am Ende der Fastenzeit, richten sich die Gedanken wieder nach vorne.“

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