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Helfer stoßen an ihre Grenzen: Maintaler Tafel kann Andrang ukrainischer Flüchtlinge kaum stemmen

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Am Limit: Die Maintaler Tafel in den Räumen der Bürgerhilfe in der Neckarstraße 13 versorgt etwa 590 bedürftige Personen. Durch die Geflüchteten aus der Ukraine ist der Verein an der Belastungsgrenze.
Am Limit: Die Maintaler Tafel in den Räumen der Bürgerhilfe in der Neckarstraße 13 versorgt etwa 590 bedürftige Personen. Durch die Geflüchteten aus der Ukraine ist der Verein an der Belastungsgrenze. © KRISTINA BRÄUTIGAM

Die ehrenamtlichen Helfer der Maintaler Tafel haben am Montagmorgen viel zu tun. Lebensmittel müssen ausgepackt und in Kisten einsortiert, Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern für die Ausgabe vorbereitet werden. Eine Lieferung Waren muss bis zum Mittag bei den Kollegen der Offenbacher Tafel eingetroffen sein. „Man hilft sich untereinander“, sagt Brigitte Eggensperger, die die Maintaler Tafel gemeinsam mit Ulrich Ehmcke leitet.

Maintal – Hilfe kann die Maintaler Tafel allerdings selbst gut gebrauchen: Angesichts gestiegener Lebensmittel- und Energiekosten kommen seit Beginn des Jahres deutlich mehr Menschen zu den Ausgabeterminen in die Neckarstraße in Dörnigheim, erzählt Brigitte Eggensperger. Dann kommt der Krieg in der Ukraine und mit ihm die Geflüchteten. „Von heute auf morgen standen hier 20 bis 25 Ukrainer. Wir wurden völlig überrannt“, erzählt die 79-Jährige.

Im März kommen durchschnittlich 80 Bedürftige pro Ausgabetermin, die an drei Tagen die Woche stattfinden. Zu viel für die ehrenamtlichen Helfer, die fast alle deutlich älter als 65 Jahre sind. „Wir konnten das nicht mehr stemmen, allein körperlich sind wir an unsere Grenzen gestoßen“, erzählt Eggensperger.

Hinzu kommt, dass die Tafeln bundesweit deutlich weniger Lebensmittel bekommen als früher. Die Supermärkte kalkulieren besser, Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum bald erreichen, werden zum halben Preis verkauft, anstatt sie weiterzugeben. Ende März sieht sich die Maintaler Tafel-Leitung gezwungen zu handeln: Seitdem dürfen sich Bedürftige nur noch einmal pro Woche mit Lebensmitteln eindecken, bislang war dies zweimal pro Woche möglich.

Der Frust bei den Helfern ist groß. Vor allem die Stadt mache es sich zu einfach, kritisiert Brigitte Eggensperger. „Alle Geflüchteten aus der Ukraine werden zu uns geschickt. Aber wir sind ein ehrenamtlich arbeitender Verein, keine staatliche Einrichtung “

Um zu prüfen, ob ein ukrainischer Geflüchteter tatsächlich in Maintal wohnt und damit berechtigt ist, Lebensmittel abzuholen, sollen sich die Tafel-Mitarbeiter den Maintal-Pass oder die Bescheinigung für ukrainische Geflüchtete zeigen lassen. Doch in vielen Fällen fehle beides, erzählt Ulrich Ehmcke. „Die Stadt hat Schwierigkeiten, die Leute zeitnah zu registrieren. Aber ohne Registrierung bekommen die Menschen keine Sozialleistungen. Und sie denken, wir sind eine staatliche Organisation, die die Pflicht hat, sie zu versorgen.“

Immer wieder müsse man Geflüchtete enttäuschen, die die Tafel für einen Supermarkt halten. Ukrainische Mütter, die Babynahrung und Windeln benötigen. Andere, die nach Butter fragen. „Da werden völlig falsche Erwartungen geweckt“, sagt Ehmcke. Die Tafel-Verantwortlichen sehen die Stadt in der Pflicht. Sie fordern mehr Unterstützung und Lösungen, wie der Andrang auf Dauer bewältigt werden kann. „Die Stadt ist für die Grundversorgung dieser Menschen zuständig, nicht wir“, sagt Brigitte Eggensperger. „Wir können die Menschen nur unterstützen, aber wir können sie nicht ernähren.“

Um den Geflüchteten unbürokratisch zu helfen, könne die Stadt beispielsweise Gutscheine ausgeben, die sich in lokalen Lebensmittelmärkten einlösen lassen, so Ulrich Ehmcke. Die Versorgung komplett auf den Ehrenamtlichen abzuwälzen, könne zumindest keine Dauerlösung sein, warnt Brigitte Eggensperger. „Wenn unsere Truppe körperlich nicht mehr kann oder will, wer versorgt dann die Leute?“

Von Kristina Bräutigam

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