Naherholungsgebiet: Nicht zuletzt die Corona-Zeit hat gezeigt, wie gefragt Ausflugsziele wie der Maintaler Gänsseeweiher in der Natur sind – Damit er das auch bleiben kann, kümmern sich die Förster um die Sicherheit der Wege.
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Naherholungsgebiet: Nicht zuletzt die Corona-Zeit hat gezeigt, wie gefragt Ausflugsziele wie der Maintaler Gänsseeweiher in der Natur sind – Damit er das auch bleiben kann, kümmern sich die Förster um die Sicherheit der Wege.

Waldserie

Heiner Koch ist „Ökosystemmanager“ in Maintal und gibt uns Einblicke in den Stadtwald

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Maintal – Er kümmert sich um die Verkehrssicherheit im Wald und darum, dass er als CO2-Speicher und Sauerstofflieferant in Zukunft gut aufgestellt ist: Als „Ökosystemmanager“ jongliert Heiner Koch tagtäglich mit verschiedenen Anforderungen an den Erholungs- und Lebensraum Wald.

Heiner Koch ist seit fast 35 Jahren Revierförster in fünf Kommunen des Main-Kinzig-Kreises

Koch ist seit fast 35 Jahren Revierförster in fünf Kommunen des Main-Kinzig-Kreises, darunter auch im Maintaler Stadtwald. Hier sind die Klimaschäden in den letzten Jahren besonders deutlich geworden. „Wir haben hier in Maintal außer der Eiche keine einzige stabile Baumart mehr“, sagt Koch.

„In Bischofsheim ballen sich die Probleme, der Wald ist stark von Klimaschäden betroffen. Mit dem Gänsseeweiher ist er ein stark belaufenes Erholungsgebiet und zudem als FFH-Gebiet, also Fauna-Flora-Habitat, ein wichtiger Lebensraum auch für seltene Tierarten wie etwa den Grauen Heldbock.“ Der Käfer ist vom Aussterben bedroht. Mehr als 40 Prozent des dortigen Waldbestands sei durch die anhaltende Hitze und Trockenheit stark geschädigt worden, wieweit die anderen 60 Prozent betroffen sind, sei schwer zu beziffern. Grund dafür seien die sandigen Böden, die das Wasser nur schwerlich halten sowie einen Nährboden für Pilze darstellen und die seit 2003 merklich gestiegenen Durchschnittstemperaturen.

Maintal: Langfristige Planung sei wichtig

Lebensraum: Plakette zeichnet einen Habitatbaum für seltene Insektenarten wie den Grauen Heldbock aus.

Das erfordert eine langfristige Planung. „Alles, was wir pflanzen steht dann mal 120 bis 200 Jahre, da können wir nicht wie ein Landwirt kurzfristig mal etwas ausprobieren.“ Von der Pflanzung bis zur Holzernte eines Baumes geben sich vier Berufsgenerationen die Verantwortlichkeit für ein Forstrevier weiter. Auch die Auswahl und Entwicklung von zertifiziertem Saatgut sei ein langwieriger Prozess. „Wir überlegen genau, was zur vorhandenen Vegetation passt und welche Baumarten die Hitze aushalten“, so Koch. Der Boden sei dafür ein wichtiger Indikator, denn in den verschiedenen Schichten finden sich Informationen zur Pflanzenwelt vergangener Jahrhunderte. „Anhand von Pollenanalysen sehen wir, was hier für eine Vegetation wäre, wenn der Mensch nicht in die Natur eingegriffen hätte.“

So habe es in den heimischen Wäldern beispielsweise bereits Nadelbaumarten wie die Douglasie oder die Weymouth-Kiefer gegeben, die heute im nordamerikanischen Raum beheimatet sind. Um den Wald auch für zukünftige Generationen gut aufzustellen, müsse man experimentieren. „Wir denken auch über fremdländische Baumarten wie die Kaukasische Buche nach, die mit dem Klima besser auskommt, oder über amerikanische Baumarten des gleichen Längengrads.“ Eignen könnten sich auch Baumarten aus dem Balkan, die große Hitze und Trockenheit, zugleich aber auch frostige Winter aushalten. Die Vegetation des Mittelmeerraums hält Koch hingegen für ungeeignet, da die Pflanzen sehr frostempfindlich sind. Hier müsse man die natürliche Verjüngung durch eine artenreiche Wiederaufforstung unterstützen.

Maintal: Zukünftige Anforderungen an den Wald sind noch ungewiss

„Wir sind hier am Anfang und fahren auf Sicht – etwas anderes können wir nicht tun.“ Keiner wisse, welche Anforderungen zukünftige Generationen an den Wald stellen. „Gerade in der Coronazeit hat man gemerkt, wie wichtig der Wald als Naherholungsraum ist“, sagt Koch. Dabei sei es eine Daueraufgabe, die Infrastruktur samt Schildern, Bänken, Schutzhütten und Wegen zu pflegen. „Wir müssen permanent im Auge behalten, wo ein Baum an Wegen oder Aufenthaltsbereichen umfallen könnte und das Gefahrenpotenzial entfernen.“

Wiederaufforstung: Um die jungen Eichenbäume vor hungrigen Rehen zu schützen, werden sie eingezäunt. In diesem Areal verhindert Koch Wildwuchs.

Manchmal müsse Totholz aber auch stehen bleiben, um beispielsweise Pilzen, Insekten und Vögeln als Nahrungsquelle und Brut- und Nistraum zu dienen. An einzelnen Stellen im Wald wird besonders deutlich, wie schwierig es ist, den verschiedenen Zielen gerecht zu werden. „Hier ergeben sich immer wieder Zielkonflikte, bei denen man Prioritäten setzen muss“, sagt Koch und zeigt einen Baum mit einer weiß-grünen Plakette. „Für diesen Baum hat ein wissenschaftliches Gutachten ergeben, dass er vom Grauen Heldbock als Lebensraum genutzt wird“, erklärt er. „Da der Baum aber abstirbt und an einem Waldweg steht, müsste er aus Gründen der Verkehrssicherheit entfernt werden.“ Da hier aber der Schutz der seltenen Käferart als Zielsetzung überwiegt, soll der angrenzende Weg für Waldbesucher gesperrt werden.

Wölfe im Stadtwald von Maintal seien laut Förster Koch sehr unwahrscheinlich

Aber auch das Jagdmanagement gehört zu dem Aufgabengebiet des Försters. „Wir müssen auch die Wildpopulation im Auge behalten, um zu verhindern, dass die Rehe die jungen Pflanzen kahlfressen.“ Um Areale mit ökologisch und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten besonders wertvollen Pflanzen, wie Eichenbäumen, zu schützen, werden diese umzäunt. „Wenn der Verbiss der Jungpflanzen zu stark ist, muss jedoch auch geschossen werden“, sagt Koch ernst. „Die Jäger haben hier eine ganz wichtige Funktion, da das Wild hier keine natürlichen Feinde hat.“ Die Chance, dass sich Wölfe im Bischofsheimer Wald ansiedeln könnten, sei aufgrund der hohen Zivilisationsdichte verschwindend gering.

Erwirtschaftungsgebiet: Durch immense Mengen an Schadholz ist der Holzmarkt völlig übersättigt, in Maintal wird es zur Energiegewinnung genutzt.

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