1. Startseite
  2. Region
  3. Maintal

Hans Hiesberger macht Parkinson-Kranken Mut

Erstellt: Aktualisiert:

Horst Andes (links) und Hans Hiesberger riefen vor zehn Jahren den Maintaler Parkinson-Stammtisch ins Leben. Foto: Kalle
Horst Andes (links) und Hans Hiesberger riefen vor zehn Jahren den Maintaler Parkinson-Stammtisch ins Leben. Foto: Kalle

Maintal. Die Diagnose Parkinson ist für Hans Hiesberger ein Schock gewesen. Vor 16 Jahren fiel er deshalb in ein tiefes Loch. Doch der Wachenbucher hat gelernt, mit der Krankheit zu leben und möchte anderen Betroffenen Mut machen. Er hat mit Horst Andes den Parkinson-Stammtisch gegründet, der seinen 10. Geburtstag feiert.

Von Martina Faust

„Als ich vor 16 Jahren die Diagnose Parkinson erhielt, dachte ich, mein Leben geht zu Ende“, erinnert sich Hans Hiesberger. Der damals aktive Endfünfziger, der segelte, Hobbypilot und begeisterter Paraglider war, wurde depressiv, als ihm bewusst wurde, dass er sein bisheriges Leben nicht würde weiterführen können. Es dauerte, bis er erkannte: „Das Leben ist nicht zu Ende. Man muss es nur anders gestalteten.“ Und das hat der heute 74-Jährige getan.Hans Hiesberger entdeckte neue Hobbys, die ihm helfen, die Begleiterscheinungen der Krankheit – die als Rigor bekannte Muskelstarre – zu mildern: Er fährt Fahrrad, spielt Saxophon, malt, initiierte ein Filmprojekt, das Parkinsonkranken Mut machen soll, und schrieb ein Buch. Andere Gewohnheiten musste er aufgeben. „Weil die Medikamente Müdigkeit verursachen, fahre ich nicht mehr Auto, sondern nur noch Fahrrad. Dreirad, weil ich Probleme mit dem Gleichgewicht habe“, erzählt er.Längst aus der Depression herausgefundenHans Hiesberger entdeckt, dass es viele Möglichkeiten gibt, den Alltag trotz der Schüttelkrankheit lebenswert zu gestalten. Längst hat er aus der Depression herausgefunden und möchte auch anderen helfen. Gemeinsam mit Horst Andes gründete er 2006 den Parkinson-Stammtisch, der Betroffenen ermöglicht, sich auszutauschen – und aktiv zu werden.„Wir haben eine Musikgruppe und eine Theatergruppe gegründet“, erzählt er. Was so einfach klingt, ist für Parkinsonkranke eine Herausforderung. „Wir haben Probleme mit Sprache und Mimik“, erklärt Hiesberger, der deshalb zu einer Logopädin ging. „Ohne Sprache zieht man sich zurück und ist außerhalb der Gesellschaft“, erklärt er.Medizinisch ist viel möglichDie Musik- und Theatergruppen gibt es zwar nicht mehr, aber der Stammtisch findet weiterhin statt. Am vergangenen Samstag feierte er sein zehnjähriges Bestehen. Im Mittelpunkt des Geburtstags stand, was auch im Mittelpunkt jedes Stammtischs steht: der Austausch und die Information. So referierte Dr. Sven Thonke, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Hanau, über die Parkinsonambulanz und Dr. Heidi Pape vom Forschungszentrum der Uniklinik Marburg informierte über neue Behandlungsmethoden.Viel ist mittlerweile medizinisch möglich. So macht Hans Hiesberger sehr gute Erfahrungen mit einer speziellen Pumpe, die den Botenstoff Dopamin, an dem es Parkinsonpatienten mangelt, kontinuierlich in den Dünndarm abgibt. Seitdem hat sich das Leben des Wachenbuchers deutlich verbessert.Vier Neuzugänge beim Stammtisch„Ich konnte vorher kaum noch einen Schritt machen. Mit der Pumpe konnte ich wieder laufen“, erzählt er. Neben der körperlichen Leistungsfähigkeit verbesserte sich auch die geistige. „Ich habe gemerkt, wie mein Gedächtnis allmählich schlechter wurde. Als ich meine Steuererklärung machen wollte, kam ich über die erste Seite nicht hinaus. Nach der Pumpe habe ich alles an nur einem Tag fertiggestellt“, berichtet er.Seine Erfahrungen – die positiven wie negativen – stellte Hiesberger auch am Samstag anlässlich der Jubiläumsfeier vor, „einem gelungen Nachmittag“, wie er bilanziert. Auch, weil er der Gruppe vier Neuzugänge beschert hat.Nächstes Treffen am 26. OktoberDas nächste Treffen des Parkinson-Stammtischs findet am Mittwoch, 26. Oktober, um 17 Uhr im Bürgerhaus Hochstadt statt. Ergänzend gibt es auch ein Angehörigentreffen, das Familienmitgliedern und Freunden ermöglicht, sich frei über ihre Sorgen und Erfahrungen auszutauschen.Die Gruppe kommt voraussichtlich am Dienstag, 8. November, um 17 Uhr im Bürgerhaus Hochstadt zusammen. Gerne steht Hans Hiesberger für weitere Auskünfte unter Telefon 0 61 81/43 22 62 zur Verfügung.

Auch interessant