Maskenbildnerin mit Leib und Seele: Corinna Johannesmann liebt ihren Beruf.

Maintal

Tag des Handwerks: Corinna Johannesmann ist Maskenbildnerin

Maintal. Behutsam löst Corinna Johannesmann das Silikon von dem Papier, immer nur ein kleines bisschen, damit nichts kaputt geht. Das, was gerade noch durchsichtig ist und ein bisschen unscheinbar, soll schon bald wie eine furchterregende offene Wunde aussehen. Denn Johannesmann ist Maskenbildnerin – und das mit Leib und Seele.

Von Carolin-Christin Czichowski„Es ist einfach ein ganz toller Beruf, so abwechslungsreich“, sagt die 36-Jährige. „Jeder Tag ist anders, ich weiß nie so genau, was auf mich zukommt.“ Die Begeisterung für das, was sie seit ziemlich genau zehn Jahren beruflich macht, sprudelt förmlich aus ihr heraus.

Viele denken bei dem Stichwort „Handwerk“ eher an Dachdecker und Fliesenleger, an Maler und Installateure. Doch auch der Maskenbildnerberuf ist ein Handwerk, das viel Fingerspitzengefühl und mindestens genauso viel Kreativität erfordert. „Das ist ein bisschen wie basteln. Man braucht schon eine ruhige Hand, um jemandem zum Beispiel ein Horror-Make-up zu machen“, sagt Johannesmann. Jedes Detail muss passen, damit es am Ende so realistisch wie nur möglich aussieht.

In der Maskenbildnerschule gelernt

Wie sie möglichst echt wirkende Wunden schminkt, hat sie bei der einjährigen Maskenbildnerschule gelernt. 2008 ist sie dafür in den Schwarzwald gezogen, erklärt die Maintalerin, während sie das Zwei-Komponenten-Silikon mischt, um die Wunden auf die Haut aufzutragen. Auf dem großen Schminktisch vor ihr, der mit noch größeren Spiegeln umrandet ist, stehen kleine Tiegelchen, mit Kunstblut, Eiter und Schleim. „Ja, das ist schon ein bisschen eklig. Aber es soll am Ende echt aussehen“, sagt sie und lacht.

Eigentlich hat Johannesmann einen anderen handwerklichen Beruf gelernt. „Ich habe in Frankfurt damals eine Ausbildung zur Schilder- und Lichtreklameherstellerin gemacht und auch einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet.“ Die Entscheidung, doch noch einmal umzusatteln und eine Maskenbildnerschule zu besuchen, habe sie aus dem Bauch heraus getroffen. „Ich habe gedacht, jetzt oder nie“, sagt sie. Dabei hat sie sich als kleines Mädchen und als Jugendliche nicht sonderlich für Make-up und Schminken interessiert. „Zumindest nicht mehr als andere auch. Das kam erst später“, sagt sie.

Kleiner Raum im Keller

Der kleine Raum im Keller ihres Hauses in Dörnigheim ist Atelier und Beauty-Studio in einem. Auf dem Boden stehen Gipsabdrücke von Babybäuchen, von kleinen Füßchen und Händchen. Solche Erinnerungsstücke anzufertigen und in Szene zu setzen gehört ebenso zu Johannesmanns täglicher Arbeit wie das Styling von Bräuten an ihrem Hochzeitstag. „Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen“, sagt sie.

Seit fünf Jahren lebt die gebürtige Frankfurterin mittlerweile in Maintal, ist hier sesshaft geworden und im wahrsten Sinne angekommen. Mit ihrem Mann und den zwei Kindern lebt sie in Dörnigheim. Ihre Selbstständigkeit als Maskenbildnerin fügt sich gut in das Familienleben ein. „Ich kann meine Arbeit ganz frei planen“, sagt sie. Ein Luxus, der gerade mit zwei kleinen Kindern Gold wert ist.

Fürs Handwerk hat sich die 36-Jährige übrigens ganz unbewusst entschieden: „Ich habe einfach geschaut, was mir Spaß macht und worin ich gut bin.“ Das würde sie auch jungen Menschen empfehlen, die auf der Suche nach dem richtigen Job sind. „In einem handwerklichen Beruf kann man sich kreativ ausleben und genauso erfolgreich sein wie nach einem Studium“, sagt Johannesmann.

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