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Anwohner wütend über Baustelle: „Es ist eine Zumutung“

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Haben sich schon mehrfach bei der Stadt beschwert: Die Anwohner der Niederfeldstraße in Hochstadt, Horst Keller und Ehefrau Marlies (von links), Andreas Richter und Rainer Formhals.
Haben sich schon mehrfach bei der Stadt beschwert: Die Anwohner der Niederfeldstraße in Hochstadt, Horst Keller und Ehefrau Marlies (von links), Andreas Richter und Rainer Formhals. © Kristina Bräutigam

In Maintal bei Hanau ist es mit der Ruhe vorbei. Seit sie mit einer Baustelle in der Niederfeldstraße leben müssen, sind die Anwohner genervt.

Maintal – Eigentlich leben Rainer Formhals und seine Frau Regina gern in der Niederfeldstraße in Maintal-Hochstadt. Es ist recht ruhig, man kennt sich. „Eine Dorfstraße eben“, sagt Rainer Formhals. Doch seit März ist es vorbei mit der Ruhe. Schuld ist die Baustelle eines privaten Bauunternehmens an der Einmündung der Niederfeldstraße. Hier, wo früher ein altes Haus stand, entsteht ein Neubaukomplex mit vier Wohneinheiten. Die Niederfeldstraße wurde dafür halbseitig gesperrt. Und der Ärger nahm seinen Lauf.

„Die Baumaterialien wurden wochenlang bis an den Rand der Baustellenabgrenzung gestapelt. Die rechte Seite der Bahnhofstraße war kaum einsehbar. Man konnte eigentlich nur auf gut Glück rausfahren“, erzählt Rainer Formhals. Da sich die wenigsten Verkehrsteilnehmer an die auf der Bahnhofstraße geltende Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern halten, sei es schon mehrfach zu brenzligen Situationen gekommen. „Ich traue mich schon gar nicht mehr, mit dem Auto rauszufahren“, sagt Ehefrau Regina.

Baustelle sorgt für Ärger in Maintal: Sackgasse ist ein Problem für die Anwohner

Das Problem: Die Niederfeldstraße ist eine Sackgasse, eine andere Zufahrt gibt es nicht. Eine Tatsache, die seit März fast täglich für Frust bei den Anwohnern sorgt. „Die Lastwagen, die Material anliefern, haben die Straße im Einmündungsbereich regelmäßig komplett versperrt. Und das manchmal für eine Stunde“, berichtet Andreas Richter.

Für die Anwohner, die mit dem Auto die Straße verlassen wollten, bedeutete dies warten. „Ich habe Kinder, die ich morgens pünktlich zur Kita bringen muss. Andere müssen zur Arbeitsstelle oder haben einen wichtigen Arzttermin, den sie dadurch verpassen. Aber wir sind hier gefangen“, sagt Nadine Möller.

Besonders im Ernstfall könnte die Blockade der Straßeneinmündung fatale Folgen haben, befürchten die Anwohner. Nadine Möllers Mann Jens ist stellvertretender Wehrführer der Stadtteilwehr Hochstadt. „Wenn eine Meldung kommt und der Weg ist versperrt, fehlt ein Feuerwehrmann“, sagt seine Ehefrau. Hinzu komme, dass in der Niederfeldstraße viele ältere Menschen wohnen. „Gibt es einen medizinischen Notfall, kommt der Rettungswagen nicht durch. Aber bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zählen Sekunden“, sagt die junge Mutter.

Schon ohne Baustellenfahrzeuge sind die Straßen in Maintal bei Hanau zu eng

Dass der halbseitig abgesperrte Einmündungsbereich schon ohne Baustellenfahrzeuge viel zu eng ist, zeigte sich zuletzt am 9. Dezember. Weil das Fahrzeug der Firma Spahn nicht in die Niederfeldstraße fahren konnte, mussten die Anwohner ihre Tonnen bis zur Bahnhofstraße bringen. „Ich bin gehbehindert. Das ist eine Zumutung“, sagt Anwohner Horst Keller. Ein anderes Mal sei der Müll gar nicht abgeholt worden. „Diese Baustelle ist unmöglich“, sagt der 82-Jährige.

Immer wieder haben die Anwohner sich bei der Stadt Maintal beschwert, Fotos von den Missständen geschickt. Ohne Erfolg. „Egal, was man auch versucht: Man hat das Gefühl, man läuft gegen eine Gummiwand. Alles wird abgeblockt“, sagt Rentner Rainer Formhals. Auch sein Vorschlag an das Ordnungsamt, eine Ampel oder zumindest einen Spiegel im Einmündungsbereich aufzustellen, wird abgelehnt. Zum einen sei ein Verkehrsspiegel keine Einrichtung nach der Straßenverkehrsordnung und könne deshalb nicht durch die Straßenverkehrsbehörde angeordnet werden.

Zum anderen sei die Aufstellung nicht frei von Mängeln. „So muss davon ausgegangen werden, dass der Spiegel zum Beispiel bei dunstigem Wetter und bei Schneetreiben blind wird. Insbesondere bei Nacht kann es zu Verwechslungen zwischen sich nähernden und entfernenden Fahrzeugen führen“, schreibt die Stadt. Rainer Formhals kann darüber nur lachen. Direkt um die Ecke, in der Thingstraße, steht ein Spiegel mit Blickrichtung Brücke. „Aber der beschlägt scheinbar nicht“, so der 72-Jährige.

Termin mit Stadtpolizei und Straßenverkehrsbehörde soll die Wogen in Maintal bei Hanau glätten

Auch Marlies Keller fühlt sich im Stich gelassen. „Die Stadt hat für uns da zu sein und sie muss uns Anwohner informieren. Aber mit uns hat niemand gesprochen“, sagt die Rentnerin. Nachbar Andreas Richter hat sich telefonisch ebenfalls immer wieder bei der Stadt beschwert. „Mir wurde gesagt, wir sollten doch froh sein, dass Wohnraum geschaffen wird. Das ist ja wohl eine Unverschämtheit. Was haben wir davon?“

Immer wieder versperren Lkw beim Anliefern von Material die Ein- und Ausfahrt in die Sackgasse, wie dieses Anwohnerfoto zeigt.
Immer wieder versperren Lkw beim Anliefern von Material die Ein- und Ausfahrt in die Sackgasse, wie dieses Anwohnerfoto zeigt. © Privat

Mittlerweile hat die Stadt Maintal reagiert. „Nach einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin durch Straßenverkehrsbehörde, Stadtpolizei, Bauleiter und Bauherr Anfang vergangener Woche wurde festgelegt, dass der Sichtbereich in die Bahnhofstraße Richtung Autobahnbrücke unbedingt freizuhalten ist. Baumaterialien dürfen die Sicht nicht einschränken“, erklärt Martina Faust, Pressesprecherin der Stadt Maintal, auf Nachfrage unserer Zeitung. Aufgrund der mittlerweile verbesserten Sichtverhältnisse in die Bahnhofstraße habe man zudem entschieden, auf die Einrichtung einer Bauampel in diesem Bereich zu verzichten.

Anzeige trotz Vereinbarung: In Maintal bei Hanau sind die Gemüter erhitzt

Auch die Beschwerden zum Thema Lastwagen habe die Stadt ernst genommen und festgelegt, dass Anlieferungen nur über die Bahnhofstraße erfolgen dürfen. Kleinere Andienungen zum Be- und Entladen von maximal zehn Minuten seien zulässig. „Es ist jedoch untersagt, die Niederfeldstraße voll zu sperren“, so Faust.

Nachdem eine Baufirma zur Anlieferung trotzdem die Niederfeldstraße versperrt hatte, habe die Stadt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten wollen. „Die Zeugin trat jedoch von der Anzeige zurück“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. „Sowohl die Stadtpolizei als auch die Straßenverkehrsbehörde haben die Niederfeldstraße bei ihren Kontrollen im Blick, können jedoch nicht jederzeit vor Ort sein.“ Man stehe aber im Kontakt zum Bauleiter, der auf Anweisungen nachweislich und zeitnah reagiere.

Immerhin: Aktuell dürfen die Anwohner der Niederfeldstraße durchatmen. Auf der Baustelle herrscht Stillstand. Doch bis der Komplex steht, werden noch viele Lastwagen kommen. Und selbst nach der Fertigstellung befürchten die Anwohner der Sackgasse den nächsten Ärger. Schon jetzt gebe es viel zu wenige Parkplätze, selbst der Wendehammer werde regelmäßig von Kleinlastern zugeparkt, erzählen die Nachbarn. „Wenn da vier Parteien wohnen mit acht Autos, wo sollen die hin? “, fragt sich Horst Keller und fügt an: „Mit diesem Projekt werden wir noch unseren Spaß haben.“ (Kristina Bräutigam)

Ärger um Baulärm gibt es immer wieder. Erst kürzlich klagte eine Anwohnerin wegen der Unruhe durch den Bau der Sportanlage in Maintal.

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