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Hanau: Angeklagter gesteht Erpressungen und erniedrigende Sex-Übergriffe

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Von: Thorsten Becker

Erpresst: Ein 22-Jähriger hat gestanden, zwei Opfer massiv unter Druck gesetzt zu haben, um an deren Bargeld zu kommen.
Erpresst: Ein 22-Jähriger hat gestanden, zwei Opfer massiv unter Druck gesetzt zu haben, um an deren Bargeld zu kommen. © PAtrick PLeul/dpa

Maintal/Schöneck/Hanau – Dieser abscheuliche Fall ist nach einem umfassenden Geständnis bereits am ersten Verhandlungstag vor der 1. Großen Strafkammer aufgeklärt: Mehrere Tausend Euro hat ein 22-Jähriger von zwei Männern erpresst, die er zuvor durch Drohungen, Schläge und sogar sexuelle Übergriffe gefügig gemacht hat.

„Ich sah in ihnen eine Quelle, um weiter Geld zu machen“, sagt der junge Schönecker, der etwas zerknirscht neben seinem Rechtsanwalt Timo Schmelz auf der Anklagebank sitzt. Sein Verteidiger übernimmt es, das „umfassende Geständnis“ für seinen Mandanten vorzulesen. Darin macht der 22-Jährige „reinen Tisch“, bittet die beiden Opfer um Entschuldigung und stellt fest, dass er „große Schuld“ auf sich geladen hat.

Es ist eine Flucht nach vorne, denn bereits zum Start der Hauptverhandlung stellt der Vorsitzende Richter Dr. Mirko Schulte fest, dass es eine „dichte Beweislage“ gebe.

Bereits im Vorfeld des Prozessauftakts haben Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung den Fall erörtert. Dabei seien Zahlen genannt worden, die laut Schulte „erschreckend“ sein könnten. Zumindest für den Angeklagten, der – je nach Aussageverhalten – vorläufig mit einer Freiheitsstrafe zwischen acht und zwölf Jahren rechnen dürfte.

Doch der Verteidiger setzt alles daran, dass die zu erwartende Strafe gering ausfällt. So seien bereits 4000 Euro an Schmerzensgeld an eines der Opfer gezahlt worden. Die Anwältin der Nebenklage nickt. Das Geld ist bereits eingegangen. Das sei jedoch noch keineswegs der gesamte Betrag, ist sich der Verteidiger sicher.

Denn die Vorwürfe, die Staatsanwältin Ines Roser an diesem Morgen vorträgt, sind heftig: Zwei Männer im Alter von 20 und 25 Jahren hat sich der Angeklagte zwischen Januar und April als Opfer ausgesucht und über Wochen gefügig gemacht. Immer wieder fordert er Geld, beginnt mit 50 Euro. Dann nimmt er Handys und Computer weg, fordert für deren Herausgabe höhere Beträge. Mal 850 Euro, mal 1250 Euro.

Offenbar hat er den Hanauer und den Maintaler derart beeindruckt, dass diese das Geld herausrücken. Dann werden die zwei gezwungen, Handyverträge abzuschließen oder Bankkonten zu eröffnen. Die Bankkarten sowie die Daten verkauft der 22-Jährige anschließend an Dunkelmänner, die Konten offenbar für kriminelle Machenschaften brauchen.

Dann kommt eines der Opfer an den Punkt, dass alle Ersparnisse aufgebraucht sind. Die Drohungen lassen nicht nach, der Angeklagte kommt mit Verstärkung. Es setzt Schläge´und schließlich unterzeichnet einer der Männer einen „Schuldschein“, auf dem eine sehr große Zahl steht: 46 000 Euro.

Der andere Mann dagegen wird zwischen Dörnigheim und Bischofsheim in eine Falle gelockt, aus dem Auto gezerrt, verprügelt und beraubt.

„Sie haben gemacht, was ich wollte“, beschreibt der Angeklagte die Wirkung seiner Drohkulisse rückblickend. Doch dabei bleibt es nicht. Der andere Mann wird das Opfer sexueller Übergriffe, die die Staatsanwältin als „besonders erniedrigende“ bezeichnet. Sie nennt die fürchterlichen Details, denn diese sind von der Kriminalpolizei exakt ermittelt worden. Nicht nur durch Zeugenaussagen, sondern auch als Videos. Diese soll der Angeklagte während der Übergriffe und Misshandlungen gemacht haben.

Das Gericht, das die Wahrheit herausfinden und feststellen muss, wird diese Beweise wohl sehen müssen. Doch der Vorsitzende macht unmissverständlich klar, dass es in diesem Fall auch um den Schutz der Opfer geht. Daher kündigt er an, dass ein Teil des Prozesses unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden könnte, um die Intimsphäre zu schützen. Der Prozess soll bis Mitte Dezember fortgesetzt werden.

Von Thorsten Becker

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