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Stunde der Kriminaltechnik im Fall „Mord ohne Leiche“: Brett mit Blutspuren

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Von: Thorsten Becker

Blutspuren des Vermissten: In der Werkstatt in Langen-Bergheim könnte der 79-jährige Grundstücksbesitzer ums Leben gekommen sein.
Blutspuren des Vermissten: In der Werkstatt in Langen-Bergheim könnte der 79-jährige Grundstücksbesitzer ums Leben gekommen sein. © Thorsten Becker

Maintal/Hammersbach/Hanau – Seit genau einem Jahr sitzt der Kfz-Werkstattbesitzer Ralf H. auf der Anklagebank des Hanauer Landgerichts. Er ist angeklagt, am 21. Januar 2021 seinen damaligen Vermieter Alojzij Z. (79) am Schulzehnten in Langen-Bergheim ermordet zu haben. Bis heute ist der wohlhabende Rentner aus Frankfurt spurlos verschwunden (wir berichteten).

Nach zahlreichen Zeugen schlägt am Dienstag die Stunde der Kriminaltechnik. Die Vorsitzende Susanne Wetzel verliest daher zahlreiche Gutachten, die aus den Laboren des Hessischen Landeskriminalamts stammen. Denn die Spurensicherung hat im März vergangenen Jahres die Werkstatt und die Nebengebäude in Hammersbach genau unter die Lupe genommen. Vor allem einen kleinen Raum, in dem sich ein Stromverteilerkasten sowie eine Grube im Boden befindet – sie war mit einem Brett abgedeckt.

Um Unsichtbares wieder sichtbar zu machen, setzen die Spezialisten Luminolkristallviolett ein. Diese Chemikalie macht Blutspuren sichtbar. Und in dem kleinen Raum gibt es sehr viele Blutspuren, die darauf hinweisen könnten, dass es sich um einen Tatort handelt. Denn neben den Spuren gibt es auch Erkenntnisse aus der forensischen Molekularbiologie: „Dort, wo menschliches Blut gefunden worden ist, handelt es sich um das Blut von Herrn Z.“, fasst Wetzel zusammen. Als „relativ relevant“ stuft sie die Ergebnisse ein, die von der Spurensicherung an der kleinen Grube gefunden worden sind.

War die Leiche in der Grube?

In der Tat könnte das ein weiteres Puzzleteil in dem Indizienprozess sein: Auf der Ober- und Unterseite des Bretts befinden sich Blutspuren. Sie stammen von Z., so das LKA-Gutachten. Ist es der Tatort? Ist die Leiche von Z. vielleicht in der Grube gewesen?

Spekulationen. Es sind Fragen, auf die es bislang noch keine klare Antwort gibt. Und die Schwurgerichtskammer hat noch weitere Fragen. Als die Hanauer Kripo den Stromverteilerraum das erste Mal unter die Lupe nimmt, zeigen Fotos, dass das Brett und Grube mit Pappe abgedeckt ist. Wo ist diese Pappe? Ist sie auf Blutspuren untersucht worden? Diese Fragen sollen nun in den kommenden Verhandlungstagen von Zeugen aus den Reihen der Hanauer Kripo und des LKA-Labors beantwortet werden, um möglicherweise weitere Indizien in diesem mysteriösen Fall zu haben.

Prozess bis in den Januar terminiert

Doch es könnte sogar noch mysteriöser werden. Denn die Verteidiger von H. geben bekannt, einen seltsamen Brief erhalten zu haben. Darin schildert eine Zeugin, die bereits mehrere Stunden vernommen worden ist, sich nun daran zu erinnern, dass sie zwei Männer gesehen haben will, die mit „Putzarbeiten“ beschäftigt gewesen seien.

Den Brief, der als Beweismittel dienen könnte, rücken die Verteidiger mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit nicht raus. „Das ist abenteuerlich“, bemerkt die Vorsitzende, die schließlich bekannt gibt, dass der Prozess auch nach der Jahreswende weitergehen wird. Denn das Schwurgericht hat weitere Hauptverhandlungstermine bis zum 24. Januar festgelegt. Der Prozess wird fortgesetzt.

(Von Thorsten Becker)

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