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Haftbefehl in Halle 1 verkündet Kriminalbeamter berichtet über Reaktionen von Ralf H.

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Von: Thorsten Becker

Ein Militärfahrzeug haben die Ermittler in den Werkstatthallen in Hammersbach entdeckt. Es besteht der Verdacht, dass die Leiche von Alojzij Z. damit an einen unbekannten Ort gebracht worden ist.
Ein Militärfahrzeug haben die Ermittler in den Werkstatthallen in Hammersbach entdeckt. Es besteht der Verdacht, dass die Leiche von Alojzij Z. damit an einen unbekannten Ort gebracht worden ist. © Mike Bender

Maintal/Hammersbach/Hanau–Im Indizienprozess um das mysteriöse Verschwinden des 79-jährigen Alojzij Z. in Langen-Bergheim und Maintal hat die Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht gestern versucht, zwei weitere Puzzleteile hinzuzufügen, um ein möglichst komplettes Bild vom Geschehen zu bekommen.

Ein Teil steuert an diesem Morgen der 51-jährige Kriminalhauptkommissar S. bei. Er ist ganz am Anfang mit dem Vermisstenfall und dann mit dem entscheidenden Tag der Festnahme des unter Mordverdachts stehenden Ralf H. beschäftigt gewesen. H., der am Schulzehnten eine Autowerkstatt betrieben hatte, soll seinen Vermieter am 21. Januar aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Von einer Leiche fehlt jedoch weiterhin jede Spur (wir berichteten).

„Wir haben Herrn H. zunächst gefragt, ob er Z. in den vergangenen zwei Tagen gesehen hat. Er konnte sich nicht erinnern, wann er ihn zuletzt gesehen hat“, so der Ermittler. „Für uns war das eine Vermisstensache und Herr H. war sehr kooperativ“, sagt der Hauptkommissar aus. So hätten die Beamten über eine zur Verfügung gestellte Leiter auch durch die Oberlichter der abgeschlossenen Werkstatthallen blicken können, die Z. als Besitzer des Grundstücks vorbehalten waren. Doch von Z. gibt es keine Spur. Selbst die Leichenspürhunde, die noch am gleichen Tag eingesetzt wurden, schlagen nicht an.

Rund vier Wochen später ist S. wieder auf dem Werkstattgelände. Aber diesmal früh am Morgen, begleitet von weitaus mehr Beamten – und mit zwei vom Amtsgericht ausgefertigten Dokumenten. „Wir haben Herrn H. in der Halle 1 angetroffen. Ich habe ihm den Durchsuchungsbeschluss sowie die vorläufige Festnahme verkündet.“ „Und – wie hat er darauf reagiert?“, hakt die Vorsitzende Richterin Susanne Wetzel nach. „Er war etwas nervös, hat leicht gezittert“, berichtet die Kripobeamte. Doch dann habe sich H. auf eine Bank gesetzt, die Dokumente durchgelesen und um seinen Anwalt gebeten. „Dann ging die Durchsuchung los.“

Dann steht erneut die Aussage des möglicherweise einzigen Augen- und Ohrenzeugen L. im Mittelpunkt. Dieser hatte im April ausgesagt, H. zusammen mit einem „älteren, schmalen Mann mit grauen Haaren“ gesehen zu haben. Beide seien um das Gebäude herumgelaufen. Danach habe H. ihn schnell vom Hof haben wollen. L.: „Er sagte mir, der Schrotthändler sei da.“

Jetzt sitzt der Hammersbacher auf dem Zeugenstuhl. Er ist Schrotthändler, rund 1,80 Meter groß, muskulöse Statur, kurze schwarze Haare. „Die grauen Haare lasse ich immer wegrasieren, alle drei Wochen gehe ich zum Friseur“, sagt er aus.

Optisch gesehen könnte dieses ein weiteres Puzzleteil sein, das die Indizienkette der Anklage stützt. Doch inhaltlich passt es nicht. Das liegt daran, dass der Hammersbacher sich zwar an viel Schrott erinnern kann, aber überhaupt kein Zeitgefühl besitzt. Er widerspricht sich ständig, was die Befragung durch das Gericht zu einer schier aussichtslosen „Datumswürfelei“ werden lässt. Der Prozess wird fortgesetzt. (Von Thorsten Becker)

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