Auf der derzeitigen Parkfläche des Michel-Hotels soll der „Green Tower“ realisiert werden. Bis zu 17 Stockwerke hoch könnte das Objekt werden, das der Investor derzeit plant (rechts). Luftbild: Axel Häsler/Visualisierung: IdeePlan

Maintal

"Green Tower": Erster Schritt ist gemacht

Maintal. In der Sache sind sich die Stadtverordneten fraktionsübergreifend einig: Ja, sie befürworten Wohnbebauung auf dem Gelände des Michel-Hotels mit einem 30-prozentigen Anteil an günstigen Mietwohnungen. Aber bei der maximalen Ausnutzung des Grundstücks und der geplanten 17-geschossigen Bebauung hört die Einigkeit dann auf.

Von Martina Faust

Am „Green Tower“, den Ido Michel auf dem Grundstück seines Hotels am westlichen Dörnigheimer Ortseingang realisieren will, scheiden sich seit Wochen die Geister. Auch in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend gab es ein fast schon zermürbendes Ringen für beziehungsweise gegen das Projekt – mit sachlichen und objektiven, aber auch emotionalen und sehr persönlichen Wortbeiträgen.

SPD und CDU die größten Fürsprecher

Unterstützung erfährt das Projekt von CDU (mit Ausnahme von Christoph Stückenschneider) und SPD. Weil „Maintal Wohnraum dringender denn je braucht“, weil „in dem Quartier schon Hochhäuser stehen“, weil „es ein schönes Projekts ist“ so Martin Fischer, Fraktionsvorsitzender der CDU. Aber auch, weil „es eine Chance für das Quartier ist“, weil „wir damit den Eingangsbereich aufwerten“ und weil „das Hochhaus eine Antwort ist, wie wir verantwortungsvoll mit Grund und Boden umgehen“, so SPD-Fraktionschef Sebastian Maier. Oder einfach nur, „weil wir das haben wollen“, formulierte Götz Winter (CDU).

Aus dieser Einigkeit scherte Christoph Stückenschneider (CDU) aus, auch wenn er sich dafür eine blutige Nase hole. „Ich mag keine Hochhäuser in ländlicher Umgebung. Und die Identität Maintals ist ländlich. Wir können doch nicht in Maintal die Wohnungsnot für den Ballungsraum lösen“, sagte er und stimmte als Einziger innerhalb seiner Fraktion gegen den gemeinsamen Antrag von SPD und CDU, eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans zu veranlassen, die Voraussetzung für die die Errichtung des „Green Towers“ ist. Dafür gab es trotz aller Widerstände aus den Reihen von Grünen, FDP und WAM schließlich eine Mehrheit.

Bedenken zur Parkplatzsituation

Gerade, weil die Sache so aussichtslos schien, argumentierten die Widersacher des Vorhabens umso energischer. Zu ihnen zählt auch der Erste Stadtrat Ralf Sachtleber (parteilos) als zuständiger Dezernent. „Eine solch extreme Ausnutzung eines Grundstücks haben wir in Maintal bisher nicht“, unterstrich er und machte wiederholt städtebauliche und baurechtliche Bedenken deutlich. Auch für die fehlenden Parkplätze sah er keine technische Lösung. „Ich sehe nicht Platz für einen Parkplatz, geschweige denn für 120“, sagte er und forderte, dass wenn Hochhäuser gewollt seien, das vor zwei Jahren auch unter Beteiligung der Bürger erarbeitete Stadtentwicklungskonzept mit den Maintalern neu diskutiert werden müsse.

Das sah der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Schäfer genauso. „Wir können das in intensiver Kleinarbeit erarbeitete und beschlossene Stadtentwicklungskonzept nicht einfach ad acta legen“, mahnte er. Er befürchtet negative Folgen durch das Projekt. „Hochhäuser sind nicht geeignet für eine Diversifikation, sondern bedeuten meist eine soziale Trennung“, unterstrich er.

Investor soll sämtliche Kosten tragen

Die Grünen machten deutlich, dass sie nicht generell gegen Hochhäuser seien, „aber nicht an dieser Stelle. Ziehen Sie Ihren Antrag zurück“, appellierte Hartmut König in Richtung der beiden großen Fraktionen. Auch Friedhelm Duch bat darum, nichts übers Knie zu brechen, wie auch Jörg Schuschkow, Chef der WAM, zunächst eine Bürgerinformation und eine Entscheidung nach der Sommerpause vorschlug. „Wir verteufeln die Bausünden aus den 60er und 70er Jahren. Warum wollen wir sie dann wiederholen“, fragte er in Richtung von CDU und SPD.

Das weitere Vorgehen in Sachen „Green Tower“ sieht nun vor, dass der Maintaler Magistrat zunächst einen städtebaulichen Vertrag mit dem Investor Ido Michel schließt, in dem eine Mindestquote von 30 Prozent gefördertem Mietwohnungsbau, ein Mobilitäts- sowie ein Energiekonzept festgelegt werden. Dieser Vertrag, den alle Fraktionen befürworten, muss zunächst befürwortet werden, bevor der Bebauungsplan im Sinne von CDU und SPD beschlossen wird. Sämtliche Kosten, die mit dem Projekt einhergehen, soll der Investor tragen – so will es die WAM, und so wollen es die übrigen Fraktionen. Damit ist der erste Schritt in Richtung „Green Tower“ getan, auch wenn das letzte Wort in der Sache noch lange nicht gesprochen ist.

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