Sprayer Florian Lübcke bei der Arbeit
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Kreativ mit der Spraydose: In der Hartig ist ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk entstanden.

Graffiti-Kunst in Maintal: Künstler verschönern Wasserübergabewerk

Um dem Wasserübergabewerk in Hochstadt einen Klecks Farbe zu verpassen, haben nun Graffiti-Künstler ihrer Kreativität freien Lauf gelassen.

Maintal – Ein trostlos grauer, lebloser Betonklotz, so stand das Wasserübergabewerk in der Hochstädter Hartig bis vor wenigen Tagen da. Am vergangenen Wochenende hatte das Maintaler Kulturbüro alle, die ihrer Kreativität mit der Spraydose freien Lauf lassen wollten, zu einem „Open Air Graffiti“-Workshop mit Thekra Jaziri und Florian Lübke eingeladen. Der Funktionsbau verwandelte sich so in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk, auf dem sich die heimische Flora, Fauna und die Hochstädter Architektur widerspiegeln.

Die beiden Künstler gaben den Teilnehmern nicht nur Tipps, sondern lenkten ihre Kreativität auch in optisch ansprechende, einheitliche Bahnen: „Eine Wand – ein Ausmalbild“ ist das Konzept, mit dem die Offenbacher Künstlerin Thekra Jaziri den einst leblosen Fremdkörper in die blühenden Felder, Wiesen und Weiden nordwestlich von Hochstadt einbettet.

Jaziri gibt regelmäßig Graffiti-Workshops

„Ich veranstalte regelmäßig Graffiti-Workshops und konnte es einfach nicht mehr hören, dass viele sagen, sie könnten nicht malen. Denn ausmalen kann jeder“, erklärt die Künstlerin mit tunesischen Wurzeln, die in ihrer Wahlheimat Offenbach schon einige Gebäude wie die würfelförmige Wassersanierungsanlage nahe der Walter-Spiller-Brücke oder die Betonwand des Evo-Kohlelagers am Hafenbecken verschönert hat.

Gemeinsam mit dem Maintaler Künstler Florian Lübke hat sie ein Gesamtkunstwerk entworfen, das als Ausmalbild auf der Außenhülle des Wasserübergabewerkes Ausgangspunkt des zweitägigen Workshops war. Angemeldet hatten sich rund 40 Teilnehmer, darunter einige Familien, die die mit weißen Linien vorgesprühte Bildstrecke in einem Zeitrahmen von einer Stunde pro Gruppe ausmalen konnten. „Das ist total cool, dass das schon vorgemalt ist“, findet Sabrina Bachmann aus Nidderau. „Dann passt das am Ende auch gut zusammen.“

Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher besichtigt das fertige Kunstwerk

Die Kursleiter erklären den Teilnehmern, worauf beim Arbeiten zu achten ist.

„Mein Sohn liegt mir schon seit Langem in den Ohren, er wolle unbedingt mal Graffiti sprühen“, sagt Tanja Kirsch und schüttelt die Farbdose, mit der sie Blumenblätter begrünt. Benni hatte Jugendliche gesehen, die mit Spraydosen im Park hantiert und mutmaßlich etwas produziert hatten, was die Workshop-Teilnehmer nun mit tatsächlicher Kunst übersprühen. „Schmierereien zum Beispiel auf vielen Zählerkästen in Maintal sind mir schon lange ein Dorn im Auge“, erklärt Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos), die das entstehende Kunstwerk besichtigte. „Besonders gelungen finde ich hier, dass Künstler mit Bürgerinnen und Bürgern mit relativ einfachen Mitteln den öffentlichen Raum aufwerten. Das Motiv passt zudem auch wunderbar in die Umgebung.“

„Wir haben das Ausmalbild so konzipiert, dass sich das Gebäude nahtlos in die Landschaft einfügt“, erläutert der diplomierte Kommunikationsdesigner und professionelle Wandgestalter Florian Lübke, der sich unter anderem schon auf der Autobahnbrücke und der Fahrradunterführung in Bischofsheim verewigt hat.

Hier auf dem kleinen Gebäude nahe Hochstadt treffen nun bunte Igel, Füchse, Hasen auf Kirschen, Zwetschgen, Birnen, Feld- und Wiesensträucher und bekannte Hochstädter Gebäude wie den Torbogen im historischen Stadtkern.

Künstler einigten sich auf eine Farbpalette

„Dadurch identifizieren sich Hochstädter, die hier wie ich früher auch oft mit oder ohne Hunde spazieren gehen, mit dem Kunstwerk“, erklärt Lübke. Er und seine Kollegin Jaziri, mit der er schon einige solcher Workshops veranstaltet hat, haben sich auf eine Farbpalette geeinigt, die gut in die Umgebung passt: gedeckte Grüntöne mit knalligen roten, blauen und gelben Highlights.

„Immer zuerst schauen, wo das Loch der Dose ist“, gibt Lübke den Teilnehmern den vielleicht wichtigsten Tipp im Umgang mit der Sprühfarbe. „Am besten sprüht ihr aus dem Arm heraus. Das ist wie Ballett an der Wand; man tanzt am Kunstwerk entlang.“

Viele Hände, schnelles Ende: Familien beteiligen sich am Graffiti-Projekt.

Jede Gruppe kann sich an einer Wand entfalten. Handschuhe und Mundschutz sind beim Sprayen ohnehin Pflicht – weniger wegen der Ansteckungsgefahr, sondern zum Schutz vor Farbdämpfen. Dadurch ist der Open-Air-Workshop als Teil des städtischen Konzepts „Freiraum Galerie“ für Kunst im öffentlichen Raum ein ideales Event in Corona-Zeiten. „Wir haben uns über die große Resonanz aus der Bevölkerung gefreut“, sagt Sabine Schleicher vom Kulturbüro. Hessenwasser, der Betreiber des Wasserübergabewerkes, konnte bereits im vergangenen Jahr von dem Vorhaben überzeugt werden. „Ich bin überrascht, wie gut das Angebot angenommen wird. Es läuft sehr entspannt ab und macht großen Spaß“, resümiert Florian Lübke am Ende des ersten Workshop-Tags. tristen Funktionsbau in der Verlängerung Am Felsenkeller in Hochstadt in ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk verwandelt, auf dem sich die heimische Flora, Fauna und die Hochstädter Architektur widerspiegeln.

(VON BETTINA MERKELBACH)

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